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Porträt: Mädness & Döll: Weit weg vom Spaßrappertum

Steffen Rüth 30. März 2017 16:11

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    Fabian (l.) und Marco sind als „Mädness & Döll“ eines der wenigen Bruderpärchen im deutschen Hip-Hop. Nicht nur dieser Fakt macht die beiden besonders, sondern auch, dass sie auf dem ersten Album „Ich und mein Bruder“ ihren hessischen Dialekt durchscheinen lassen.

„Wir finden es super“, sagen Mädness & Döll, „wenn Künstler ihre eigene Sprache haben und wenn Rapper in ihrem eigenen Dialekt rappen.“ Mädness & Döll kommen aus Darmstadt in Hessen, und das hört man ihnen auf dem ersten gemeinsamen Album „Ich und mein Bruder“ auch eindeutig an.

Mädness & Döll sind Marco und Fabian Döll, zwei Brüder, der eine – Marco – ist acht Jahre älter als der andere, und man kann bei diesen beiden jetzt nicht davon sprechen, dass sie sich gesucht und gefunden hätten, denn sie waren ja immer schon zusammen. Marco wuchs musikalisch auf mit der „klassischen Mitte-der-Neunziger-Garde wie Public Enemy, Ice Cube, Ice-T und NWA“. Fabian saß ein Zimmer weiter und hat „als Kind unweigerlich die Sachen gehört, die Marco auch gehört hat.“ So schälten sich sehr ähnliche Geschmäcker heraus.

Durchs Machen gelernt

Man muss ein wenig ausholen, um dieses Duo zu erklären. Marco macht schon lange Musik. „Deutsch-Rap begann mich so ab Ende der Neunziger wirklich zu flashen“, erzählt er. „Samy Deluxe fand ich großartig, endlich war da jemand, dessen Flow nicht hölzern und holprig war, sondern richtig cool.“ Mädness, so nannte er sich damals schon, fing an als Freestyle-Rapper, trat zusammen mit Olli Banjo auf und veröffentlichte 2006 eine in Fachkreisen hochgeschätzte EP namens „Aus dem Nichts“, der er ein Jahr später das erste Album „Unikat“ folgen ließ. „Ich habe gelernt durchs Machen. Einfach weil ich Bock hatte.“ Eine Musikerfamilie im klassischen Sinne sind die Dölls nicht, die Jungs haben sich das alles selbst beigebracht.

In der Rap-Szene werden die beiden respektiert und sind gut angesehen, veröffentlichen auch 2014 noch jeweils leidlich erfolgreiche Singles, von der Musik leben indes können sie lange Zeit kaum. Fabian verbringt einige Zeit mehr oder weniger studierend in Madrid, wo er durch persönliche Beziehungen gelandet ist („Mit meinem miesen Abischnitt war ich in Deutschland in der Fächerwahl sehr eingeschränkt“). Marco hatte unterdessen praktisch mit Rap abgeschlossen, war beruflich als Geschäftsführer einer Firma gut untergebracht, während es Fabian solo probieren wollte. „Doch dann“, so Marco, „kamen beruflich und privat einige Dinge dazwischen, die dazu führten, dass wir uns zusammenrauften und relativ spontan dazu entschlossen, dieses Album zu machen.“ Welche Brüche genau zur Gründung des Duos Mädness & Döll führten, wollen sie nicht sagen.

Geht ja auch keinen was an, jedenfalls: Hier sind sie jetzt. Eines der wenigen Brüderpärchen im deutschen Hip-Hop – und es ist verständlich, dass sie mit der engen Blutsverwandtschaft spielen. „Ich und mein Bruder“, der Titel des Albums, ist ein Zitat der Stieber Twins, die diese Zeile auf ihrem Klassiker „Das Fenster zum Hof“ rappten. Das ist zwanzig Jahre her, das Brüderduo aus Heidelberg ist längst Geschichte, „aber sie sind Brüder und sie sind toll, also ist unser Song eine Hommage.“

Texte übers Scheitern und über Zielstrebigkeit

Wer sich das komplette Album anhört, dürfte verblüfft sein, wie ernst es geworden ist. Mädness & Döll sind unendlich weit weg vom Spaßrappertum, sie sprechen lieber über Probleme, übers Scheitern und über den mutigen Trotz dennoch immer wieder Anlauf zu nehmen. Sie wollen sich von keinem mehr etwas sagen lassen („Unabhängig“), es geht um Anerkennung („High Five“), Zielstrebigkeit („Niemals“), aber auch um den lange Jahre nachwirkenden Tod eines geliebten Menschen („Kein Tag“). Dass Mädness & Döll ihr Rap-Handwerk glänzend beherrschen, hören selbst ungeübte und eher beiläufige Hip-Hop-Konsumenten sofort. „Auf dem Album spiegelt sich unser Leben in den letzten Jahren wider“, so Fabian. „Vieles war wirklich ein Kampf, und auf dem Album verarbeiten wir die Rückschläge.“ Dass sich mit Fourmusic ein renommiertes Label ihrer angenommen hat, gibt den beiden selbstredend Genugtuung. „Wir haben uns nie angebiedert und wissen, was wir können“, sagt Marco. „Wir wollten es über die Musik schaffen und sind wahnsinnig stolz, dass uns das auch gelungen ist.“

Größtenteils geschrieben und aufgenommen haben Mädness & Döll die Platte mit dem Produzenten Torky Tork in einer abgelegenen Hütte in Zella-Mehlis. Um den gemeinsamen Neustart komplett rundzumachen, sind die Zwei vor einem halben Jahr von Darmstadt, wo sie in einer WG lebten, nach Berlin gezogen. Jeder hat jetzt eine eigene Wohnung, aber beide Wohnungen sind im selben Haus. „Das war aber reiner Zufall“, behaupten Mädness & Döll. Ganz bestimmt.
 
Marco und Fabian sind auf „Ich und mein Bruder“-Tour:
23. April, 20 Uhr
Underground (Vogelsanger Str. 200, 50825 Köln)
Karten gibt es für 18,20 Euro im RZ- und SZ-Ticketcenter oder unter der Ticket-Hotline 0209 / 14 77 999.

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