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Backstage bei Starlight Express: Mit Frauenpower zurück auf die Gleise

Kathi Lenger 31. August 2018 12:06

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    Schnell fegt Veronika Hammer als Carrie/Pearl über die Bühne und freut sich über ihre Fans.

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    Für einen Plausch mit Kathi (r.) nimmt sich Veronika Hammer Zeit.

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    Kathi durfte hinter die Kulissen von Starlight Express schauen und Rustys Helm tragen.

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    Ordentlich aufgereiht hängen hier die schweren Kostüme der Starlight-Express-Crew.

Starlight Express feiert dieses Jahr seinen 30. Geburtstag – und das mit einer neuen Show und viel Frauenpower im Gepäck. Nach dreiwöchiger Pause startete das spektakuläre Rollschuhmusical in Neuauflage. Im Auftrag von Scenario durfte ich hinter die Kulissen schauen.

Zeit: nur noch wenige Stunden bis zur Show. Am hinteren Bühneneingang werde ich von Christina Schulz erwartet. Sie ist Pressereferentin des Rollschuhmusicals und nimmt mich herzlich im Empfang. Ein bisschen aufgeregt bin ich schon und gespannt darauf, was mich erwarten wird. Bevor es mit der Führung durch das Theater losgeht, treffe ich auf Musicaldarstellerin Veronika Hammer. Die 25-Jährige ist seit der neuen Show mit dabei als „Carrie“, manchmal rollt sie auch als „Pearl“ über die Bühne.

Veronika hat kurze braune Haare und eine schlanke, aber muskulöse Figur. Sie strahlt und begrüßt mich. Die Österreicherin ist sehr stolz und glücklich darüber, nun auch ein Teil der Starlight-Express-Familie zu sein. Der Weg dorthin war aber gar nicht so einfach: „Ich musste einige Castings in Wien, Bochum, Hamburg und London durchlaufen“, erzählt sie. „Es hat sich gelohnt, ich wurde genommen. Ein Hammergefühl und ein echter Adrenalin-Kick! Ich musste erst mal alle anrufen und jedem davon erzählen!“

Nach der Zusage folgte dann das harte Training, denn Rollschuhlaufen konnte Veronika bis dato noch nicht. „Ich konnte aber schon Eislaufen und Inline-Skates fahren. Trotzdem war es am Anfang echt schwer, aber man darf nicht darüber nachdenken, sondern muss es einfach machen. Man muss sich dabei aber darauf vorbereiten, zu fallen. Mit der Zeit wird es einfacher.“ Nicht nur durch die Proben und das lange Training, auch durch die täglichen Shows wird Veronika immer besser und sicherer.

Sie verrät mir, dass die Darsteller des Musicals teilweise bis zu 60 km/h fahren: Höchstleistung für den Körper. Die Darsteller verlieren innerhalb einer Show bis zu drei Liter Schweiß. Auch hinter der Bühne geht es rasant und hektisch zu. Denn der schnelle Kleiderwechsel passiert innerhalb von nur zwanzig Sekunden. Vor allem das An- und Ausziehen der Rollschuhe ist unter Zeitdruck gar nicht so einfach. Deshalb stehen hinter der Bühne auch immer Becher mit Wasser – um wieder Kraft aufzutanken.

Dieses Jahr, zum 30. Jubiläum von Starlight Express, haben sich Andrew Lloyd Webber – der Macher und Komponist der Show – und sein ursprüngliches Kreativteam von 1988 zusammengesetzt, um das Musical zu modernisieren. Dabei war es ihm sehr wichtig, die Rolle der Frau zu stärken. „Das Musical war einfach nicht mehr modern und zeitgemäß. Alle Kostüme und das Bühnenbild wurden umgestaltet, neben veränderten Texten einiger Lieder gibt es auch einige ganz neue Songs mit neuer Musik und neuen Texten. Sound, Licht und Technik wurden ebenfalls modifiziert – in einer ganz bestimmten Szene fliegen jetzt sogar 29 Drohnen in unserer Show“, erzählt Christina Schulz. Und das passierte größtenteils innerhalb von nur drei Wochen. „Das war das erste Mal in dreißig Jahren, dass für Umbau und Proben drei Wochen lang keine Vorstellungen stattfanden.“

Die Show nimmt feminine Züge an

Seit der großen Pause gehen also erstmals weibliche Lokomotiven ins Rennen. Die alte Dampflok zum Beispiel wird von der „Papa“-Rolle durch die „Mama“-Rolle ersetzt. Durch sie erkennt Rusty, worauf es im Leben ankommt, nämlich an sich selbst zu glauben.

Christina Schulz führt mich nun in verschiedene Räume, unter anderem in den Musikraum, in dem die siebenköpfige Band während der Show live spielt, entlang an vielen Kleiderstangen, an denen die Kostüme der Musicaldarsteller hängen. Wahnsinn, wie viele es sind! „Die schwersten Kostüme wiegen um die 20 Kilo. Das sind vor allem die Kostüme der Männer“, schildert sie. Die Darsteller schminken sich hinter der Bühne selbst. Veronika Hammer braucht dafür ungefähr 20 bis 25 Minuten, wie sie mir erzählt. Vor jeder Show werden Rollschuhe und Technik kontrolliert. Alles muss richtig sitzen und gut funktionieren.

Ich schaue auf die Uhr. Noch eine gute Stunde bis die abendliche Starlight-Express-Show beginnt. Davor geht es jetzt noch zum Warm-up. Alle Darsteller, die an diesem Abend auftreten, machen sich auf ihren Rollschuhen warm. Heißt: Rampen rauf und wieder runter. Alle drehen sich im Kreis und üben Sprünge. Unglaublich, was die alles so draufhaben, ich bin beeindruckt.

Ihr Trainer unterstützt sie dabei und gibt Anweisungen – auf Englisch. Denn bis auf Veronika kann hier keiner Deutsch. „Englisch zu sprechen fiel mir sowieso nicht schwer, jedoch war es am Anfang etwas holperig, den Humor zu verstehen oder ihn richtig zu formulieren. Aber jetzt klappt alles super“, lacht sie.

Nach dem Warm-up und der Backstage-Führung verabschiede ich mich von Christina Schulz und Veronika Hammer. Um halb sieben sitze ich auf den Zuschauerplätzen und bin gespannt, wie die neue Show wohl sein wird. Eins kann ich euch versprechen: Nicht nur hinter der Bühne beeindruckt Starlight-Express.
Starlight Express
Stadionring 24
44791 Bochum
Diverse Spielzeiten
Karten gibt es im RZ- und SZ-Ticketcenter oder unter der Ticket-Hotline Tel. 0209 / 14 77 999.
www.starlight-express.de

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