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Umweltbewusster leben: Nachhaltigkeit beginnt im Bad

Ines Kirchner 12. Juli 2017 09:50

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    Erst nachdem Ines geprüft hat, ob ihr Make-up auch nachhaltig ist, greift sie zum Schminkpinsel.

Wir versuchen alle, uns immer wieder zu optimieren: Wollen uns zum Beispiel gesund ernähren und mehr Sport treiben. Sich selbst zu optimieren, bedeutet für mich aber auch: Einen Weg finden, das eigene Umweltbewusstsein zu erhöhen und der Umwelt weniger zu schaden. Ich möchte also nachhaltiger leben. Doch wie mache ich das?

Nachhaltiger leben, was bedeutet das eigentlich? Klar, ich trinke Leitungswasser, schalte Stromschalter aus, mache die Waschmaschine möglichst voll, nutze den öffentlichen Nahverkehr. Aber mache ich das nicht mehr oder weniger einfach aus Sparsamkeit? Zu beschämend fand ich, dass ich zwar immer eine Stofftasche beim Einkaufen dabei habe, mich bisher aber wirklich keinen Deut darum gekümmert habe, was in den Produkten drin ist, die ich kaufe – zumindest nicht aus Umweltbewusstsein.

Ich habe daher für mich beschlossen: Es muss sich etwas ändern. Ich will nachhaltiger leben und weniger nur an mich denken. Ich möchte mich zwar nicht in allen Bereichen drastisch einschränken, aber bewusster an meinen Konsum herangehen und mir ein paar Dinge herauspicken, die ich versuche, ab sofort umzusetzen:

– nur noch „grüne“ Putz- und Haushaltsmittel kaufen.
– auf Alufolie und Wattestäbchen aus Plastik verzichten.
– Ökostrom beziehen.
– weniger Produkte mit Mikroplastik und Palmöl verwenden.

Während mich Ökostrom quasi nur einen Klick kostete und die Putzmittel oder Wattestäbchen-Alternativen direkt nebenan stehen, habe ich an dem letzten Punkt meines „Nachhaltiger leben“-Plans ganz schön zu knacken. Ich habe nämlich einfach mal alle meine Drogerieartikel und Kosmetikprodukte, die ich regelmäßig nutze, durch die sogenannte „Codecheck“-App laufen lassen und geschaut, ob diese Mikroplastik und/oder Palmöl beinhalten.
Das Fazit ist ernüchternd
Das ernüchternde Fazit: Alle meine Cremes, mein Duschgel, meine Abschminktücher enthalten Palmöl, mein Rouge, meine Lidschatten, mein Augenbrauenstift sind ebenfalls nicht palmölfrei. Palmöl ist deshalb schlecht, weil für den Anbau der Plantagen dieses Pflanzenöls Regenwaldflächen gerodet werden. Die Mehrheit meiner Make-up-Produkte enthält sogar Mikroplastik und (!) Palmöl, ob Eyeliner, Highlighter oder Lippenstift. Puh, damit muss ich meine komplette Make-up-Routine auf den Kopf stellen.

Mikroplastik ist dabei sogar noch der leichtere Teil, da nicht so universell im Einsatz. Eigentlich sollte der Kunststoff überhaupt gar nicht mehr eingesetzt werden, dazu hatten sich 2014 viele Hersteller hierzulande freiwillig selbst verpflichtet. Wer aber mal darauf achtet, wird feststellen, dass sich Mikroplastik immer noch in Dutzenden Kosmetik- oder Reinigungsmitteln findet. Mikroplastik sind kleinste Kunststoffteilchen, die durch unsere Waschbecken ins Meer gelangen und an denen die Meeresbewohner verenden können, wenn sie sie fressen. In den Inhaltsangaben taucht Mikroplastik unter anderem unter Namen wie Polyethylen, Polypropylen, Nylon 12 oder auch Acrylates Copolymer (AC) auf. Völlig unnötig, lässt es sich nämlich durch natürliche Stoffe wie Salze oder geschrotete Kerne ersetzen. Hier bin ich daher nach aktuellem Stand noch optimistisch, brauchbare Alternativen zu finden.

Der wirklich harte Brocken ist Palmöl. Es ist wohl allseits bekannt, dass die Herstellung des pflanzlichen Öls der Umwelt schadet, es aber leider in knapp der Hälfte aller Supermarktprodukte enthalten ist und auch die Kosmetikbranche große Mengen abnimmt. Nun ist sich jedoch selbst der WWF nicht sicher, ob eine komplette Abkehr vom Palmöl zu empfehlen ist. Das spielt mir für meine halb gare Lösung in die Hände: Die Auswahl meines Essens mache ich unabhängig von der Palmöl-Frage, da ich Fertigprodukte nur in Ausnahmefällen zu mir nehme und mir derzeit nicht vorstellen kann, auf Schokolade oder Nussnugatcreme vollständig zu verzichten.

Dass meine dekorative Kosmetik bzw. meine Drogerieartikel in allen Belangen so schlecht abschneiden, möchte ich jedoch nicht auf mir sitzen lassen und vermehrt nach Produkten ohne Mikroplastik und ohne oder wenigstens mit zertifiziertem Palmöl Ausschau halten.
Die weite Welt der Naturkosmetik habe ich sonst noch nicht betreten und ich muss zugeben, dass meine ersten zaghaften Einkehrversuche nicht von Erfolg gekrönt waren: In meinem Drogeriemarkt gab es kein einziges Abschminktuch, was den neuen Ansprüchen genügte, also griff ich zu einem Bio-Gesichtsreinigungsschaum – wirklich nicht mein Lieblingsgeruch.

Die Haarkur derselben Marke wiederum macht meine Haare platt und das Duschgel aus der Apotheke erinnert mehr an Kräuterbonbons als an einen Rosengarten.
Bei meiner über Jahre aufgebauten Make-up-Routine werden mir wohl ähnliche Startschwierigkeiten blühen. Ich bin zwar durchaus bereit, jetzt etwas mehr Geld als zuvor zu investieren, will aber auch nicht für jeden Kajal 20 € hinblättern. Bei meiner Marken-Mascara oder meinem Make-up ist das wieder was anderes, da zahlt man eh schon ordentlich, dann doch bitte für nachhaltigere Produkte.

Meine Umstellung wird daher sicherlich nicht von heute auf morgen passieren, sondern erfordert Zeit und Recherche. Der Weg in die richtige Richtung ist es aber sicherlich.

Die Codecheck-App gibt’s kostenlos für iOS und Android.

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