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Lena in Rumänien: Solo zu reisen geht auch

Lena Gibbels 27. Februar 2017 14:00

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    Wir wissen gar nicht, was Lena an der Stadt Baia Mare auszusetzen hat, sie sieht doch eigentlich ganz beschaulich aus. Die FSJlerin aus Datteln hingegen fühlte sich dort nicht allzu wohl.

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    Lena auf ihrem Solo-Trip durch Rumänien: In der Uni-Stadt Iasi machte sie ein Foto vor der „Catedrala Mitropolitana“.

Rumänien - Teil 10 Ich bin so wahnsinnig erschöpft! Die letzte Woche habe ich aus dem Rucksack gelebt und bin zum ersten Mal in meinem Leben komplett allein gereist – durch das ganze Land, neun Tage lang. Es war wahnsinnig anstrengend. Und wahnsinnig toll! Die beste Reise meines Lebens.

Samstag fuhr ich hoch in die Stadt Baia Mare, um dort meine Freunde Lorena, Alex und Katja zu besuchen. Die Drei haben eine wirklich schöne, gemütliche Wohnung. Es gibt eine kleine, süße Küche, ein Bad, zwei Einzelzimmer und das Wohnzimmer (in dem Alex schlafen muss, der arme Junge, haha). Als sie mir Tee machten, dachte ich mir, dass sie Geborgenheit regelrecht ausstahlen. Nun ja, die Stadt Baia Mare ist klein! Klein und sehr grau im Winter. Mit den Dreien hatte ich dort trotzdem eine schöne Zeit – sie warfen Eisblöcke durch die Gegend, zeigten mir die zweitbesten Sandwiches Rumäniens und stiegen mit mir auf einen Turm – aber als Tourist würde ich garantiert nicht zurückkehren. Außerdem regnete es, weswegen wir einfach zu ihrer Wohnung zurückkehrten und uns mit Tee eine britische Spielshow ansahen. Bei der Rückfahrt war ich etwas melancholisch.
Das Projekt der Drei ist Ende des Monats vorbei – das war also mein erster und letzter Besuch bei ihnen.

Sonntagmorgen ging es in die Uni-Stadt Iasi, und hier begann meine erste Reise komplett allein. Ich hätte mich nicht besser vorbereiten können – alle Zugtickets und Hostels gebucht, ich kam überall morgens oder vormittags an, Passkopien und Bargeld hatte ich an vier verschiedenen Orten gesichert, die Packliste dreimal überprüft, und genug Leute wussten, wann ich mich wo aufhalten würde. Und trotzdem wurde mir am Abend zuvor fast schlecht vor Nervosität: meine erste Solo-Reise!

Aber im Grunde freute ich mich doch. Auch wenn ich am Flughafen erst mal meine Wasserflasche zerdepperte. Toller Start, Lena! Trotzdem kam ich irgendwie in der Stadt an und schnappte mir ein Taxi zum Hostel. Da gingen die Überraschungen direkt weiter. Das Hostel am Rand der Stadt war ganz süß eingerichtet, aber auch menschenleer. Keine Rezeption, keine Angestellten, keine Gäste außer so eine telefonierende spanische Frau. Ich rief schließlich eine angepinnte Nummer an und die Frau am Telefon wirkte sehr überrascht und planlos, dass überhaupt Gäste da sind. Als sie vorschlug, dass ich das Geld in einen Umschlag packen und in den Briefkasten werfen soll, wurde es mir ein bisschen zu gruselig – ich schnappte mir meine Sachen und mietete mich spontan in einem anderen Hostel ein. Hier war alles ganz normal und toll.

Auch wenn mein erster Eindruck von Iasi kein guter war, begann die Stadt mir zu gefallen, sobald ich die echt schöne Hauptstraße fand. Dort trank ich erst mal wirklich guten Kaffee und gelangte dann schlendernd an den meiner Meinung nach schönsten Ort der Stadt: dem Kulturpalast. Drinnen gibt es sogar vier Museen.

Einzige Teilnehmerin der "Free Walking Tour"

Um 16 Uhr ging ich zu einer „Free Walking Tour“ und dort war ich tatsächlich die einzige Teilnehmerin! So wurde es mehr zu einem Spaziergang als zu einer Tour. Das Mädchen, das mich durch die Stadt führte, hieß Andreea. Wir verstanden uns so gut, dass wir weiterhin über Facebook Kontakt halten wollen. Allein blieb ich auch nicht abends im Hostel. Dort kam ich mit zwei Leuten ins Gespräch. Und ich schätze, das ist echte Hostel-Kultur: Über Rotwein aus Plastikgläsern erfuhr ich echt viel über die Zwei. Er möchte alle Länder der Welt bereisen, hasst den Verlobten seiner Schwester, mag die „Strandkultur“ Australiens, wo er lebt, nicht. Sie kommt aus China. Kurioserweise saß sie im gleichen Flugzeug nach Iasi wie ich, liebt Süßigkeiten und arbeitet mit rumänischen Schülern. Das Einzige, was ich nicht erfuhr, waren ihre Namen…

Montag hatte so ziemlich alles in Iasi zu, wie Andreea mich schon gewarnt hatte. Tolles Timing! Offen war allerdings das deutsche Kulturzentrum, das abgesehen von Sprachkursen allerdings nicht viel zu bieten hat, auch wenn ich dort supersüß begrüßt und rumgeführt wurde. Anschließend ging ich in ein Café und dann noch ein bisschen shoppen im Einkaufszentrum „Palas Mall“, wo ich auch die Chinesin vom Abend zuvor traf. Ihr Name ist übrigens Jessie. Sie war genauso froh, mich zu sehen, denn ihr Handyakku war leer und sie fand den Weg zum Hostel nicht, also gingen wir gemeinsam. Zum Glück! Es war dunkel, das Hostel lag etwas abseits vom Zentrum und Google Maps zeigte jedes Mal andere Wege an.

Endlich angekommen, war der Plan dann eigentlich, früh schlafen zu gehen, allerdings kam ich in der Küche noch mit einem Mädchen aus Frankreich, Adéle, ins Gespräch. Eines führte zum anderen, und letztendlich kochten wir gemeinsam ein veganes Gericht mit völlig verkochtem Reis und viel Curry. Sie war wirklich süß – und sie lebt in dem Hostel! Sie – und ein paar andere Leute, mit denen sie zur Uni geht und mit denen wir am Ende aßen. Alle total witzig und gesellig! Es war ein echt schöner Abend!

Der Nachteil war, dass ich am nächsten Morgen mit nicht einmal drei Stunden Schlaf zum Flughafen aufbrechen musste. Dafür aber wenigstens mit Jessie und ihrem Freund. Die beiden erzählten mir den ganzen Weg über von China, ohne auch nur Luft zu holen. Was wirklich interessant war! Ich hoffe, ich kann den Kontakt bis nach China halten. Sie waren einfach coole Menschen! Schon nach diesen beiden Stationen merkte ich also, dass alleine zu reisen nicht unbedingt bedeutet, einsam zu reisen. Meine nächste Station auf meiner Solo-Reise war Bukarest. Wie es dort war, erzähle ich demnächst…
Lena Gibbels (17, Datteln) ist für zehn Monate nach Rumänien gegangen. In der Stadt Cluj-Napoca in Transsilvanien absolviert sie ihren Europäischen Freiwilligendienst, kurz EFD, in der „Csemete Reformed Nursery School“. Hier bei Scenario lässt Lena Euch teilhaben, wie es ihr in Cluj-Napoca ergeht und was dort alles passiert.

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