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Lena in Rumänien: Ruhige Arbeit, entspannte Freizeit

Lena Gibbels 07. August 2017 11:49

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    So sieht für Lena die schönste Zeit im Kindergarten aus. Sie spielt ihren Kindern Lieder auf der Gitarre vor. Ihr „kleines“ Publikum lauscht dabei gebannt.

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    Gute Freunde: Juliana (v. l.), Alkie und Lena.

Rumänien - Teil 23 Ich habe eine etwas entspanntere Woche hinter mir, allerdings auch eine etwas traurigere. Ohne Kindergartenjunge Petru fühlt sich der Raum leer an, es tut weh, an ihn zu denken. Verdammte Liebe.

Nun ja. Meine Mitbewohnerin und Mitfreiwillige Juliana und ich haben unser Programm wieder aufgenommen und den ganzen Monat lang Aktivitäten in der Kita geplant. Das lief so mittelmäßig. Die Erzieher finden’s nicht schlimm, aber Hilfe oder Unterstützung kommt von ihnen auch nicht. Wenn ich also in meiner Freizeit was plane und die Kinder in Stimmung sind, dann darf ich in meiner Gruppe mit Babys aus reichen Familien für fünf Minuten am Stück (länger ist nicht erlaubt) etwas Kreatives machen.

Erzieher oder doch eher Putzkraft?

Und dann wieder zurückkehren zu meinem unbezahlten Vollzeitjob als Putzkraft und Kindermädchen. Diese fünf Minuten waren dann aber doch immer ganz nett. Die Kinder haben ja großen Spaß an der Gitarre und der Musik, besonders der kleine Alex flippt immer komplett aus vor Freude. Wir bringen den Kindern bis zur Abschlussparty ein Stück bei und basteln ihnen Gitarren aus Waschmittelflaschen.

Ich verbringe neuerdings viel mehr Zeit mit Alkie und Juliana. Wir quatschen, kochen, schauen Filme, verreisen – das ist schön. Wer hätte gedacht, dass Juliana mal eine meiner liebsten Personen dieser Zeit wird und die, zu der ich am meisten aufsehen kann? Sie ist definitiv die Bodenständigste von uns. Und mir ist erst gar nicht aufgefallen, wie viel ich von ihren Lehrmethoden und ihrem Umgang mit Kindern gelernt habe. Sie ist so faszinierend und so inspirierend.

Am Donnerstag ging es mal wieder zur Suppenküche. Nicht nur, dass ich wahnsinnige Muskelmasse dabei aufbaue, Polenta und Hühnerleber aus dem Riesentopf in die Schüsseln zu wuchten, ich freue mich jedes Mal, das Team wiederzusehen.

Dort waren alle beeindruckt, dass ich zwei Sprachen lerne, auch wenn ich, zugegeben, keine von beiden wirklich gut kann. Auf dem Rückweg fuhr ich mit einer Kollegin heim, als uns ein fremder Mann im Bus anquatschte und uns erzählte, wie sehr ich ihn an seine wunderschöne Tochter erinnere. Wie süß! Ich sprach mit ihm Rumänisch, Ungarisch und Englisch – das klappte wunderbar!

Freitag hieß es dann noch mal Meeting mit Lehel, unserem Chef, um unseren Youthpass, also unser Abschlusszeugnis, das wir selbst schreiben dürfen, zu besprechen. Letztendlich war es nur die Fortsetzung des letzten Meetings und er wollte nach wie vor, dass unser finaler Bericht positiver ausfällt, nun über die Schiene: „Ihr habt hier im Youthpass geschrieben, dass ihr eure Sprachkenntnisse verbessert habt, aber dann im finalen Bericht angekreuzt, dass der Sprachunterricht schlecht war! Ihr müsst etwas Besseres ankreuzen oder die Nationale Agentur wird euch Fragen stellen!“

Nun ja, diese Fragen werde ich schon beantworten können. Bin recht stolz auf meinen Youthpass, er klingt vielleicht ein bisschen hochgestochen, aber nicht schlecht.
Sonntag ging es dann endlich wieder auf einen Trip. Mit Alkie, Juliana und ihrem Freund Antonio fuhr ich an einen See. Hui, war der schmutzig. Das Salzwasser war tiefbraun. Ich hab’ es nicht gewagt, mein frisches Tattoo, das ich auf dem Arm habe, auch nur in die Nähe zu bringen, und bin letztendlich nur bis zum Bauchnabel hinein, was auch reichte, bäh! Als wir rauskamen und uns trockneten, legte sich eine dicke Salzkruste auf unsere Haut, Kleidung und Haare. Mein Bikini, Julianas Kopfhaut, Antonios Bart, alles schneeweiß. War (trotzdem) ein schöner Trip… Ich werde die beiden echt vermissen, wenn das hier zu Ende ist.
Lena Gibbels (18, Datteln) ist für zehn Monate nach Rumänien gegangen. In der Stadt Cluj-Napoca in Transsilvanien absolviert sie ihren Europäischen Freiwilligendienst, kurz EFD, in der „Csemete Reformed Nursery School“. Hier bei Scenario lässt Lena Euch teilhaben, wie es ihr in Cluj-Napoca ergeht und was dort alles passiert.

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