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Wie luzides Träumen geht: Schlafend die Fantasie steuern

Margarita Eckert 16. Mai 2018 15:13

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    Ob diese Dame das Klarträumen beherrscht, wissen wir nicht. Autorin Margarita aber kann es und erklärt im Artikel, wie jeder das schaffen kann.

Luzides Träumen – auch als Klarträumen bekannt – ist schon beinahe Alltag für mich. Das bedeutet, ich kann meine Träume steuern.

Aussagen wie „Ich träume gar nicht“ sind mir fremd. Ich hatte schon immer sehr lebendige Träume und kann mich beinahe jedes Mal an fast alle Details erinnern. Vor Kurzem kam ich mit Freunden auf dieses Thema und das sorgte bei den anderen für viel Verblüffung. Ich schilderte ihnen einige meiner besonderen Fähigkeiten, über die ich während des Träumens verfügen kann, wie beispielsweise Fliegen oder mich in Lichtgeschwindigkeit von einem Ort zum anderen zu teleportieren. Oft habe ich die Möglichkeit, meinen Traum als eine Art Proberaum zu nutzen, in dem ich mich auf größere Vorträge oder Kolloquien vorbereiten kann.

Wie ich zum Klarträumen kam? Ich recherchierte im Internet dazu und fand zahlreiche Anleitungen, wie man luzides Träumen erlernen kann. Diese beinhalteten erstaunlicherweise einige Aspekte, die mir persönlich bereits seit Längerem bekannt waren. Anscheinend hab‘ ich mir das Klarträumen ganz ohne Anleitung beigebracht.

Merkwürdige Situationen erscheinen plausibel

Angefangen hat das Ganze durch meine häufigen Albträume, die ich praktisch jedes Mal hatte, wenn ich einen Horrorfilm oder einen fesselnden Thriller geschaut habe. Ich habe mich anfangs häufig im Traum selbst gefragt, ob ich träume oder ob das Ganze real sei. In der Forschung spricht man dabei wohl vom „Traumbewusstsein“. Im Traum entsteht ja oft der Eindruck, dass die merkwürdigsten Situationen völlig plausibel sind.

Man hinterfragt also nicht das Geträumte und erkennt nicht, dass man gerade träumt. Habe ich mir allerdings die Frage nach Traum- oder Wachzustand im (!) Traum beantwortet, kann ich beliebig das Szenario wechseln und damit den Schrecken beenden.

Neben dem Traumbewusstsein spielt auch ein gutes Traumgedächtnis für das Erleben von Klarträumen eine wichtige Rolle. Dieses Gedächtnis kann regelrecht trainiert werden, indem man nach dem Aufwachen versucht, sich an so viele Details wie möglich zu erinnern. In der Literatur zum Klarträumen wird auch explizit darauf hingewiesen, sich die Details aufzuschreiben, um ein besseres Trainingsergebnis zu erzielen. Menschen, die von sich behaupten, gar nichts zu träumen, haben ihr Traumbewusstsein und Traumgedächtnis zu wenig ausgebildet. Dadurch stufen sie die Trauminhalte während des Schlafs als plausibel ein, hinterfragen diese nicht und vergessen sie dementsprechend auch schneller.

Weil ich mir also im Traum darüber bewusst werden wollte, dass ich träume, habe ich mir mit der Zeit noch zusätzlich ein spezielles Verfahren angeeignet. Wenn ich beispielsweise einen Albtraum habe, schaue ich mich nach einem Schriftzug oder einer Uhr um. Dabei ist es völlig egal, worum es sich handelt: Manches Mal habe ich auf den Adidas-Schriftzug auf meinen Sneakers geschaut, meinen Blick dann kurz abgewandt und ein zweites Mal drauf geschaut. Veränderte sich dabei die Buchstaben- oder Wortreihenfolge, oder im Falle der Uhr, die Uhrzeit, wusste ich, dass ich träume. Die unterschiedlichen Klartraum-Anleitungen sprechen dabei von „Reality Checks“, wovon es noch einige andere gibt. Diese Reality Checks muss man sich wiederum durch bestimmte Verfahren aneignen und sie zur Gewohnheit machen.

Meiner Erfahrung nach reichen also das Traumbewusstsein und das Traumgedächtnis dafür aus, um Klarträume auszulösen, allerdings gibt es noch eine Handvoll weiterer Techniken, um das luzide Träumen zu erleben und es auch zu verstärken. Ich jedenfalls träume mittlerweile sehr gerne…
Ihr wollt das Klarträumen erlernen? Margarita empfiehlt dieses Buch für Einsteiger:
Simon Rausch: „Oneironaut: das Klartraum-Praxishandbuch“
218 Seiten
ISBN-10: 1482712245
13,90 Euro

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