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U-Boot- und andere Studenten-Typen: Nur zur Klausur auftauchen?

Benedikt* (Name v.d. Red. geändert) 03. Juli 2017 07:42

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    An der Uni begegnen einem die unterschiedlichsten Typen: Manche ziehen ihr Studium fix durch, andere wiederum lassen sich Zeit. Manche sieht man nur in der Prüfungsphase an der Uni, andere verbringen jeden Tag auf dem Campus. Alle haben gemeinsam: Lernen müssen sie so oder so.

Studium In einigen Wochen ist das Sommersemester zu Ende. Doch davor stehen noch ein paar Klausuren an. Rückblickend auf meinen bestandenen Bachelor habe ich einige Erfolgsvarianten des Studentenlebens kennengelernt. Ich bin unter dem meisten Stress einfach hinweggetaucht. Ich bekenne mich hier und jetzt als U-Boot-Student.

Im Grunde gibt es viele sehr verschiedene Studententypen. Zum Beispiel die, die bereits am ersten Studientag feststellen, dass sie den falschen Studiengang gewählt haben oder solche, die ein Semester nach dem anderen als „Urlaubssemester“ deklarieren und in Wahrheit nur wilde Partys feiern. Wenn man zu Typen kommt, die wirklich am angestrebten Studienabschluss interessiert sind, so bleiben da jene Studenten, die in jeder Vorlesung anwesend sind und sich Vorwürfe machen, falls sie an einem einzigen Seminartermin nicht da sein können. Oder es gibt die, die nur sporadisch, aber regelmäßig eine Vorlesung besuchen – und letztlich – zu dieser Gruppe zähle ich mich – die sogenannten „U-Boot-Studenten“, die nur in der Klausur an der Uni auftauchen.
Diese „Campus-Art“ beschränkt sich auf das Wesentliche, besser gesagt auf das wirklich Notwendigste. Da wären zu nennen: die erste Vorlesung, Termine für die Eintragung von Gruppenarbeiten und, falls wirklich nötig, die letzte Vorlesung vor den Klausuren. Mehr braucht es vorerst nicht, um sich erfolgreich durch die Prüfungen mogeln zu können. Am Ende der jeweiligen Vorlesungsperiode heißt es dann aber: Hamstern, hamstern und nochmals hamstern!

Prof. Dr. Stefan Weinacht, der am Institut für Journalismus und Public Relations an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen lehrt, kennt sich mit diesem Studententypen aus. „Ich war selbst in ausgewählten Fächern ein U-Boot-Student“, gibt er zu. „Das Phänomen gehörte ja schon im letzten Jahrtausend zu den Uni-Standards. Wenn eine Lehrveranstaltung darauf ausgelegt ist, dass ein Prof sein Lehrbuch vorliest und keine Zwischenfragen erwünscht sind, dann kann das jeder Studierende genauso gut zu Hause auswendig lernen“, erklärt er. Gute Noten zu erreichen würde aber schwierig werden, sobald es ums Verstehen und Anwenden geht. Hier bestehe ein wichtiger Zusammenhang zur Anwesenheit in den Seminaren, bemerkt Prof. Dr. Weinacht.

Altklausuren helfen beim Lernen

Um die Chancen auf gute Noten zu maximieren, sieht die Methode des U-Boot-Studenten vor, sämtliche Skripte in aktuellster Version und, falls möglich, aus vergangenen Semestern zu sammeln. Diese bilden den Grundstock für das spätere Lernen. Hierbei ergibt sich jedoch folgendes Problem: Welche der teilweise 500 Seiten sind wirklich prüfungsrelevant und welche können getrost in den Papierkorb gelegt werden? Die Lösung hierfür: Altklausuren – sozusagen der Heilige Gral der Studentenwelt. Dem Lernenden fällt es leicht, Parallelen zwischen den Klausuren zu ziehen. Nach und nach erhält man so ein Bild der bevorstehenden Prüfung und die Vorbereitung fällt gleich viel leichter. Mehr und mehr Seiten des genannten Skripts fallen weg und es entsteht eine zusammengebraute Essenz, die man sich nun täglich visuell ins Hirn führen darf.

Praktisch bei den vorhandenen Altklausuren ist, dass oftmals komplette Lösungen für die Aufgaben vorliegen und angehangen sind. Der Aufwand, sich im Skript mühselig die Antworten zusammenzusuchen und gar im Internet weiter nach Antworten zu forschen, entfällt in vielen Fällen ebenfalls fast komplett. Notwendig dafür ist ein gut aufgebautes und gepflegtes Netzwerk zu vielen Studenten und Absolventen. Hier gilt das altbekannte Motto „Die rechte Hand wäscht die Linke“.

Erfolg durch Glück

Eine letzte Erfolgskomponente haben wir bisher allerdings ganz aus den Augen gelassen: das Glück. Mit den Altklausuren und dem daraus hart erlernten Wissen kann der Klausurerfolg glücken, doch manchmal spielen Faktoren ein, die man einfach nicht vorhersehen kann.

Viele der U-Boot-Studis entscheiden sich dabei aber gar nicht bewusst für diesen Uni-Lifestyle, erklärt Prof. Dr. Weinacht: „Man darf nicht vergessen, dass manche Menschen zu U-Boot-Studierenden werden, weil sie zum Beispiel einen Job mit dem Studium unter einen Hut bringen müssen.“ Eine Sache ärgert den Professor für Journalismus und Public Relations an der Haltung der uni-faulen Studenten jedoch sehr: „Den richtig fiesen Nachteil haben jene, die gerne studieren wollten, aber keinen Studienplatz bekommen haben. Den hat jetzt ein U-Boot-Studierender, der offensichtlich andere Dinge für wichtiger hält als das Studium. Und das ist unfair, zumindest in zulassungsbeschränkten Studiengängen.“

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