Hertener Allgemeine Medienhaus Bauer

Leben mit der Endlichkeit: Wir sind unsterblich - irgendwie

Anna Päseler 02. August 2018 15:38

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    Unaufhaltsam läuft sie ab: die Sanduhr. Gerade deswegen sollten wir jede Minute nutzen.

Es gibt einen Gedanken, der mir wirklich Angst macht. Der mir manchmal kommt, wenn ich über das Leben nachdenke. Wenn ich mir Sorgen mache, an einer Hürde verzweifle oder Probleme sehe, wo vielleicht gar keine sind. Der Gedanke, dass das Leben endlich ist. Und im schonungslosen Klartext: Der Gedanke daran, dass ich irgendwann sterben werde.

Das mag aus der Feder einer 21-Jährigen merkwürdig klingen. Und vielleicht auch etwas sehr dramatisch und übertrieben. Was daher rührt, dass wir es geschafft haben, diese Gewissheit vom garantierten Ende unseres Lebens zu verdrängen. Nicht daran zu denken, bedeutet, das Leben Tag für Tag einfach anzunehmen, so wie es ist. So wie es uns zufällt. Denn der Gedanke an den eigenen Tod erzeugt Druck. Niemand will einfach sang- und klanglos von der Erde verschwinden. Jeder will Spuren hinterlassen. Irgendetwas verändern. Am besten zum Weltfrieden beitragen, Kranke heilen und den Planeten retten. Das haben wir uns alle fest vorgenommen.

Manchmal fühle ich mich klein und verloren

Und das machen wir auch irgendwann. Denn wir haben ja noch so viel Zeit. Zeit, die wir genießen und auskosten und manchmal auch einfach verschwenden. Ganz ohne schlechtes Gewissen, denn in unserem tiefsten Inneren glauben wir, unsterblich zu sein. Das tut gut. Aber manchmal muss ich daran denken, dass meine Zeit nur begrenzt ist. Dann fühle ich mich ganz klein und verloren. Denn die Welt wird sich weiterdrehen, wenn ich verschwinde. Ich werde nie ihre ganze große Geschichte erfahren. Ich bin nur eine kleine Seite eines Kapitels in einem riesigen Wälzer. Wir alle sind das.

Daher habe ich mir geschworen, dass sich meine Seite spannend lesen wird. Voller bunter Bilder und verrückter Anekdoten. Wie sagt doch so ein schöner wie kitschiger Kalenderspruch? „Am Ende bereuen wir nichts, außer die Dinge, die wir nicht getan haben“. Ein Satz, in dem so viel Wahrheit steckt. Also lebe ich die Momente. Genieße das Gras unter meinen nackten Füßen, die Sonne auf der Haut und den Wind im Gesicht. Das Prickeln des Adrenalins, die durchzechten Nächte und das schillernde Licht der Straßenlaternen in den Pfützen kurz vor Sonnenaufgang.

Ich versuche, mutig zu sein und einfach mal alles auf eine Karte zu setzen. Denn das Leben ist zu kurz, um darauf zu warten. Und das Leben passiert, während man Pläne macht (schon wieder eine verschnörkelte Kalenderweisheit). Aus diesen vielen kleinen Mosaiksteinchen getroffener Entscheidungen und erlebter Momente setzt sich ein großes Bild zusammen. Mein Leben. Das aus dem größten aller Zufälle entstanden ist. Weil vor Urzeiten, die zwei richtigen Menschen zusammengefunden haben und die Samen meines Stammbaumes pflanzten. Weil Kriege und Krankheiten Liebe zerstörten und neue wachsen ließen.
Jetzt sitze ich hier im Garten in meiner Hängematte, irgendwo auf dieser riesigen Welt. Eine von über sieben Milliarden Menschen. Die Dimensionen machen mich schwindelig. Und glücklich. Denn ich habe das große Los gezogen. Wie jeder von uns. Und es liegt jetzt an uns, das Leben, das uns geschenkt wurde, in einen Hauptgewinn zu verwandeln. Und es auszukosten. In vollen Zügen.

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