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Hannah in Costa Rica: In der ersten Woche schon verliebt

Hannah Köhn 20. Februar 2017 10:02

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    Frische Früchte stehen in Costa Rica immer auf dem Speiseplan – sehr zur Freude von Hannah. Die 19-Jährige aus Marl genießt nicht nur ihre Ananas, sondern fühlt sich schon in den ersten Tagen pudelwohl in San José.

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    Auch kulinarisch hat Costa Rica was zu bieten, zum Beispiel Gallo Pinto mit Maisfladen, Rührei und Sour Cream.

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    Diese hübsche Währung heißt Costa-Rica-Colón.

Costa Rica - Teil 2 Meine erste Woche in Costa Rica ist um und ich liebe das Land jetzt schon!

Als ich nach 22 Stunden Reise endlich in San José landete, war es hier mitten in der Nacht. Ich wollte nur noch schlafen und hatte schon meine Zweifel, ob ich es tatsächlich ein Jahr aushalten würde, so weit weg zu sein von meiner Familie und meiner besten Freundin. Aber als ich das Flughafengebäude verließ, stieg mir ein Geruch in die Nase und in mir machte sich das Gefühl breit, dass ich hier genau richtig bin. Es ist schwer, Gerüche zu beschreiben, aber es roch in etwa wie abends nach einem Platzregen an einem heißen Sommertag.

Ich wurde von zwei netten Ticos – so nennen sich die Einwohner hier – abgeholt und zu meiner Übergangsgastfamilie gebracht. Hier wohne ich jetzt noch zwei Wochen mit drei anderen Freiwilligen und unserem Gastbruder in einem Haus, das eigentlich zur Vermietung frei steht. Unsere Gastmutter wohnt nebenan und kommt jeden Abend vorbei, um mit uns zu essen. Meistens gibt es das Nationalgericht „Gallo Pinto“, das aus Reis und Bohnen besteht. Egal, ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen, es ist erst ein vollständiges Gericht, wenn es Reis, Bohnen oder beides dazu gibt.

Neben dem traditionellen Essen stehen aber auch Früchte und Obst ganz oben auf dem Speiseplan, die gibt es hier nämlich an jeder Ecke – in allen verschiedenen Ausführungen. Egal, ob als ganze Frucht, in Stücke geschnitten oder püriert als „Batido“, jeder liebt sie.

Noch keine Gastfamilie für mich

Insgesamt sind wir elf Freiwillige aus Deutschland, Österreich und England. Zurzeit haben wir ein Seminar in der Hauptstadt und die meisten Freiwilligen, die später auch in der Nähe von San José ihren Projektplatz haben, wohnen schon in ihren Gastfamilien. Die Drei, mit denen ich hier in der Übergangsfamilie wohne, werden alle weit weg ziehen. Nur für mich scheint es wohl noch keine endgültige Familie in der Hauptstadt zu geben.
Am Anfang war ich etwas traurig, weil alle schon Kontakt zu ihren Familien haben und für mich alles noch so ungewiss ist und ich nicht weiß, wo und mit wem ich das kommende Jahr verbringen werde. Aber besser als jetzt hätte es eigentlich nicht kommen können. Die Wohnsituation ist zwar nicht optimal, da wir nur kaltes Wasser haben und die beiden Toiletten des Hauses abwechselnd oder manchmal auch gleichzeitig streiken, aber die witzigsten Storys haben wir in unserer kleinen WG erlebt. Vorgestern saßen wir mit unserer Gastfamilie am Tisch.

Lautstark haben wir uns unterhalten. Nur Brendan war im Badezimmer verschwunden und schien nicht wiederkommen zu wollen. Plötzlich sahen wir, wie sich vor der Tür eine Pfütze bildete und immer mehr Wasser unter der Tür hervortrat. Wir riefen den armen Jungen, der daraufhin in Flipflops aus dem Bad kam und einen weiteren Schwall Wasser mitbrachte. Es entstand ein Fluss, der quer durch unser Haus, bis hin zur Haustür floss. Na ja, jetzt wissen wir alle, dass man das Toilettenpapier hier besser nicht in die Toilette wirft.
An einem anderen Tag hatten wir andere Freiwillige zu uns nach Hause eingeladen und allen etwas zu essen angeboten, da unsere Gastmutter zwei Töpfe voll mit Linseneintopf gekocht hatte.
Sarah, die auch hier wohnt, war noch duschen und als sie sich zu uns gesellte, war der erste Topf schon leer. Sie fragte, ob in dem Essen Fleisch sei, da sie Vegetarierin ist. Wir verneinten die Frage alle. Doch als sie uns nicht glauben wollte, ging Brendan sich vergewissern und wir mussten feststellen, dass wir den vegetarischen Topf leer gemacht hatten, während der andere voll mit Gehacktem war. Damit Sarah nicht verhungern würde, kratzen wir die Reste von unseren Tellern zusammen und sie wurde auch noch satt.

Überall wird man angelächelt

Natürlich sind nicht nur das Essen und der Geruch liebenswert. Die Ticos sind ebenfalls superlieb. Egal, wo man hinkommt, man wird ohne Vorurteile empfangen und akzeptiert. Im Bus und auf den Straßen wird man angelächelt und gegrüßt. Die Krönung jedoch ist das Geld. Auf jedem Schein findet man ein anderes süßes Tier abgebildet.

Demnächst werde ich meinen ersten Ausflug außerhalb des Valle Central machen und endlich den Strand zu Gesicht bekommen. Natürlich werde ich auch darüber wieder hier bei Scenario berichten.

Hannah Köhn (19, Marl) verbringt die nächsten zwölf Monate in Costa Rica. In der Hauptstadt San José arbeitet sie im Rahmen eines „Internationalen Jugendfreiwilligendienstes“, kurz IJFD, im Kinderkrankenhaus. Hier bei Scenario könnt Ihr regelmäßig lesen, wie es Hannah ergeht und was sie Spannendes erlebt.
 

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