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Leonie in Neuseeland: Jetzt gibt's kein Zurück mehr

Leonie Schulz 21. September 2018 11:50

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    Der erste Eindruck von Auckland überwältigt Leonie. Die kleine Amber zeigt dem Au-pair ihre Welt.

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    Wow, ein Regenbogen! Leonie knipst entzückt das Naturschauspiel aus dem Flugzeug heraus.

Teil 2 Abschiede sind nie einfach. Gerade mir als Familienmensch, mit wahnsinnig tollen Freunden an meiner Seite und einem Zuhause, in dem ich mich kaum heimischer fühlen könnte, fällt das Abschiednehmen am Frankfurter Flughafen besonders schwer.

Als ich jeden meiner Begleiter einzeln in den Arm nehme, kullern mir die Tränen über die Wange: Jetzt geht es wirklich los. Mein Reisepass wird eingescannt, der Durchgang öffnet sich und mit zittrigen, aber auch neugierigen Schritten in Richtung Abenteuer komme ich meiner Reise erneut ein kleines Stück näher.

In dem Moment, in dem sich die Türen schließen, gibt es für mich kein Zurück mehr. So fühlt es sich zumindest an. Glücklicherweise bin ich nicht alleine, sondern reise mit einer Gruppe von anderen Au-pairs, die mir das Zurechtfinden am Flughafen deutlich erleichtern. Es ist schön, so viele Leute kennenzulernen, die alle die gleichen Pläne und Vorstellungen haben. Gesprächsthemen gibt es etliche, ohne dass man lange danach suchen muss. Man fühlt sich zugehörig – wie ein Teil von etwas Aufregendem – und das Szenario erinnert an eine Klassenfahrt mit Leuten, die man schon ewig kennt.

Der erste Flug nach Hongkong hat wie alles im Leben seine Höhen und Tiefen. Und wenn ich von Höhen und Tiefen spreche, dann meine ich das wortwörtlich. Das Flugzeug hat mit einigen Turbulenzen zu kämpfen, die das Schlafen unmöglich machen. Ich mit meiner geringen Körpergröße von 160 Zentimetern weiß weder wo ich Arme noch Beine platzieren soll. Ich habe in diesem Moment Mitleid mit meiner deutlich größeren Sitznachbarin, deren Beine sich in den Sitz vor ihr pressen und nehme mir vor, dass ich mich nie wieder über das Kleinsein beschweren werde. Meine Knöchel sind außerdem so sehr angeschwollen, dass ich mich kurzzeitig selber als Thrombosepatientin diagnostiziere.

In Hongkong muss ich viel Zeit totschlagen

Drei Filme und unzählige unbequeme Schlafpositionen später, komme ich dann endlich in Hongkong an. 14 Stunden haben meine Reisegruppe und ich nun die Ehre, dort am Flughafen die Zeit totzuschlagen. Das sind mit Abstand die längsten 14 Stunden meines Lebens.

Als wir nach weiteren elf Stunden Flug in Auckland angekommen, ist all der Stress, die Müdigkeit, die Zweifel und die daraus resultierende schlechte Laune wie weggeblasen. Die Freude, endlich unser Ziel erreicht zu haben, ist so groß, dass alles andere mit dem Schritt aus dem Flugzeug verschwindet.

Trotz Ankunft in Neuseeland werden wir alle noch etwas länger auf die Folter gespannt, bis wir endlich zu unseren Gastfamilien können. Drei Tage verbringen wir vorerst in einem Hotel in der Nähe des Flughafens, in denen alle mitreisenden Au-pairs unter anderem an Workshops bezüglich der Arbeit mit Kindern teilnehmen, einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren und weitere hilfreiche Infos für unseren Aufenthalt erhalten. Und obwohl die Zeit dort sehr aufschlussreich ist und uns die Möglichkeit gibt, uns gegenseitig noch etwas besser kennenzulernen, haben wir alle nur sehnsüchtig darauf gewartet, endlich unsere neuen Familien in die Arme zu schließen.

Als es dann so weit ist, verspüre ich ein nervöses Kribbeln im Bauch. Das ist der erste Moment seit meiner Ausreise, in dem ich wirklich realisiere, dass ich jetzt die nächsten neun Monate hier verbringen werde. Und das mit Menschen, die ich noch nie außerhalb des Internets gesehen habe. In einem Haus, was mir völlig fremd ist. Das erste Mal habe ich Angst, dass ich von meiner Vorfreude so geblendet war, dass ich mir gar keine Gedanken darüber gemacht habe, was alles schiefgehen könnte.

Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, als ich meinen Gastvater vor der Eingangstür des Flughafens sehe. Mit wackeligen Beinen gehe ich langsam auf ihn zu. Er begrüßt mich mit einem Lächeln und nimmt mich, als sei es selbstverständlich, in den Arm. Mein Herzschlag beruhigt sich langsam wieder.
Die Fahrt ins neue Heim ist zugegebenermaßen etwas unbeholfen. Aber worüber redet man auch schon mit einem 30-jährigen Familienvater, der gerade von der Arbeit kommt?

Meine Fähigkeiten in Sachen Small Talk sind, wie ich während der Autofahrt feststellen muss, doch eher begrenzt. Aber ich erfahre, dass das Wetter in Auckland sehr wechselhaft ist und irgendwann reden wir sogar über Tofu. Sagen wir mal so: Es hätte deutlich schlechter laufen können.

Die Kinder plappern direkt auf mich ein

Zuhause angekommen, werde ich von den Kindern, der dreijährigen Amber und Emma-Jane, acht Monate alt, mit offenen Armen empfangen. Direkt kommen beide auf mich zu, wollen mit mir spielen und es fühlt sich von der ersten Sekunde so an, als würde ich die beiden schon ewig kennen. Amber zeigt mir sofort all ihre Spielzeuge. Wie ein Wasserfall redet sie, mit einem überdurchschnittlichen Vokabular für eine Dreijährige, auf mich ein.

Die Begrüßung mit meiner Gastmutter, einer aufgeschlossenen, jungen Frau, verläuft ebenso problemlos und schon jetzt fühle ich mich wohl und vollkommen angekommen. All meine Vorstellungen werden übertroffen und an dem Abend gehe ich frisch geduscht und todmüde aber trotzdem überglücklich in mein neues, frischbezogenes Bett.

Am nächsten Morgen geht es trotz Jetlag direkt weiter. Meine Gastfamilie fährt mit mir in die Innenstadt von Auckland. Dort gehen wir auf den Sky Tower, ein über 200 m hoher Turm mit Aussichtsplattformen mitten in Auckland. Von dort aus können wir die ganze Stadt sehen. Ein riesiger Ort, mit Menschenmassen, umgeben von Hochhäusern und stockendem Verkehr. Aber was Auckland wohl von all den anderen riesigen Metropolen unterscheidet, ist, dass inmitten des Großstadtdschungels große, grüne Hügel, wie beispielsweise der Mount Eden, aus der Erde ragen. Bei diesen Bergen handelt es sich um ruhende Vulkane.

Und da erinnere ich mich auch wieder daran, wieso ich mir dieses Land am anderen Ende der Welt ausgesucht habe und wieso ich dafür auch einen 36-Stunden-Flug ohne Dusche in Kauf genommen habe. Weil ich kein anderes Land kenne, was seine Natur und seinen Ursprung so schätzt und so viel zu bieten hat. Ich kann es gar nicht abwarten, noch mehr von Neuseeland zu sehen und den Rest der Insel in all seiner Vielfalt zu erkunden…
Und jetzt wird es Wirklichkeit: Mein Neuseeland-Abenteuer hat endlich begonnen.
Leonie Schulz (18, Waltrop) fliegt für neun Monate nach Neuseeland. In Whenuapai, einem kleinen Vorort von Auckland, der größten Stadt des Landes, wird sie sich als Au-pair um zwei kleine Mädchen kümmern. Außerdem möchte sie die Zeit dort nutzen, um das Land in seiner Vielfalt zu erkunden. Hier berichtet Leonie von ihren Erfahrungen.

 

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