Hertener Allgemeine Medienhaus Bauer

Interview: Kollegah möchte ein Vorbild sein

Kim Alexander Zickenheiner 15. Dezember 2016 10:19

  • Teaserbild

    Harte Schale, weicher Kern? Kollegah ist im Interview ganz handzahm.

Rap Nicht, dass Kollegah komplett auf sein Markenzeichen verzichten würde: rasend schnellen, technisch komplexen Gangster-Rap mit Augenzwinkern. Mittlerweile will er aber nicht nur „Imperator“, sondern auch Vorbild sein.

Mit versierter Raptechnik und düsteren Zeilen über Drogen und Gewalt wurde Rapper Kollegah bekannt – aber mittlerweile will er seinen jugendlichen Fans etwas Positives mit auf den Weg geben. Motivation für persönliche Entwicklung nimmt einen immer größeren Teil seiner Texte ein, wie Kollegah (32) im Interview sagt – so auch auf seinem neuen Album „Imperator“, auf dem die Gangster-Themen trotzdem nicht zu kurz kommen. Der Wahl-Rheinländer berichtet für Scenario über die Trennung zwischen Figur Kollegah und Person Felix Blume, die Schattenseiten des Ruhms und Pläne für die Zukunft.

Scenario: Was unterscheidet „Imperator“ von früheren Alben?
Kollegah: „Imperator“ ist auf jeden Fall das persönlichste und musikalischste Album meiner Diskographie. Man kriegt mehr geboten als den üblichen Battle- und Punchline-Rap, mit dem ich groß geworden bin. Ich habe versucht, eine künstlerische Entwicklung zu machen, indem ich mehr darüber erzähle, wie der Mensch hinter Kollegah tickt. Dieser Schritt ist mir, glaube ich, ganz gut gelungen. Gerade als Rapper ist das ein bisschen riskant, weil manche Fans jedes Jahr den selben Brei neu aufgekocht haben wollen. Wenn man es aber schafft, seinen alten Stil beizubehalten, aber auch eine Weiterentwicklung zu machen, dann ist das schon eine sehr geile Sache.

Die Linie zwischen Figur und Person

Scenario: Wo ziehst Du dann noch die Linie zwischen der Figur Kollegah und Deiner Person?
Kollegah
: Ich glaube, die Linie muss man gar nicht so deutlich ziehen. Die Leute verstehen das schon. Es gibt auf dem Album klare Angebersongs, die machen Spaß und bieten Unterhaltung, weil da in meiner üblich charmanten Art vorgetragen wird, was ich für einen luxuriösen Fuhrpark habe, und das wird dann mit Wortspielen und einer gewissen Arroganz zum Entertainment-Programm gemacht. Aber dann gibt es auch die persönlichen Songs, die thematisch anders sind. Man checkt das schon.

Scenario: Oft geht es um die Schattenseiten der Bekanntheit. Ist es so schlimm, erfolgreich und berühmt zu sein?
Kollegah
: Absolut nicht, und genau das wollte ich ja auch vermitteln. Das sind wirklich keine wehleidigen Selbstmitleidsongs. Die Pointe, die Quintessenz ist immer sehr positiv. Es heißt nicht: Mir geht es so schlecht und ich weiß nicht, wohin mit den Millionen – sondern es werden realistisch und authentisch die Schattenseiten, die es nun mal eben gibt, auch beschrieben.

Körper und Geist trainieren

Scenario: Es wirkt so, als würdest Du in vielen Songs mittlerweile auch den Zuhörer zur persönlichen Entwicklung motivieren wollen.
Kollegah:
Definitiv. Das ist mein Naturell und der Schlüssel zu meinem Erfolg: sich niemals unterkriegen zu lassen, seinen Körper und Geist zu trainieren, immer einen Schritt vorwärts zu gehen, sich neue Ziele zu setzen und beim Umsetzen geduldig zu sein. Solche Grundwerte versuche ich in meine Musik immer mehr einfließen zu lassen, um eventuell auch einen positiven Einfluss auf die jugendliche Zuhörerschaft auszuüben. Es wird viel darüber gerappt, wie man Joints dreht und Flaschen im Club leert, und ich finde es nicht schlecht, wenn ich den Leuten ein bisschen mehr mitgebe für ein sauberes und erfolgreiches Leben.

Scenario: Wie grenzt Du das von Deinen Gangster-Songs voll von Gewalt, Drogen und Aggression ab?
Kollegah:
Das ist Unterhaltung. Mein letztes Album „Zuhältertape 4“ ist im Grunde von Anfang bis Ende wie ein Actionfilm, und als solchen muss man es auch betrachten. Man taucht in eine fiktive Welt ab, und „Imperator“ ist ein krasser Gegensatz dazu.

Scenario: Geht das nun auch so weiter?
Kollegah:
Ich denke schon. Ich habe als Mensch viel erlebt, allein in den elf Jahren Musikindustrie, und ich habe noch viel, worüber ich rappen kann, was man von mir noch nicht gehört hat.

Scenario: Promotion machst Du fast nur online. Warum?
Kollegah:
Ich habe Social-Media-Kanäle, die haben Millionen von Followern, und ich habe dadurch den Vorteil, dass ich gar nicht angewiesen bin etwa auf große teure Plakatwerbung – obwohl ich das manchmal auch mache. Die Promo lebt aber davon, dass die Leute mich als Menschen, als Figur erleben und auch feiern und eine Bindung zu mir entwickelt haben – also brauche ich nicht den Radiohit und die TV-Auftritte, ich bin abseits der Mainstream-Medien erfolgreich in meinem eigenen Kosmos.


 

Teilen