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Clea in Neuseeland: Clea als Bespaßungsbeauftragte

Clea Kleffmann 12. Juni 2018 11:10

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    Clea regelt einfach alles. Verkleidet als „Baustellen“-Arbeiterin empfängt sie die Kinder des „Kids Camps“.

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    Das schönste Camp heißt Bellbirds, benannt nach einer in Neuseeland häufig vorkommenden Vogelart.

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    Ihren Chef Joseph lässt Clea (l.), wie sie augenzwinkernd sagt, beim Sumo-Wettkampf natürlich gewinnen.

Im Moment haben die Kinder hier bei uns Schulferien und das heißt: In Living Springs ist für Kinder zwischen zwölf und 15 Jahren „Kids Camp“.

Vor einigen Tagen fragte mich Joseph, mein Chef, ob ich nicht Lust hätte, als Leiterin des Camps auszuhelfen. Natürlich habe ich das! Also packe ich meine Sachen, um für drei Tage nach Bellbird umzuziehen, wo das Projekt stattfindet. Mit Bellbird habe ich richtig Glück. Meiner Meinung nach ist es die schönste Unterkunft bei uns. Übrigens wurde sie nach einer Vogelart benannt. Die „Bellbirds“ findet man hier massenweise. Mit Olivia, der zweiten Camp-Leiterin, werde ich mir dort ein Zimmer teilen.

Und direkt am Montag geht’s los. Was zunächst als kleiner Spaß gedacht war, wird für mich ernst. Ich stehe draußen in der Einfahrt, mit einem Helm, einer Warnweste und einem Schild. Wir kamen auf dieses Outfit, weil wir letztens Bauarbeiten an unserer Straße hatten und die „Lollipop“-Männer und -Frauen den Verkehr regelten. Man nennt sie hier deswegen so, weil sie ein großes Stopp-and-Go-Schild in die Hand bekommen und es dann, je nach Situation, immer hin und her drehen müssen – wie einen Lollipop eben. Hätte ich mich vergangene Woche mal nicht darüber lustig gemacht! Joseph hat mir deswegen mein Lollipop-Frauen-Outfit zusammengestellt und nun ja, jetzt stehe ich hier und darf den Verkehr regeln.

Als die Kinder kommen, lege ich mein Outfit aber beiseite. Damit kann ich schließlich keine Kennenlern-Spiele machen. Und die sind für mich wichtig, denn im Gegensatz zu Olivia und Joseph kenne ich kein Kind. Ich merke, wie schwierig es für mich ist, mir die ganzen Namen einzuprägen. Aber im Laufe der Zeit wird es besser und der Montag geht schnell rum.

Für den Dienstag haben wir Drei uns etwas ziemlich Lustiges überlegt. Joseph hat nämlich ein paar Sumo-Ringer-Anzüge bestellt, sodass wir einen Sumo-Wettbewerb machen. Meine Camp-Kinder wollen unbedingt, dass ich gegen meinen Chef antrete. Tue ich dann auch. Ich hätte auch gewonnen, aber ich wollte Joseph nicht verlieren lassen, sonst hätte er mich womöglich zurück nach Deutschland geschickt – und das wollte ich wirklich nicht für ein Spiel riskieren. Abgesehen davon sind mir die Sumo-Anzüge „ein wenig“ zu groß. Aber die Kinder und ich haben trotzdem eine Menge Spaß und lachen permanent.

Mit Marshmallows ans Lagerfeuer setzen

Als es dunkel wird, machen die Kinder mit Joseph und Olivia eine Nachtwanderung durch den Wald. Ich bereite in der Zeit das Lagerfeuer vor, mache heißen Kakao und suche geeignete Stöcke für die Marshmallows.
Auch wenn es hier schön ist, wir viel Spaß haben, bin ich abends kaputt. Deshalb ist – so stelle ich schnell fest – der beste Part einer Camp-Leiterin die Regelung der Nachtruhe. Um Punkt 22 Uhr gehen Olivia und ich also in jeden Raum und gucken, ob alle ruhig sind. Dass jedes Kind konsequent die Nachtruhe einhält, kommt natürlich so gut wie nie vor. Doch irgendwann sind dann wirklich alle Kinder still.

Am nächsten Tag bereiten Olivia, Joseph und ich alles für eine Bustour vor. Wir haben nämlich einen Bus gemietet und wollen damit zu verschiedenen Orten nach Christchurch fahren. Die Kinder sollen dann in Gruppen unterschiedliche Aufgaben lösen und am Ende des Tages küren wir einen Gewinner. Im Moment weiß von den Camp-Kids noch niemand, wohin es gehen wird.

Der erste Stopp ist bei 185 weißen Stühlen in Christchurch. Diese vielen unbesetzten Stühle stehen für die Menschen, die während des Erdbebens im Februar 2011 ihr Leben verloren haben. Die Kinder bekommen von uns die Aufgabe, sich einen Stuhl auszusuchen, sich draufzusetzen und eine Geschichte über einen der Verunglückten auszudenken und zu erzählen.

Anschließend fahren wir zum botanischen Garten, wo wir eine Schnitzeljagd veranstalten. Ziel ist es, Olivia, die sich versteckt hat, zu finden. In der Zeit, in der meine Kollegin im Gebüsch sitzt und sehnsüchtig darauf wartet, von den Kindern gefunden zu werden, mache ich es mir mit Joseph und seiner Frau Nancy in einem Café gemütlich. Bin ich froh, dass ich nicht an Olivias Stelle bin, denke ich, während ich genüsslich meinen Tee schlürfe!

Der letzte Bus-Stopp führt an den Strand in New Brighton. Dort essen wir erst zu Mittag und anschließend – mit vollem Magen – steht die letzte Aufgabe an. Den Kindern erzählen wir, dass sie auf einer einsamen Insel gestrandet sind und sie mithilfe des Strandguts ein großes SOS-Zeichen kreieren müssen. Das außergewöhnlichste SOS-Zeichen gewinnt. Sieger wird dann ein großes Zeichen aus Algen.
Nach dieser Aktion geht es wieder zurück nach Living Springs. Dort verbringen wir den letzten Abend mit den Kids. Der wird chillig und lustig. Wir machen eine Pool-Party. Und so endet meine Zeit als Camp-Leiterin. Am Schluss weiß ich sogar jeden einzelnen Kindernamen!
Clea Kleffmann (19, Recklinghausen) lebt ein Jahr in Neuseeland auf der Südinsel. In der Stadt Governors Bay arbeitet sie im Rahmen eines „Internationalen Jugendfreiwilligendienstes“, kurz IJFD, in Living Springs. Das ist ein Abenteuercamp für Kinder und Jugendliche. Bei Scenario berichtet Clea von ihrem Abenteuer in Neuseeland.

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