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Goethe und Geldsorgen?: Hadern mit dem Germanistik-Studium

Janine Jähnichen 29. März 2017 11:00

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    Einen großen Stapel an Reclamheften besitzen, aber später nur wenig Kohle verdienen? Studierende der Geisteswissenschaften haben es bei ihrer Berufsauswahl nicht immer leicht, weiß auch Autorin und Germanistik-Studentin Janine.

Persönliches „Wer Medizin studiert, ist nach dem Studium Arzt, wer Germanistik studiert, ist nach dem Studium… nun ja: Germanist“, so oder so ähnlich versuchen die Dozenten mir und meinen Kommilitonen die Zeit nach unserer Bachelor-Arbeit zu verdeutlichen. Und leider haben sie recht damit.

Denn es stimmt, durch meinen Bachelor of Arts in den Geisteswissenschaften habe ich noch lange keinen Beruf erlangt. Ein Germanist kann alles und nichts nach seinem Studium machen. Die meisten, die hören, dass ich Germanistik studiere, haben direkt das Bild von mir als Deutschlehrerin im Kopf. Aber diesen Gedanken vertreibe ich allen gleich wieder, da ich schließlich nicht auf Lehramt studiere. „Ja gut und was wirst du dann damit?“ ist dann meistens die Frage, die anschließend folgt.

An sich stehen mir viele Bereiche offen, wie zum Beispiel der Journalismus, das Verlagswesen, die Arbeit am Theater, eine Arbeit am Goethe-Institut… aber was genau das Richtige für mich ist, muss ich im Laufe des Studiums herausfinden. Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, an der ich studiere, bietet gerade für verzweifelte Geisteswissenschaftler ein Orientierungsprogramm zu Beruf und Studium an. Es kommen ehemalige Studenten der philosophischen Fakultät zu Besuch, die ihren Werdegang vorstellen und zeigen, was es für berufliche Möglichkeiten gibt, wenn man zum Beispiel Germanistik studiert hat.

Dämpfer des Selbstvertrauens

Leider kommt hier jedoch der nächste Dämpfer des Selbstvertrauens, da nahezu jeder Gast darauf hinweist, sich im Laufe der Jahre durch Kontakte zu seinem jetzigen Beruf hochgearbeitet zu haben. Bedauerlich also, wenn man keine Kontakte in den jeweiligen Branchen hat!

Eine weitere, wie ich finde, sehr wichtige Möglichkeit, sich ein wenig klarer über seine Zukunft zu werden, sind Praktika. Ich selbst bin im Moment in meinem vierten Praktikum und muss sagen, dass mir bisher alle weitergeholfen haben. Trotzdem habe ich auch oft Zweifel, ob ein Germanistik-Studium die richtige Wahl für mich ist. Das Fach an sich macht mir viel Spaß und fordert mich auch im richtigen Maße und auch mit der Wahl meines Nebenfaches Kommunikations- und Medienwissenschaft bin ich zufrieden, aber gerade der Blick auf die Zeit nach dem Studium bereitet mir – öfter als mir lieb ist – große Sorgen.

Die Jobaussichten meiner Freundinnen mit einem Lehramt-, Pharmazie- oder BWL-Studium würde ich da deutlich besser einschätzen. Und auch sie selbst sehen das so: „Meine Chancen nach der Uni schätze ich sehr gut ein, da eine große Reli-Lehrer- Nachfrage an den Schulen herrscht und sich daran auch so schnell nichts ändern wird“, sagt zum Beispiel die 20-jährige Recklinghäuserin Marie, die für das Grundschullehramt für Deutsch, Mathe, Religion an der Uni eingeschrieben ist. Sie gibt zwar auch zu, dass anfangs von einigen Kommilitonen schräge Blicke kommen, wenn sie sagt, dass sie Religionslehrerin wird, aber im Laufe des Semesters legen sich diese Reaktionen dann auch.

Auch Katharina, 21, Pharmazie-Studentin aus Recklinghausen, blickt ihrer Zeit nach dem Studium positiv entgegen: „Ich schätze meine Chancen recht gut ein, weil man sich als Apothekerin in verschiedenen Richtungen spezialisieren kann und der Anteil an Pharmaziestudenten im Vergleich zu anderen Studiengängen gering ist, da das Studium sehr hohe Anforderungen hat.“ Gerade diese Anforderungen würden das Studium anstrengend wirken lassen, weil man aufgrund des hohen Praxisanteils den ganzen Tag in der Uni verbringt, erklärt Katharina.

Geht's den BWLlern auch so?

Aber wenn man wüsste, dass es sich für die Zukunft lohnt, könne man schnell darüber hinwegsehen. Die BWL-Studentin Johanna (21, aus Recklinghausen) sieht ihre Job-Chancen dagegen eher zwiegespalten: „Auf der einen Seite gibt es extrem viele Bereiche, in denen BWLer arbeiten können, sodass es auf jeden Fall eine große Menge an Jobs in verschiedenen Bereichen gibt. Auf der anderen Seite gibt es aber auch sehr viele BWL-Studenten, sodass man sich nicht alleine auf diese ganzen Jobs bewirbt und es wichtig ist, aus der Masse herauszustechen.“ Gerade diese Fülle an BWL-Studenten hat laut Johanna in den ersten Semestern großen Druck auf sie ausgeübt, da sie befürchtete, in der Masse unterzugehen.

Ich kann also festhalten, dass meine Freundinnen ihrer Zukunft alle positiver entgegenblicken, als ich es tue. Aber eines haben wir trotzdem gemeinsam: Wir studieren alle Fächer, die uns Spaß machen und in die wir unsere Leidenschaft stecken. Und gerade mit Blick auf mein Studium und die unsicheren Verhältnisse im Anschluss daran, finde ich diesen Punkt sehr wichtig.

Denn selbst wenn ich es nicht schaffe, Journalistin zu werden oder am Theater zu arbeiten, kann ich trotzdem sagen, dass die drei Jahre Germanistik-Studium keine vergeudete Zeit waren. Ganz im Gegenteil!
Mir gefällt die deutsche Sprache und Literatur – und ich bin froh, durch das Studium mehr darüber zu erfahren. Außerdem habe ich viele gute Freundinnen durch das Studium gewonnen und bin irgendwie auch gewachsen an den neuen Erfahrungen und Umständen, die das Uni-Leben mit sich bringen.
Und hey, ich bin erst 20, und wenn ich mein Studium in der Regelstudienzeit beende, dann kann ich immer noch ein neues Studium oder eine Ausbildung beginnen!

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