Hertener Allgemeine Medienhaus Bauer

Pia fährt nach Dänemark: „Warum mache ich das wieder?“

Pia Friedl 11. September 2018 10:13

  • Teaserbild

    Die „Begeisterung“ ist Pia förmlich ins Gesicht geschrieben. Koffer zu packen ist nicht ihr Ding.

  • Teaserbild

    Eindeutig mehr Spaß macht es der 22-jährigen Waltroperin, sich literarisch auf Kopenhagen, ihrer zukünftigen Heimat, vorzubereiten.

Teil 1 Nun ist es wieder so weit. In zwei Tagen breche ich zu meinem dritten Auslandsaufenthalt auf. Diesmal geht es nach Kopenhagen. Dort werde ich an der Universität UCC „Childhood in a Nordic perspective“ studieren und vier Monate in der kleinen Großstadt leben. Über 610.000 Menschen leben in Kopenhagen, das sind etwas mehr als in Dortmund.

Mein Studiengang beinhaltet das Zusammenspiel von Bewegung und Natur für Kinder im Elementarbereich. Ich werde theoretische und praktische Module belegen. Wir werden auch lernen, wie wir das Gelernte in unserem Heimatland anwenden und umsetzen können. Studieren werde ich auf Englisch, aber ich hoffe, dass ich auch die Grundkenntnisse der dänischen Sprache erlernen werde.

Aktuell studiere ich an der Hochschule Niederrhein „Kindheitspädagogik“ im fünften Fachsemester. Das ist ein relativ neuer Studiengang. Wir sind nach dem Bachelor staatlich anerkannte Kindheitspädagogen und können theoretisch überall arbeiten, wo Kinder zwischen null und 14 Jahren betreut werden.

Ich möchte gerne nach meinem Studium in einem Mutter-Kind-Heim arbeiten, muss dafür aber wahrscheinlich noch eine zusätzliche Ausbildung/Weiterbildung oder ein Studium dranhängen. Da wir noch sehr unbekannt sind, müssen wir uns bei potenziellen Arbeitgebern vorstellen und unseren Studiengang erklären. Viele aus unserem Studiengang arbeiten nach dem Bachelor in Kindertagesstätten.

Bei meinem ersten Auslandsaufenthalt war ich für drei Monate in Quebec in Kanada als Austauschschülerin. Nach dem Abitur bin ich dann für acht Monate nach Sydney als Au-pair-Mädchen gegangen. Dort habe ich sechs Monate gearbeitet und bin danach noch durch Australien gereist, um das Land zu erkunden. Beides waren wundervolle Erfahrungen und ich habe viel daraus mitgenommen. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, auch in meinem Studium noch einmal ein Land für einen längeren Zeitraum zu erkunden.

Gefördert durch die Erasmus-Organisation

Das Ziel war relativ schnell gefunden, weil es nicht viele Partner-Unis von meiner Hochschule aus gab, die meinen oder einen vergleichbaren Studiengang anbieten. Ich werde durch die Erasmus-Organisation gefördert und unterstützt. Ich war tatsächlich die Einzige aus meinem Studiengang, die sich beworben hatte und ich bin auch generell die Erste aus meinem Studiengang, die im fünften Semester ein Auslandssemester antritt.

Von daher gab es schon vor dem Antritt eine Menge Steine, die ich im Vorfeld aus dem Weg räumen musste. Außerdem habe ich erfahren, dass mir leider kein Kurs für meine Semester in Deutschland anerkannt wird. Aber wie sagt man so schön? Ich lerne fürs Leben und für meinen beruflichen Werdegang.

Nachdem das Auswahlverfahren durch war, die Dozenten mir entgegengekommen sind und viele Missverständnisse aus dem Weg geräumt waren, ging die Wohnungssuche los. Und die ist gar nicht so einfach in Kopenhagen. Wer Glück hat, bekommt von der Uni eine Wohnung zugeteilt. Wer nicht, muss sich selber auf die Suche machen. Ich hatte leider kein Glück und habe unendliche viele Anfragen abgeschickt. Anfang Juli hatte ich immer noch keine Wohnung und fing an, zu resignieren.

Doch plötzlich hat sich jemand gemeldet, der sich super anhörte: Er hat eine Wohnung mit einer tollen Lage. Der Preis dafür ist zwar immens, aber für vier Monate schaff‘ ich das. Also stand meine Entscheidung fest: Nun werde ich jetzt mit meinem Vermieter und drei weiteren Studentinnen zusammenleben. Außerdem wohnt die zwölfjährige Tochter jede zweite Woche mit uns zusammen. Mein Vermieter fragte mich, ob ich mit seiner Tochter ein bisschen Deutsch sprechen könnte, da sie Deutsch als Schulfach belegt. Klar sagte ich zu, denn durch diese Nachhilfe kann ich mir sogar noch ein bisschen was dazuverdienen.

Ein eigenes Zimmer mit Blick aufs Meer

Bei der Wohnungsbesichtigung per Skype habe ich gesehen, dass ich von meinem Zimmer aus das Meer sehen kann. Da war es um mich geschehen und ich wollte unbedingt in dieses Zimmer. Nach dem netten Skype-Gespräch teilte mir der Vermieter die Zusage für das Zimmer mit.
Wenn ich ankomme, wohnen in der Wohnung bereits eine Spanierin, eine Japanerin und eine Inderin. Ich freue mich auf dieses multikulturelle Zusammenleben und bin auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Kulturen gespannt.

Seit Anfang Juli habe ich also eine Wohnung und seitdem verflog die Zeit so schnell, dass es jetzt nur noch wenige Tage sind. So wirklich realisieren kann ich das nicht. Nur die Frage, „warum mache ich das schon wieder?“, habe ich mir schon ein paar Mal gestellt. Es läuft doch alles super in Deutschland, warum will ich wieder weg? Aber ich weiß insgeheim, warum. Weil ich das Abenteuer, fremde Kulturen, Länder und Landschaften liebe. Weil ich gerne reise und noch viel von der Welt entdecken will. Weil ich jetzt die Zeit dazu habe, mehrere Monate an einem Stück in einem fremden Land zu leben und dadurch Erfahrungen sammeln kann.

Mein Koffer ist noch nicht gepackt, das hat Gründe: Ich hasse Kofferpacken – und wenn ich damit anfange, wird es real, dann weiß ich, es geht bald los. Zurückkommen werde ich mit meinem Koffer voller Klamotten und mit einem Koffer voller Erinnerungen, schönen, aber sicher auch traurigen Momenten und einer Sammlung an Erfahrungen.

Ich bin sehr gespannt, was auf mich zukommen wird. Ich hoffe, in der Uni schnell Anschluss zu finden, dass ich mich mit meinen Mitbewohnern gut verstehe. Schon jetzt freue mich darauf, neue Leute kennenzulernen. In meinem Studiengang in Kopenhagen sind wir Studenten aus elf verschiedenen Ländern. Da ich leidenschaftlich gerne Handball spiele, hoffe ich außerdem, auch in Dänemark meinem Sport nachgehen zu können. Da Dänemark als Handballland bekannt ist, denke ich, dass ich eine Mannschaft finden werde.
Jetzt heißt es also: Koffer packen, Abschied von Familie und Freunden nehmen, um Kopenhagen Hallo zu sagen.
Pia Friedl (22, Waltrop) geht für ein Semester nach Kopenhagen. Dort wird sie „Childhood in a Nordic perspective – a Danish setting“ studieren. Pia wohnt mit drei weiteren Studentinnen, dem Vermieter und mit dessen Tochter zusammen. Was sie in ihrem Auslandssemester alles so erlebt, schildert Pia ausführlich bei Scenario.

Teilen