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Locker bleiben, meint Aurora: Schule und Uni sind gar nicht so schlimm

Aurora Lushtaku 25. Mai 2016 11:39

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    Pure Verzweiflung beim Lernen? So wird es Schülern und Studenten immer prophezeit.

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    Journalismus-Studentin Aurora überarbeitet sich im Studium nicht, sondern findet noch viel Zeit fürs Musikmachen.

Allein und verlassen schaut sich die kleine Ameise um. Sie ist ahnungslos. Viel zu groß ist die Welt, in der sie sich gerade befindet. So eine situative Beschreibung scheint angeblich auf frisch gebackene Studenten zuzutreffen. Warum ich das komplett anders sehe, hat einen simplen Grund: meine eigene Erfahrung.

Kaum fängt das Leben an, schon geht das Drama los: das Drama der ständigen Übertreibung. Ist man im Kindergarten, wird einem die Grundschule wie der reinste Horror beschrieben. Besucht man sie dann (mit der Erkenntnis, dass es gar kein Horror zu sein scheint), soll nun aber die weiterführende Schule die Hölle sein. Damit selbstverständlich nicht genug: Wenn schließlich das Abitur ansteht, wird dies als die nervenaufreibendste Prüfung aller Zeiten dargestellt. Lehrer verschicken E-Mails mit dem Betreff „Countdown zum Abitur“ und es folgen Aussagen wie: „Wenn Ihr nicht schon in den Winterferien mit dem Lernen beginnt, werdet Ihr große Schwierigkeiten haben.“ Parallel hört man aber auch solche Sätze: „Ihr wisst gar nicht, wie gut Ihr es gerade habt. Im Studium wird es mindestens doppelt so hart.“

Abitur? Nur eine Aneinanderreihung von Klausuren!

Nun liege ich in meinem Bett, schreibe diesen Artikel und blicke mit einer Mischung aus Nostalgie und Unverständnis zurück. Ich studiere im zweiten Semester Journalistik mit den Nebenfächern Englisch und Musikwissenschaften. Ich merke, dass der Anspruch größer ist. Aber ich habe es anscheinend ohne ernsthafte Schäden überstanden. Wie kommt das? Habe ich meinem Privatleben den Rücken zugekehrt, um den Rest meines Lebens mit dem Lernen zu verbringen oder bin ich einfach ein Überflieger? Auch wenn ich gegen Letzteres nichts einzuwenden hätte, lautet die Antwort: weder noch. Zwar habe ich mich während meines Lebens leider oft genug vom Drama der Übertreibungen verunsichern lassen, aber es reichte nicht, um mich dazu zu bringen, mehr zu lernen. Mit der Zeit wurde mir klar, dass ich damit nichts falsch machen würde.
Das Abitur stellte sich als eine völlig gewöhnliche Anreihung von Klausuren heraus, die genauso aufgebaut waren wie alle davor. Der Stoff war derselbe, der Schwierigkeitsgrad ebenso. Der einzige Unterschied war, dass wir vor der Klausur gefragt wurden, ob wir uns gut fühlen. Und auch wenn es diesmal mehr Stoff war, war dieser ja alles andere als unbekannt und mehr Zeit hatten wir dafür ebenfalls zur Verfügung. Es war nicht sonderlich schlimmer. Immerhin wiederholt man die Lehr-Inhalte lediglich. Weshalb ich nie verstanden habe, warum man etwas Monate vorher lernen soll, wenn man es doch eigentlich schon längst kann.

Natürlich ist bei jedem der Lernprozess individuell, aber meiner Meinung nach haben die vielen erschreckenden Ankündigungen vieler Lehrer nichts mit der Realität zu tun. Solange man die letzten zwei Jahre in der Schule nicht geschlafen hat und nicht unter dem IQ von Forrest Gump liegt, sollte das Abitur kein Problem sein. Und auch das Studium ist kein großer unbezwingbarer Berg. Ebenso wie in der Schule und auch im gesamten Leben gilt das gleiche Prinzip: Wenn man sich anstrengt und aufpasst, funktioniert alles. Es gibt Höhen und Tiefen. Sicher. Es gibt Momente, in denen man viel Stress hat und plötzlich alle Aufgaben auf einmal über einen herzufallen scheinen. Aber auch damit kommt man letzten Endes besser klar, als man erwartet. Denn es sind alles Dinge, die für das menschliche Hirn entsprechend seiner momentanen Reife geschaffen wurden. Darum finde ich es absolut unpassend, wenn Schülern und Studenten alles so schrecklich präsentiert wird, sobald es in der Zukunft liegt. Fast immer merkt man am Ende, dass es doch nicht so schmerzhaft war, wie angenommen.

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