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Lena in Rumänien: Man reist nur alleine los...

Lena Gibbels 08. März 2017 12:01

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    Auf ihrer Reise quer durch Rumänien macht Lena natürlich auch Halt in der Hauptstadt, in Bukarest, und schießt schnell ein Selfie vor dem Parlamentspalast.

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    Craiova hat Charme und lockt viele Hipster an, glaubt Lena.

Rumänien - Teil 11 Mein Trip allein durch Rumänien führte mich natürlich auch nach Bukarest. Einmal muss man wohl in die Hauptstadt, wenn man in Rumänien lebt, aber einmal reicht auch.

Die Stadt ist meiner Meinung nach ziemlich hässlich. Die vermeintlich schöne Hauptverkehrsstraße Calea Victoriei ist voller Minimärkte und Kettenrestaurants und viele Plätze sind oft nur große Kreisverkehre, na, also ich mochte es nicht besonders – vielleicht auch wegen der Eiseskälte. Nur eines war absolut perfekt – und das waren die Leute, die ich kennenlernte.

Am ersten Tag wurde mir an drei verschiedenen Orten Kaffee spendiert, einmal wurde ich sogar stundenlang in ein Gespräch (auf Französisch!) mit dem Inhaber eines kleinen Cafés verwickelt, der mir seine ganze Familie vorstellte. Trotzdem gab mein Körper irgendwann auf und ich musste zurück ins Hostel, um zumindest ein paar Stunden Schlaf nachzuholen. Geweckt wurde ich von einer lauten männlichen Stimme mit starkem britischen Akzent. Die gehörte zu Sean, der sich energisch bei allen vorstellte. Mit ihm, einer Belgierin namens Femke, und Angelos, einem Griechen gingen wir was essen. Von diesem Moment an bis zu meiner Abreise waren wir unzertrennlich – „the Bucharest team“ nannten wir uns. Ich war selten mit so einer witzigen Gruppe an Leuten unterwegs! Femke studiert an ihrem Sexologie-Master in Belgien. Sean ist der lauteste, extrovertierteste Mensch, den ich je getroffen habe. Er hat die verrückteste Lache der Welt. Angelos war wahrscheinlich der Ruhigste, er kennt sich gut in Rumänien aus und spricht fließend Rumänisch, und ist einfach ein herzerwärmender Kerl. Ständig spendierte er uns irgendwas: Essen, Trinken, Süßigkeiten, sogar Heizlüfter. Wir Vier überlebten zusammen Schnee, laut schnarchende Mitbewohner und Eiseskälte – das verbindet!

Der Sturm verursachte einen Stromausfall!

Ja, die Drei nahmen mich zu den teuersten Touristenorten mit und raubten mir viel Schlaf und Entspannung, aber das war es wert! Wegen des Wetters verbrachten wir einen Großteil unserer Zeit am zweiten Tag in Cafés, aber den Parlamentspalast nahmen wir natürlich noch mit. Ich habe ihn mir ehrlich gesagt faszinierender vorgestellt, haha. Nachdem wir dort waren, entwickelte sich der Schnee zu dem heftigsten Schneesturm, den ich je miterlebt habe! Wir suchten Zuflucht in einem Coffeeshop, Femke und ich teilten uns einen Cheesecake – und währenddessen verursachte der Sturm einen Stromausfall in fast der ganzen Stadt. Bei uns natürlich auch! Um uns die Zeit zu vertreiben, hielten wir uns später in einer tollen Buchhandlung auf.

Am letzten Tag gingen wir noch ganz mutig zur Walking Tour, bei der wir lustige Leute aus den Niederlanden und England kennenlernten, mit denen wir den letzten Abend verbrachten. Dann stieg ich auch schon in den Zug nach Craiova, ein bisschen melancholisch, das „Team“ zurückzulassen. Hier fühlte sich nach der summenden Hauptstadt und der ununterbrochenen Gesellschaft zunächst alles klein und einsam an. Besonders, weil ich ein Einzelzimmer bezog. Das eiskalte Wetter war auch nicht förderlich für gute Laune. Viele Sehenswürdigkeiten gibt es in der 293 000-Einwohner-Stadt aber nicht. Aber Craiova hat seinen eigenen Charme und bietet das, was alle Hipster-Backpacker suchen: eine authentische, lokale Erfahrung einer rumänischen Universitäts-Stadt. Die Innenstadt hat schöne Straßen und tolle Architektur.

Noch schöner wäre sie gewesen, wenn ich meine Handschuhe nicht in Bukarest verloren hätte… dafür bekam ich hier die besten, handgemachten Cupcakes meines Lebens in einer winzigen Konditorei. Es gibt viele Kirchen, eine Uni, in der ich mich sofort mal für eine Stunde verlief, und mehrere kleine Parks. Und auch einen großen Park: der Parcul Nicolae Romanescu ist sogar berühmt für seine Größe, und das zurecht! Die drei Kilometer Fußmarsch an wütenden Hunden haben sich gelohnt, denn es war traumhaft: Mehrere Seen und Flüsse, ziemlich lächerliche Skulpturen und ein gruseliges Schloss und einen kleinen Zoo. Und dann war meine Reise auch schon zu Ende.

Man reist nie alleine - man fährt nur alleine los!

Welche Bilanz kann ich aus dieser abenteuerlichen Fahrt ziehen? Zunächst: Nicht im Winter reisen! Ab jetzt packe ich meinen Rucksack nie wieder bei unter fünf Grad Celsius. Aber noch viel wichtiger: diese Reise, da bin ich mir ganz sicher, stand und fiel durch die Menschen, mit denen ich sie verbracht habe. Ob liebenswerte Café-Besitzer, alte Freunde und Bekannte oder neue Leute. Noch nie habe ich so viele Reisende so schnell kennengelernt und so viel Spaß mit praktisch Fremden gehabt. Bilanz Nummer zwei: Man reist nie alleine. Man fährt nur alleine los.

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