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Chris interviewt Hannah: Die Jugend meiner Oma

Chris Riedel 02. März 2018 14:51

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    „Hannah, guck mal, wir machen ein Selfie für Scenario“ – das lässt sich die 89-Jährige von ihrem Ur-Enkel Chris doch nicht zweimal sagen.

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    1949 wird geheiratet: Hannah ist zu diesem Zeitpunkt 21 Jahre alt – also zwei Jahre jünger als ihr Ur-Enkel Chris jetzt, der sie zu ihrer Jugend befragt.

Serie Glücklich ist, wer Oma und Opa hat. Wo Mama und Papa schon längst mit uns geschimpft hätten, drücken sie ein Auge zu. Sie hören uns zu und nehmen uns in den Arm und bei ihnen gibt’s oft Kaffee und Kuchen. Jederzeit können wir mit unseren Sorgen zu ihnen kommen: Sie wissen Rat, denn sie sind lebenserfahren. Doch jetzt sollen sie zu Wort kommen – hier bei Scenario. Unsere Jugendredakteure wollen wissen, wie „die Jugend ihrer (Ur-)Großeltern“ aussah. Hier befragt Jugendredakteur Chris Riedel (23, Herten) seine 89-jährige Ur-Oma Hannah.

Chris: Was war Dein Lieblingsplatz in Recklinghausen und wie hat er sich im Laufe der Jahre verändert?
Hannah:
Einer meiner Lieblingsorte war tatsächlich der Marktplatz in Recklinghausen. Besonders gut hat mir dort immer der Nikolausumzug gefallen. Das war vor dem Krieg und ich war zehn Jahre alt. Wir sind damals aus Herten eine Strecke zu Fuß gelaufen und eine mit dem Bus gefahren. Für mehr reichte leider das Geld nicht. Aber trotzdem war es immer wieder schön. Ich kann gar nicht genau sagen, wo der Umzug stattfand, kann mich aber daran erinnern, dass er durch die ganze Innenstadt ging.
Natürlich hat sich dieser Ort seither sehr verändert und ist heute mit dem damaligen Recklinghausen nicht zu vergleichen. Auch den Nikolausumzug, wie ich ihn kenne, gibt es nicht mehr.

Chris: Wie hast Du Dir das Erwachsen-Werden vorgestellt?
Hannah:
Als junges Mädchen dachte ich immer, dass es toll wäre, erwachsen zu sein. Man kann über alles selber entscheiden und niemand schreibt einem etwas vor. Leider hat sich dies für mich nicht bewahrheitet. Als ich elf Jahre war, brach der Krieg aus und wir mussten viel Zeit im Luftschutzbunker verbringen. Nach dem Krieg war ich 17 Jahre alt und meine gesamte Jugend hatte ich im Krieg verbracht. Danach ging alles recht schnell. Von Freiheit war selbst nach dem Krieg nicht viel zu spüren. Sicherlich konnte ich tun und lassen, was ich wollte, genauso, wie ich es mir erträumt hatte. Doch wir alle waren sehr arm und wir hatten kein Geld. Wir waren froh, wenn wir aus alten Kleidungsstücken etwas Neues nähen konnten.

Total stolz auf das erste eigene Fahrrad


Chris: Was war der schönste und was der schlimmste Moment Deiner Jugend?
Hannah:
Trotz des Krieges habe ich in meiner Jugend einige schöne Momente erlebt. Einer davon war mein zwölfter Geburtstag. Da habe ich mein erstes eigenes Fahrrad geschenkt bekommen. Ich war damals so stolz auf mein neues Rad. Das kannst Du Dir gar nicht vorstellen!
Ein weiteres schönes Erlebnis hatte ich mit 14, als ich aus der Schule gekommen bin. Zu dieser Zeit musste jeder von uns ein Pflichtjahr machen. Entweder beim Bauern oder bei einer kinderreichen Familie. Meine Mutter sagte, ich solle zum Bauern gehen, weil ich dort auch etwas zu essen bekommen würde. Dann war ich in Herten beim Bauer Brinkert. Es war wirklich ein sehr schönes Jahr für mich. Ich habe sogar gelernt, wie man Kühe melkt. Der schlimmste Moment in meiner Jugend war der Tod meiner Mutter, als ich 17 Jahre alt war.

Chris: Wer war Deine erste Liebe und wie ist es gelaufen?
Hannah:
Mit 19 lernte ich Deinen Opa kennen und mit 21 heirateten wir. Er war meine erste Liebe und wir waren bis zu seinem Tod 57 Jahre verheiratet. Nach unserer Hochzeit haben wir viel gespart, und als ich 24 Jahre alt war, bauten wir in Herten ein Haus, in dem ich immer noch wohne – und ich bekam meinen Sohn.

Chris: Was wundert Dich an unserer Generation? Hast Du Fragen an uns?
Hannah:
Mich wundert, dass die jungen Leute heute immer so viel an ihren Handys und Computern rumhängen. Aber trotzdem will ich den jungen Leuten keinen Vorwurf machen. Sie sind heute viel freier. Früher gab es so etwas einfach noch nicht und sie sollten glücklich darüber sein, welche Möglichkeiten ihnen heutzutage gegeben werden. Wir konnten früher zum Beispiel nicht so einfach tanzen oder auf ein Konzert gehen. Das hat sich zum Glück geändert. Es hört sich häufig sehr schlimm an, wenn man von seiner Jugend während des Krieges erzählt, aber dennoch hatten wir auch damals Spaß und Freude am Leben. Auch ohne Handys.
Was wisst Ihr eigentlich über die Jugendjahre Eures Opas oder Eurer Oma oder gar über die Euer Urgroßeltern? Nicht so viel, oder? Das wollen wir gerne mit Euch ändern! Schreibt uns an, wenn Ihr – und natürlich Eure Großeltern – mitmachen wollt bei unserer Serie! Wir erklären Euch dann alles per Mail:scenario@medienhaus-bauer.de

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