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Drangsal mit "Zores": Mehr Tiefe, mehr Schärfe, mehr Pop

Steffen Rüth 11. Juni 2018 09:43

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    Mit Blick auf Berlin sieht die Welt – auch für Drangsal – freundlich aus. Für den 25-jährigen Max läuft es eh gut: Er hat sein zweites Album „Zores“ veröffentlicht.

Max Gruber (25) aus Herxheim, und besser bekannt unter dem Namen Drangsal, hat sein zweites Album „Zores“ genannt, was ein vor allem in der heimischen Pfalz gebräuchlicher Ausdruck für „Wut“, „Streit“ oder „eine Gruppe Asozialer“ ist. Die neuen Lieder, im Gegensatz zum viel beachteten Debüt „Harieschaim“ (2015) nun fast durchgängig in deutscher Sprache, strafen den Titel jedoch Lügen.

Drangsal klingt nun zugänglicher, poppiger, freundlicher. Statt mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, geht er mit „Zores“ durch die offene Tür. „Ich war erleichtert, dass endlich mal irgendwas geklappt hat“, freut er sich beim Treffen im Berliner Plattenfirmenbüro über das große Echo und auch den relativen kommerziellen Erfolg des Debüts. „Mein Ziel, eine Platte herauszubringen, für die sich die Leute interessieren, habe ich erreicht. Daher hat mich der Rummel nicht unter Druck gesetzt, sondern er hat mich ruhiger und gelassener gemacht.“ Und, zumindest in seiner Musik, denn als Person war Max immer schon ein Netter. „Ich habe nicht mehr den Drang, ständig zu provozieren und aufzuzählen, wenn ich alles bescheuert finde, und mein exorbitantes Geltungsbedürfnis ist gestillt. Jetzt spreche ich lieber darüber, was ich mag.“

An „Zores“ ging Drangsal mit breiter Brust heran. Wieder produziert von Markus Ganter machte er sich zunächst kreativ komplett frei und ließ sich dann von „Tool, Placebo und den Smashing Pumpkins“ beeinflussen, wie er sagt, daher auch der druckvolle Klang der ganzen Platte.

Als Songwriter besser geworden

Mehr Tiefe, mehr Schärfe, mehr Pop – das ist so in der Kurzzusammenfassung die starke Entwicklung, die Drangsal von „Harieschaim“ zu „Zores“ genommen hat. „Ich bilde mir ein, dass ich in den zwei Jahren auf Tour gelernt habe, mit meiner Stimme ein bisschen besser umzugehen und dass ich ein besserer Songwriter geworden bin.“

Dass die gesamte Platte supermelodisch und fetter als die erste klingt, sei beabsichtigt gewesen. Stücke wie das an den jungen Farin Urlaub erinnernde „Magst Du Mich (Oder Magst Du Bloß Noch Dein Altes Bild Von Mir)“ und das unwiderstehlich poppige Lied „Und Du?“ sind so eingängig, dass „sie auch am Lagerfeuer, nur mit der Gitarre gespielt, noch geil klingen.“ Mit Romantik setzt sich Max in „Sirenen“ auseinander. „Zweisamkeit war nie ein Zufluchtsort für mich“, bekennt er. „Sich nach der Liebe zu sehnen, ist etwas anderes, als sie tatsächlich zu finden.“ „Uhuuuu, Baby, sag‘ mir wann fängt das Leben an“, singt er. „Vielleicht bin ich schon zu alt, um so etwas zu sagen, aber in vielerlei Hinsicht beginne ich mit meinem Leben gerade erst. Ich merke aktuell, wie viel Spaß mir meine Tätigkeit als Popmusiker macht. Die Grundstimmung in meinem Herzen wird immer positiver.“

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