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Ein Tag beim Musical "Tarzan": Einmal wie Jane fühlen

Anna Päseler 15. Juni 2018 11:51

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    Anna (l.) und Janina strahlen im Stage Metronom-Theater in Oberhausen um die Wette. Bei „Tarzan“ schnuppern sie Bühnenluft und erfahren, wie viel Arbeit hinter dieser Musical-Produktion steckt.

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    Anna begibt sich unter die Bühnendecke. Stuart Gannon zeigt ihr, wie die Gorillas durch die Lüfte schweben.

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    Ajuuuuuuuuuuuu… Tarzan zeigt, wie es geht: Laute machen und dabei mit den Fäusten hämmern. Janina macht’s nach.

Oberhausen Es ist dunkel und drückend warm. Tropisches Klima direkt unter dem Dach des Stage Metronom Theaters Oberhausen. Ein Dschungel aus Metallstreben, Gittern und hellblauen Lichterketten hängt hier oben in zwanzig Metern Höhe über dem Zuschauerraum. Tarzan steht neben mir.

In Wirklichkeit heißt er Rune Høck Møller, ist leidenschaftlicher Musicaldarsteller und schwingt sich zweimal die Woche in der Hauptrolle von Liane zu Liane. Heute nimmt er meine Freundin Janina und mich mit hinter die Kulissen des Disney-Klassikers „Tarzan“.

Und hinter die Kulissen bedeutet bei dieser Show vor allem hoch hinaus in luftige Höhen. Denn das Musical beeindruckt vor allem durch spektakuläre Flugelemente und „Bungee“-Akrobatik. Während die Zuschauer gebannt auf der Bühne die Geschichte des Waisen-Jungen verfolgen, der von einer Gorilla-Familie aufgezogen wird, geht es über ihren Köpfen teils sehr hektisch zu.

Affen und Insekten rauschen in ihren Kostümen auf Position und lassen sich auf Kommando in schwarze Tunnelschächte fallen. Kein Sprung ist hier dem Zufall überlassen. Die Crew checkt jeden Flug gegen. Bei den 22 Darstellern pro Show ein nicht zu unterschätzendes Unterfangen. Wobei nicht jede Figur in den Genuss des Fluges kommt und das Wort „Genuss“ mit Vorsicht zu genießen ist, wie ich noch selbst erfahren werde.

Eine Zentrale für die „Flugsicherheit“

Der Mann, der manchmal Tarzan ist, führt uns zu einem mit Lianen und Plüsch-Äffchen geschmückten Raum, von wo aus während der Show der leitende Regisseur technische Arbeiten ausführt. Nebenan, ebenfalls mit einem großen Panoramafenster ausgestattet, liegt die Zentrale für die „Flugsicherheit“. Es geht viele Treppen und Leitern herunter, ab in die Maske. Ein Raum, in dem sich die charakteristisch verfilzten Perücken auf Regalen und Schränken türmen. Iury Matheus sitzt da vor einem Spiegel und malt sich abstrakte Linien ins Gesicht – der Anfang seiner Verwandlung zum Gorilla.

Die Make-up-Artistin wickelt dem Ensemble- Tänzer eine klebrige Bandage um den Kopf und befestigt die Perücke – nur so halten die Frisuren die wilde Show über auf den Köpfen der Künstler. Danach wird Iury Backstage am ganzen Körper mit Farbstrichen bemalt, komplett abgepudert und in ein zotteliges Kostüm gesteckt. Und plötzlich verschwindet der Mensch hinter der breiten Brust und den hängenden Schultern des Gorillas.

Denn neben der optischen Verwandlung gilt es, sich auch wie ein Affe zu verhalten. Die Knie halten die Tänzer während der ganzen Show in einer leichten Beuge, um die Beine optisch zu verkürzen und den Gang eines Gorillas besser nachahmen zu können. Iury haut sich mit den Fäusten auf die Brust und fängt an zu schnauben. Auf allen Vieren rennt er auf die Bühne und hangelt sich an der hölzernen Verkleidung hoch. Wir folgen ihm. Nicht die Wände hinauf, aber bis an den Bühnenrand.

"Wer möchte mit mir eine Runde fliegen?"

Tarzan alias Rune Høck Møller breitet die Arme aus: „Wer möchte mit mir eine Runde fliegen?“. Janina, ein großer Disney-Fan, traut sich. In Tarzans Armen schwingt sie durch den Saal, fällt aus einer Luke in der Höhe von zehn Metern und rast auf die Bühne zu. Einmal wie Jane fühlen. Ob sie danach auch so weiche Knie hatte? Ich versuche mich derzeit als Gorilla. Hänge unter der Bühnendecke. Neben mir in der Luft Stuart Gannon. Als Aerial-Captain der Show bringt er dem Cast die Luftakrobatik bei.

Wir gehen einige Posen zusammen durch. Körperspannung ist da A und O. Funktioniert bei mir auch recht gut. Zumindest die fünf Minuten, die wir sieben Meter frei schwingend über dem Boden verbringen – dabei sieht Fliegen immer so leicht aus. Eine Insiderin verrät: „Seitdem wir im Stage Metronom Theater ,Tarzan’ aufführen, gibt es in unserer Mensa immer sehr viel Käse und Eier. Die Darsteller brauchen viel Proteine, damit sie die acht Shows die Woche durchpowern können.“ Kein Wunder.

Noch bis September wird der Dschungel in Oberhausen beinahe täglich zum Leben erweckt. Danach wird das Affengebrüll dort verstummen. Wer sich die 360-Grad-Show nicht entgehen lassen will, sollte sich also noch schnell Karten sichern, um sich die berührende Geschichte und die wunderschönen Bühnenaufbauten anzusehen.
Disneys Musical: „Tarzan“
Stage Metronom Theater
Oberhausen
Bis zum 23. September
Karten gibt es im RZ- und SZ-Ticketcenter oder unter der Ticket-Hotline 0209 / 14 77 999.

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