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Debütalbum des Singer-Songwriters: Declan McKenna vertont Teenagerjahre

Steffen Rüth 25. Juli 2017 14:25

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    Auch mit 18 gibt’s viele Gründe zum Schreien: Declan McKenna verarbeitet auf seinem ersten Album musikalisch die Unsicherheiten seiner Generation.

Pop Musik und Inhalte des 18-jährigen Engländers sind weit reifer als sein jungenhaftes Aussehen. Das Rätsel um den Titel seines ersten Albums „What do you think about the car?“ löst Declan McKenna schon auf, bevor es überhaupt richtig losgeht.

Gleich zu Beginn hört man ein kleines Kind eben jene Frage „What do you think about the car?“ rufen. Es ist der aus einem Heimvideo entnommene, vierjährige Declan, den die Meinung seines Vaters interessiert. „Ich war immer schon ein neugieriger Kerl“, sagt Declan, inzwischen 18. „Ich wollte alles wissen, vielleicht, um mit meinen Geschwistern mithalten zu können.“

Declan ist das jüngste von sechs Kindern, und auch musikalisch war er immer schon eher früh dran. Mit acht lernt er Gitarre, mit zehn kommt das Schlagzeug dazu sowie die Gründung seiner ersten Band, auch das Schreiben eigener Songs „war eine Sache, die sich schon entwickelte, als ich noch ein Kind war.“ Die meisten der Songs auf „Car“ schrieb der in Hertfordshire geborene und noch bei den Eltern lebende Declan mit 16. „Ich wollte schon immer nichts lieber machen, als Lieder zu schreiben und live aufzutreten. Das ist bis heute so geblieben, deshalb war es eine vernünftige Entscheidung, dass ich es beruflich mit der Musik probiere.“

Dokument seiner Jahre zwischen 15 und 17

Declan verließ die Schule mit 16, und während seine Kumpels gerade ihren mit unserem Abitur vergleichbaren Abschluss gemacht haben, trat er zum dritten Mal in drei Jahren beim Festival in Glastonbury auf, wurde von der BBC in die viel beachtete Newcomer-Liste aufgenommen und gilt als eine der größten Indie-Pop-Rock-Entdeckungen Großbritanniens seit Langem. Die Songs als solche sind dabei bemerkenswert unterschiedlich und vieldimensional geraten, stilistisch grob gesprochen zwischen Jake Bugg, den Arctic Monkeys (deren Produzent James Ford auch „Car“ produziert hat), Jeff Buckley und David Bowie. „Verschiedene Phasen meines Lebens führten zu verschieden klingenden Songs“, sagt Declan. „Ich hatte den Wunsch, so viel wie möglich in der Musik zu erkunden, und dabei auch mich selbst besser kennenzulernen. Die ganze Platte, in die ich irre viel Arbeit gesteckt habe, ist ein Dokument meiner Jahre zwischen 15 und 17.“

Bemerkenswerte textliche Reife

Frappierend ist auch die textliche Reife dieses Teenagers, der unlängst zum ersten Mal wählen durfte („Endlich! Ich war noch zu jung, um gegen den Brexit zu stimmen, was für ein Mist.“) Im mitsingmelodischen „The Kids“ macht er sich Gedanken über die „vielen Unsicherheiten in meiner Generation, sei es, das eigene Aussehen, die Wirkung auf andere und die Zukunft als solche betreffend“.

„Paracetamol“ ist ein Lied über einen Transgender-Jungen und allgemeiner „darüber, dass jeder Mensch Akzeptanz und Respekt verdient und keinen Hass.“ Und in „Brazil“, geschrieben mit 15, nimmt sich Declan das korrupte Gebaren der FIFA zur schmächtigen Brust. „Obwohl ich Fußballfan bin. Ich denke, wir jungen Menschen können mehr, als nur aufs Handy zu glotzen und zu feiern. Die Welt da draußen ist ernst, man sollte ihr auch in der Kunst ehrlich und intelligent begegnen.“
 

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