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"Bin angekommen - wirklich!": Das Leid der Fahranfänger

Judith Brand 22. Februar 2019 09:56

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    Achtung vor dem Anfänger! Deutlicher geht es wohl kaum, die anderen Verkehrsteilnehmer auf den Neuling hinterm Lenkrad hinzuweisen.

Fluch oder Segen? Als ich mit 18 Jahren endlich alleine Auto fahren durfte, drückte meine Mutter ihre Besorgnis immer wie folgt aus: „Schreib mir, wenn du angekommen bist!“ Meine Antwort lautete nur: „Jahaa!“ Das 18. Lebensjahr. Ein Jahr, in dem sich viel verändert. Zumindest gesetzlich. Plötzlich soll ich erwachsen sein. Auf einmal die volle Verantwortung übernehmen, für alles, was ich tue oder lasse. Von der einen auf die andere Minute bin ich volljährig. Dabei verändert sich doch mein Verstand, meine Persönlichkeit, meine Reife und mein Verhalten nicht so plötzlich.

Und dennoch habe ich von jetzt auf gleich mehr Verpflichtungen, mehr Rechte, aber eben auch mehr Freiheiten. Etwas, worauf ich lange gewartet habe, war, alleine Auto fahren zu dürfen. Nicht mehr auf Mama und Papa angewiesen zu sein, um längere Strecken hinter mich zu legen. Nicht mehr die unverschämt teuren Bustickets bezahlen, für die man ab dem 14. Lebensjahr als erwachsen gilt. Eine neu gewonnene Freiheit, die ich nicht mehr missen möchte.

Und dennoch musste ich mir meine Unabhängigkeit verdienen. Denn Skepsis und Sorgen meiner Eltern um mich, waren stets Begleiter meiner Zeit als Fahranfänger. Natürlich war mir bewusst, dass die neue Fähigkeit, ein Auto bedienen zu können, auch große Gefahren mit sich bringt. Aber Vertrauen in sein Können, ist eben genau so wichtig, wie Vorsicht beim Fahren. Denn wer beim Autofahren unsicher ist und an sich selbst zweifelt, fährt auch nicht sicher Auto.

Dankbarkeit trotz Genervtsein

Also, nach gefühlt Hunderten von „Bin da“ Nachrichten, habe ich es geschafft, sie davon zu überzeugen, dass ich eine gute Autofahrerin bin und dass ich sicher und vor allem vorsichtig fahre und mein Augenrollen bei der Aufforderung, ihnen zu schreiben, gerechtfertigt war. Trotz allem Genervtsein bin ich dankbar dafür, dass ich Eltern habe, die sich solche Gedanken um mich machen. Denen es wichtig ist, zu wissen, dass ich überall sicher ankomme.

Als Fahranfänger ist es also wichtig, mit Gelassenheit die Kommentare der Eltern zur Kenntnis zu nehmen. Sich nicht verunsichern zu lassen, sondern die nur gut gemeinten Ratschläge mal mit ein wenig Humor einfach hinzunehmen. Und wenn man dann doch mal genervt ist, sich vor Augen zu führen, wie dankbar man sein sollte, dass man anderen Menschen so wichtig ist.
Denn als besorgter Elternteil ist es sicher unfassbar schwer, ruhig zu bleiben, wenn das eigene Kind einen so großen Schritt in Richtung Unabhängigkeit macht.

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