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Hannah in Costa Rica: Der erste Ausflug an den Strand

Hannah Köhn 06. März 2017 11:05

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    Hannah ist vom angeblich "hässlichstem" Strand mehr als begeistert.

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    Natur pur in Costa Rica.

Costa Rica – Teil 3. Jetzt wird es ernst. Der Sprachkurs ist seit Freitag zu Ende, alle sind zu ihren Gastfamilien gezogen und nach und nach beginnen diese Woche unsere Projekte. Ich weiß leider immer noch nicht genau, wann ich umziehe. Aber es wird wahrscheinlich bald geschehen. Ich bin da ganz zuversichtlich.

Es ist ein bisschen schade, dass der Sprachkurs schon vorbei ist. Wir waren eine kleine Gruppe von fünf Leuten und hatten somit ein gutes Lernklima. Oscar, unser Lehrer, studiert eigentlich Philologie an der „Universidad de Costa Rica“ in San Pedro und arbeitet ehrenamtlich für die Organisation. Für alle, die darüber nachdenken, eventuell im Ausland zu studieren, die Universität ist wunderschön. Manchmal entdeckt man sogar Faultiere auf dem Campus und nebenbei ist sie die beste Universität in Zentralamerika.

Einen Vorteil hat es jedoch auch, dass der Sprachkurs vorbei ist. Wir hatten unser erstes freies Wochenende. Natürlich haben wir direkt überlegt, wo wir hinfahren, in Costa Rica stehen hauptsächlich Vulkane, Nationalparks und Strände zur Verfügung. Wir waren uns schnell einig, dass wir zum Strand wollten. Die Frage war nur, welcher Strand und welche Küste überhaupt?

Zunächst hatten wir Manuel Antonio im Visier, einen Strand, der in einem der schönsten Nationalparks liegt. Leider war der Eintritt ohne Visum recht teuer und da wir unser Visum erst nächsten Monat bekommen, haben wir das verschoben.

Da wir uns alle noch nicht so gut auskennen und das unsere erste Busfahrt innerhalb des Landes werden sollte, entschieden wir, einen Strand an der Pazifikküste zu nehmen, da die Fahrt an die Karibik um die vier Stunden dauern würde.
Der nächste Strand von San José ist Jacó, nur anderthalb Stunden Busfahrt entfernt – schnell war klar: Da wollen wir hin!

Voll motiviert zum hässlichsten Strand

Aus Prinzip wollten wir nicht das günstigste Hostel nehmen, also buchten wir für acht Leute eben das zweitgünstigste Hostel. Es wurde sogar Frühstück und WLAN versprochen. Wir waren voll motiviert und stolz auf uns, dass wir den richtigen Busbahnhof gefunden und Bustickets gekauft hatten. Doch alle Leute, denen wir davon erzählten, guckten komisch und meinten, Jacó sei voll mit Müll, überfüllt und der hässlichste Strand des Landes.

Natürlich konnte uns das nicht demotivieren, wir vergaßen einfach alle Bilder, die man von weißen Sandstränden und hellblauem Wasser, kennt und wollten uns überraschen lassen.
Wir fuhren zu viert um 15 Uhr los, da wir in der frühen Sprachkursgruppe waren. Die anderen sollten um 19 Uhr nachkommen. Leider haben wir nicht bedacht, dass um 15 Uhr Rushhour ist. Aus der anderthalb-Stunden-Fahrt wurde leider nichts. Wir kamen erst gegen 19 Uhr an und es war schon dunkel. Als wir aus dem Bus ausstiegen, fühlten wir uns wie in einer anderen Welt. Es war superheiß und schwül und sehr touristisch geprägt. Wir liefen die Straße herunter, auf der Suche nach unserem Hostel.

Irgendwo zwischen einer Pizzeria und einem Supermarkt entdeckten wir ein vielversprechendes Schild. Beim Einchecken sollten wir alle unsere Handgelenke ausstrecken, damit der Rezeptionist uns ein Bändchen zur Nutzung des Pools umbinden konnte. Es hat einige Minuten gedauert, bis wir realisiert haben, dass er wirklich „Pool“ gesagt hatte. Wir brachten schnell unsere Sachen in die Zimmer und zogen unsere Schwimmsachen an. Nach drei Minuten trafen wir uns wieder an der Rezeption, um den Pool zu suchen. Der Pool gehört zu mehreren Hostels und Hotels, die sich zusammengeschlossen haben, um ihn zu finanzieren und glücklicherweise lag er direkt neben unserem Hostel. Es gab auch einen Durchgang direkt zum Strand, wohin Sarah und ich unbedingt wollten. Die anderen fanden das warme Poolwasser zu gut – sie wollten nicht weg. Sarah und ich aber schnappten uns Handtücher und rannten los, zuerst über Wiese, dann Kiesel, bis wir endlich den Sand erreichten.

Das Meer war wärmer als der Pool

Wir rannten weiter, geradewegs auf den Pazifik zu, der friedlich rauschend vor uns lag. Das Wasser spritzte und wir lachten und kreischten. Das Meer war wärmer als der Pool, überall funkelten Sterne, und als wir uns umdrehten, sahen wir einen menschenleeren Strand und überall Palmen, die von den Lichtern vereinzelter Hotels angestrahlt wurden. Ein Traum! Natürlich wussten wir, dass wir gerade gegen fast alle Sicherheitsregeln verstoßen hatten, die uns gemacht wurden. Aber es war trotzdem einer der schönsten Momente in meinem Leben und ich hoffte, dass der Tag niemals endet!

Auch am nächsten Tag war ich noch begeistert von diesem Strand. Wir stellten uns um halb sechs den Wecker, um den Sonnenaufgang beobachten zu können – und auch das war wunderschön. Leider kam ich nicht auf die Idee, mich um sechs Uhr morgens einzucremen, also bekam ich nach 15 Minuten Strandspaziergang im Sonnenlicht natürlich direkt einen Sonnenbrand. Mit dem Sonnenaufgang kamen viele Surfer, aber als überfüllt und zugemüllt würde ich den Strand trotzdem nicht bezeichnen.

Der Sand ist nicht weiß, sondern eher dunkel und das Wasser ist nicht hellblau, sondern trüb von den starken Wellen. Trotzdem ist Jacó weit davon entfernt, hässlich zu sein. Viele Costaricaner stören sich daran, dass man hauptsächlich US-Amerikaner antrifft, die mal eben über das Wochenende zum Surfen zu ihrem Ferienhaus fliegen. Ich persönlich fand den Strand prima. Man konnte super Beachvolleyball spielen oder einfach unter Palmen liegen, Kokosnussmilch schlürfen und die Seele baumeln lassen.
Wenn das der hässlichste Strand von Costa Rica war, bin ich gespannt, was mich in den nächsten Monaten noch so erwartet…

 

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