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Selbstzweifel im Studium: Warum hab' ich mich noch mal eingeschrieben?

Annika Mittelbach 11. Februar 2016 15:54

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    Gedankenverloren hockt Fotomodel Annika in der Bibliothek. Eigentlich sollte sie sich auf Prüfungsfragen vorbereiten, doch die Frage: "Was tue ich hier eigentlich?" geistert ihr im Kopf herum.

Studium Die Augen tränen vor Müdigkeit und der Blick wandert aus dem Fenster hinaus nach draußen, dahin, wo das echte Leben spielt. Und es drängt sich wieder diese eine Frage auf, der man sich am liebsten nicht stellen möchte: Wozu mache ich das hier überhaupt?

Ich sitze in der Bibliothek, neben mir Wasser, meine Notizen, die von Stunde zu Stunde unleserlicher werden und unzählige Bücher, deren Wissen von den Seiten doch bitte wie von Zauberhand in meinen Kopf kommen soll. Ich frage mich oft, ob die Menschen um mich herum auch diese Fragen im Kopf haben: Warum? Wozu? Weshalb?

Eine Online-Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Universität Maastricht sagt „ja“: Jeder dritte Student zweifelt im Laufe seines Studiums mal. Jeder vierte Bachelorstudent bricht sogar ab. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Die einen sind überfordert, die anderen sind unzufrieden mit ihrer Studienrichtung. Laut der Studie zieht von den potenziellen Studienabbrechern ohne Ausbildungsabschluss rund jeder Vierte (28 Prozent) eine duale Ausbildung in Betracht. Jeder Zweite (54 Prozent) denkt über ein anderes Studium nach. Und 39 Prozent überlegen, gleich arbeiten zu gehen und endlich Geld zu verdienen.

Hab' ich nur gerade keine Lust?

Dabei muss man als Studi ganz klar unterscheiden: Hab’ ich nur gerade keine Lust auf mein Studium, weil Prüfungen anstehen und ich lernen und zahlreiche Stunden in der Bibliothek meinem Sozialleben vorziehen muss, um gut abzuschneiden oder ist es ein schwerwiegenderes Problem? Bin ich wirklich unzufrieden und verschwende meine Zeit? Oder ist das Studium wirklich zu schwierig. Das sollte man sich ehrlich eingestehen.
Nicht jeder muss studieren. Von dem Gedanken, dass ein Studium gesellschaftlich mehr Ansehen und vermutlich auch eine bessere Bezahlung bringt, sollte man sich freimachen. Das eigene Glück steht im Vordergrund. Und mit einem schlecht abgeschlossenen Studium ist auch niemandem geholfen.

Nicht vorschnell hinschmeißen

Man sollte allerdings nicht Hals über Kopf eine Entscheidung treffen und das Studium einfach hinschmeißen. Lieber schauen, was man für Alternativen hat, sich ordentlich beraten lassen und sich alles genau überlegen. Ein abgebrochenes Studium ist kein Beinbruch, aber trotzdem etwas, dass man im Lebenslauf erklären muss.
Ich versuche, meine Gedanken wieder auf meinen Lernstoff zu bringen. Ich liebe mein Studium, ich mag nur die Prüfungen nicht. Bisher hab’ ich sie aber gut meistern können. Ich bin genau da, wo ich hingehöre, auch wenn ich noch nicht genau weiß, wohin der Weg im Anschluss führen wird. Sich dessen bewusst sein zu können, ist eine ganze Menge wert. Und so wende ich den Blick ab vom Fenster hin zu meinen Büchern und konzentriere mich auf den Lernstoff, der mich irgendwann irgendwo hinbringen soll. Was das genau sein wird, finde ich dann im Laufe meines Studiums noch raus. Denn das ist ein ganz klarer Vorteil: Zeit, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und die Freiheit, Dinge auszuprobieren.

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