Hertener Allgemeine Medienhaus Bauer

Jan-Henrik in Thailand: Zwischen Unwetter und Paradies

Jan-Henrik Seifert 07. Juli 2018 06:55

  • Teaserbild

    Jan-Henrik beim Schnorcheln in den scheinbar unberührten Unterwasserwelten Thailands.

Eigensinnige TukTuk-Fahrer und barfüßige Nachtwanderungen durch den Schlamm sind nicht die einzigen Herausforderungen bei der Anreise auf die Insel Kho Chan.

Schon bald erreichen wir das lebendige, das laute Bangkok. Kwans Cousine kurvt uns sicher zur Busstation. Sie hält direkt bei den Bussen. Kwan und ich bedanken uns noch einmal bei ihrem Opa für die schöne Zeit in Lahan Sai und bei ihrer Cousine dafür, dass sie sich die Zeit genommen hat, uns zu fahren. Es ist ein herzlicher Abschied, wobei sich das gesprochene Wort im Lärm der Busstation, dem Stimmengewirr und den ständigen Hupkonzerten verliert. Sie fahren davon und wieder einmal stehen wir winkend da. Schließlich packen wir unsere Rucksäcke und orientieren uns.

Die Reisebusse nach Kho Chang sollen alle zwei Stunden fahren. Wir haben Glück – tatsächlich erreichen wir einen wartenden Bus mit zwei zusammenhängenden Plätzen. Wir steigen ein und wenige Minuten später startet der Busfahrer. Kaum sind wir auf der Landstraße, regnet es in Strömen. Unbeirrt setzt der Fahrer seinen Weg fort, ohne auch nur den Fuß vom Gas zu nehmen. Die Busfahrt dauert tatsächlich sechs Stunden – wir kommen an einem Hafen in Trat an. Wir fragen uns durch und landen an einem kleinen Verkaufsstand mit Bildern von der Fähre. Hier kaufen wir zwei Tickets für die Überfahrt. Inzwischen ist Eile geboten. Die letzte Fähre soll um 17 Uhr übersetzen und wir haben schon jetzt 15.30 Uhr. Wir hetzen zum Taxi und fragen: „Kho Chang?“ Der Taxifahrer nickt, kassiert und verstaut das Gepäck im Kofferraum. „Klasse, dann schaffen wir es noch – die Fahrt wird ja jetzt nicht mehr ewig dauern.“ Wir sitzen und sitzen und sitzen.

Der Taxifahrer unterhält sich lachend mit anderen Fahrern. Er steigt nicht ein. „Entschuldigung? Wann fahren wir denn los?“ , frage ich freundlich. Der Fahrer guckt mich verwundert an. „Wenn das Taxi voll ist natürlich!“ Da hält ein Minivan und eine Gruppe Backpacker steigt aus – „Kho Chan?“ frage ich. „Yes, Ja“ hallt es zurück. Das Taxi wird voll und wir erreichen die letzte Fähre.

Vom TukTuk-Fahrer in der Pampa stehen gelassen

Es ist stürmisch, die Wellen schlagen hoch und ich blicke zunächst sorgenvoll gen Himmel und dann zu Kwan. Sie ist schon ganz grün im Gesicht – seekrank! Schließlich schaffen wir es, in 40 Minuten auf die Insel zu kommen. Kho Chang ist übrigens ca. 340 km von Bangkok entfernt und liegt nahe an der Grenze zu Kambodscha. Am Pier stehen vereinzelt wieder TukTuks. Diesmal haben wir Glück und das TukTuk fährt recht zügig los. Nach kurzer Zeit hält der Fahrer an und lässt uns am Straßenrand raus. Wir gucken etwas dümmlich aus der Wäsche, denn hier sind weit und breit keine Hütten zu sehen – inzwischen ist es auch schon stockdunkel und Straßenlaternen sind nicht vorhanden.

Der Fahrer zeigt auf eine kleine Straße, die sich in Richtung Wald schlängelt und sagt, dass wir diese Straße bis zu unserem Bungalowpark entlang laufen müssen. Dann klappt die Tür und weg ist er. Wir sehen noch die Rücklichter, als es anfängt, zu schütten und zu stürmen. Wir sind innerhalb von Sekunden bis auf die Haut durchnässt und stehen mehr als knöcheltief im Schlamm.

Palmen entwurzeln, Schlamm und Geröll kommt von allen Seiten. Es bleibt uns nichts übrig, als so zügig wie möglich mit Taschenlampen bewaffnet die „Straße“ entlang zu waten. Die Flipflops bleiben im Matsch kleben. Wir ziehen sie aus und nach einer Weile kommt tatsächlich der Bungalowpark. Wir stolpern matschverschmiert und nass in die Empfangshütte. Dort lächelt uns ein sonnengebräunter Europäer an und begrüßt uns mit „Moin – ihr seid ja nass wie junge Hunde.“ Moin? Auf Kho Chan? Wir sind verdutzt und wenige Minuten später schlauer. Nachdem wir unsere Sachen abgelegt haben, reicht uns John ein paar trockene Handtücher. „Na dann werdet erst mal ordentlich trocken, bevor wir hier den Anmeldekram erledigen.“

Dabei dröhnt seine Stimme und der Hamburger Akzent ist überdeutlich zu hören. John erzählt, dass er seit einigen Jahren auf Kho Chang lebt und hier glücklich und zufrieden ist. Der Regen lässt nach und John bringt uns zu unserer Hütte. Am nächsten Morgen werden wir von der Sonne im Gesicht geweckt. Die Insel zeigt sich von ihrer besten Seite. Wir hängen unser nasses Zeug auf und marschieren dann zum Frühstück. John dröhnt uns ein „Moin“ entgegen und erklärt uns, wo er am liebsten frühstücken geht. Zehn Minuten später sitzen wir in einem kleinen Restaurant und essen verschiedene Obstsorten mit Klebreis.

Später packen wir unsere Badesachen und gehen zum Strand. Ein Paradies ¨– das Wasser smaragdgrün, eine leichte Brise, eine Schaukel, fast schon kitschig. Wir sind allein – weit und breit ist kein Tourist zu sehen.

Insel-Hopping-Tour und gegrillter Fisch am Pier

So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich blättere im Reiseführer und gemeinsam schmieden wir Pläne. „Auf jeden Fall geht es noch heute zum Schnorcheln. Das muss hier unglaublich sein!“ Kwan ist nicht so begeistert – Schnorcheln bedeutet Boot zu fahren – und Seekrankheit. Mir zu Liebe latscht sie später mit mir zum Pier und begleitet mich auf der Insel-Hopping-Tour. Wir gehen in abgelegenen Buchten vor Anker. Die Unterwasserwelt scheint unberührt, die Sicht ist klar. Am Abend essen wir gegrillten Fisch am Pier und spazieren gemütlich nach Hause. Auf der Veranda können wir nicht lange unbehelligt sitzen – die Moskitos sind sehr angriffslustig.
Am nächsten Tag fahren wir zum Klong Plu Waterfall.

Die Landschaft, der Wasserfall – ein sehr schönes Naturschauspiel. Im Fluss ist das Wasser so klar, dass man direkt auf den Boden sehen kann. Schwimmen ist herrlich und die Fische zeigen keine Angst. Abends tummeln wir uns auf einer Strandparty, das Wetter hält und wir sind die nächsten Tage selig. Die Abreise kommt viel zu schnell. Ja, und dann geht es endlich nach Laos – in unser Dorf Ban Nonesavang. Ich bin so auf meine ehemaligen SchülerInnen gespannt. Was wird unsere Mentorin sagen, wenn wir vor der Tür stehen? Bis jetzt haben wir nämlich noch niemandem von unserer Reise erzählt.

Teilen