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VIP Arne ist Foodsaver: Nur nicht wegschmeißen

Alina Meyer 22. November 2017 11:39

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    „Wir Menschen sind viel zu verschwenderisch“, klagt Arne. Deshalb engagiert sich der 23-Jährige als Foodsaver im Jugendzentrum Hagenbusch in Marl. Dort können sich Bedürftige am Kühlschrank und Regal, dem sogenannten „Fairteiler“, bedienen und „gerettete Lebensmittel“ kostenlos mitnehmen.

Serie Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Supermarktkasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch in dieser Scenario-Reihe junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Arne.

Wenn Arne im Jugendzentrum Hagenbusch auftaucht, ist er meistens beladen mit Kisten voller Lebensmittel. Die bringt er alle von der Marler Tafel mit, die er mindestens einmal im Monat, am späten Nachmittag, ansteuert. Denn Arne ist Foodsaver, also Lebensmittelretter, und holt Lebensmittel ab, die die Tafel sonst wegschmeißen würde. In der Küche des Jugendzentrums wird das Obst und Gemüse kontrolliert und dann in den sogenannten „Fairteiler“, den Kühlschrank und das Regal, einsortiert. Familien, Alleinstehende, Hilfsbedürftige und Studierende – sie alle können täglich zu den Öffnungszeiten des Jugendzentrums vorbeikommen und sich kostenlos an den Lebensmitteln bedienen.

Lebensmittel retten und teilen – das ist das einfache Prinzip des Foodsharings. „Wir Menschen sind viel zu verschwenderisch. Dem möchte ich als Foodsaver entgegensteuern. Wir haben ja auch eine Verantwortung gegenüber unserer Umwelt“, sagt Arne. Seit sechs Jahren ist er bei den Falken im Jugendzentrum Hagenbusch.

Mit Überproduktion auseinandergesetzt

Seit März diesen Jahres hilft er in Marl als Lebensmittelretter aus und hat sich seitdem mit dem Thema der Überproduktion auseinandergesetzt. „Die Lebensmittelverschwendung bei uns ist sehr groß. Oft werden Lebensmittel schon weggeschmissen, obwohl sie noch gar nicht abgelaufen sind“, sagt der Ehrenamtler. Laut einer Studie der Universität Stuttgart wirft jeder von uns pro Jahr etwa 82 Kilogramm an Lebensmitteln weg. Das entspricht zwei vollgepackten Einkaufswagen.

„Momentan ist die Marler Tafel unser einziger Lieferant“, sagt der 23-Jährige. Das Jugend- und Kulturzentrum Hagenbusch möchte versuchen, auch andere Betriebe anzusprechen. „Mit der Tafel sind wir aber auch ganz gut ausgelastet. Es ist wirklich erstaunlich, was dort alles liegen bleibt. Manchmal bekommen wir die vielen Lebensmittel auch in zwei Autos nicht rein. Wir versuchen immer alles mitzunehmen, was kurz vor 17 Uhr noch da ist, denn um fünf schließt die Tafel.“ Als Foodsaver ist Arne auf der Foodsharing-Plattform www.foodsharing.de registriert. Dort trägt er sich bei den Abholungen ein. „Dort gibt es auch die Möglichkeit, Essenskörbe zu erstellen und hochzuladen. Das können Lebensmittel sein, die nach einer großen Geburtstagsfeier oder vor einem Urlaub übrig geblieben sind. Wir kommen dann vorbei und holen sie ab oder die Leute können sie selbst nach Marl in den ,Fairteiler‘ bringen.“

Mittlerweile gibt es einen Kühlschrank und ein großes Regal in der Küche des Jugendzentrums Hagenbusch. Auch wenn die Idee des Foodsharings simpel ist, müssen gewisse Hygienevorschriften eingehalten werden. „Offene Milchprodukte, rohes Ei und rohes Fleisch, eben alle offenen Lebensmittel, dürfen nicht in den Kühlschrank“, sagt der Foodsaver. Für die Abholer der Lebensmittel ist der Fairteiler wie ein Überraschungspaket. „Ich darf als Abholer natürlich nicht mit einem Einkaufszettel vorbeikommen, sondern kann nur das mitnehmen, was gerade da ist. Brote oder auch Möhren werden wir oft nur schwer los.“ Doch auch das Jugendzentrum schmeißt Lebensmittel nicht weg, sondern gibt es an die umliegenden Bauernhöfe weiter.

Wer sich auch als Foodsaver engagieren möchte, muss zunächst einen Onlinetest auf der Foodsharing-Seite ausfüllen und bestehen. Erst dann kann man sich an eine Einrichtung wenden und als Lebensmittelretter aushelfen. „Wir haben mittlerweile ein gutes Netzwerk hier in Marl. Trotzdem kann man nie genug Helfer haben“, sagt Arne.
Zu den Öffnungszeiten des Jukuz ist auch der Fairteiler geöffnet. Jeden Tag finden Abholungen statt. Lebensmittelabholer können täglich, am besten dienstags und freitags ab 19 Uhr und samstags ab 18 Uhr, in den Fairteiler im Jugendzentrum Hagenbusch in Marl schauen. Einen weiteren Fairteiler gibt es in der Altstadtschmiede in Recklinghausen, Kellerstraße 10.
@ www.hagenbusch-re.de

Kennt Ihr junge Menschen aus dem Kreis Recklinghausen, die „Very Interesting Persons“ sind? Dann gebt uns einen Tipp, bitte an: scenario@medienhaus-bauer.de!

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