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Interview mit Bastian Bielendorfer: Die vielen Gesichter des Lehrerkindes

Ellen Jost 12. September 2018 09:36

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    Das ist Bastian Bielendorfer...

Dass das Leben nicht einfach ist, wenn man in Gelsenkirchen als Kind zweier Lehrer aufwächst und nun die Herausforderungen des Alltags als Mitdreißiger warten, ist klar. So geht’s auch Bastian Bielendorfer. Der Comedian, Autor und Diplom-Psychologe schaut in seinem Programm „Das Leben ist kein Pausenhof!“ schmunzelnd zurück und erzählt, wie er den Ernst des Lebens auch ohne Pausenstulle meistert. Am 4. Oktober tritt er im Theater Marl auf. Vorab fragten wir das Lehrerkind, ob es vor seinen Auftritten nervös ist und ob wir im Ruhrpott Humor haben.

Scenario: Wenn das Leben kein Pausenhof ist, was ist es dann?
Bastian Bielendorfer:
Eine Aneinanderreihung von Rätseln und Herausforderungen, die man hoffentlich irgendwie überwindet. Eine ziemlich ernste Antwort, aber ja, eigentlich ist das das Leben.

Scenario: Deine Show in Marl wird aufgezeichnet. Steigt da die Nervosität, ähnlich wie bei der Abi-Prüfung?
Bastian Bielendorfer: Ich war eigentlich noch nie aufgeregt. Ich bin Westfale, hatte in Köln letztens einen Auftritt vor 15.000 Leuten, selbst da war ich nicht nervös. Ich sehe meinen Job ein Stück weit als Segen an, weil das schon toll ist, so etwas machen zu dürfen. Bisher hatte ich auch immer Glück, dass mir der ganz schlimme Auftritt erspart geblieben ist. Ich habe zwar schon sehr skurrile Sachen erlebt, aber dieses „Ich sterbe hier gerade“ ist noch nicht wirklich passiert. Deswegen habe ich auch immer die Zuversicht, dass es doch irgendwie klappt. Und jetzt bei der Aufzeichnung in Marl, da ist meine Heimat. Marl ist direkt neben Gelsenkirchen, da kommen die Leute, die von Anfang an dabei sind, die, wenn man so sagen möchte, Hardcore-Fans. Das wird, glaube ich, gar nicht schlimm, sondern einfach ein sehr schöner Abend.

Scenario: Du bist gebürtig aus Gelsenkirchen. Mit Deinem neuen Programm "Lustig, aber wahr!" trittst Du ab November unter anderem auch in Dortmund, der "verbotenen Stadt", auf. Besteht da nun ein Dilemma für Dich wegen der ewigen Rivalität zwischen Schalke 04 und dem BVB?
Bastian Bielendorfer:
Ich bin sogar mit einer Dortmunderin verheiratet (lacht). Ich bin also so etwas wie die gelebte Ökumene. Wenn man aus Gelsenkirchen kommt, hat man nur zwei Möglichkeiten. Entweder man ist Hardcore-Schalkefan oder man ist halt gar kein Fussballfan.

„Die Schüler haben immer mehr Druck“

Scenario: Wenn Du einen Wunsch frei hättest, für was würdest Du Dich entscheiden? 1) Eine Schule in Gelsenkirchen, die nach Dir benannt wird. 2) Ein Schulfach namens Lachen, das auf die Lehrpläne in NRW geschrieben wird. 3) Ein gesundes Pausenfrühstück für alle Schüler, kostenfrei jeden Tag.
Bastian Bielendorfer: Zweitens – das Schulfach Lachen. Gesundes Pausenfrühstück ist jetzt auch nicht schlecht. Ich bin nicht Narzisst genug, als dass ich irgendein Denkmal nach mir benennen muss. Das würde ich definitiv nicht wollen. Also, wenn Gelsenkirchen sich jetzt bereit erklärt, Schulen nach mir zu benennen, lache ich mich kaputt. Aber ich glaube, Lachen kann definitiv nicht schaden. Das kommt in der Schulzeit viel zu kurz. Die Schüler haben immer mehr Druck. Mir wurde vor 20 Jahren schon vermittelt, dass, wenn du diese Klausur nicht schaffst oder vier Vieren auf dem Abi-Zeugnis hast, musst du dich erst gar nicht bei einer Uni bewerben. Es wird den Schülern ganz früh vermittelt, dass man vor allem Angst haben muss und die Zukunft jetzt schon geschrieben wird, während sie irgendwelche beknackten Klausuren in der siebten Klasse schreiben. Das ist einfach nicht wahr. Ich habe es geschafft, mit einem 2,3-Abitur Psychologie zu studieren. Alles ist möglich und ich glaube, das Lachen definitiv etwas Sinnvolles auf dem Stundenplan wäre. Vielleicht bräuchte man auch Lehrer mit mehr Humor.

Scenario: Lachen die Leute im Ruhrgebiet über andere Witze in Deinem Programm als anderswo?
Bastian Bielendorfer:
Sie haben keinen anderen Humor, aber einen deftigen. Eigentlich trete ich auch immer noch am liebsten zu Hause auf, im Ruhrgebiet, weil das hier schon eine andere Art von Humor ist. Du kannst auf jeden Fall die Schraube in Gelsenkirchen, Dortmund oder Bochum 20 % weiterdrehen als woanders. Wo Leute sich in Bayern schon die Hand vor den Mund halten vor Beschämung, da brüllen die in Dortmund eher noch: „Leg noch einen drauf!“

Scenario: Dein neues Programm trägt den Titel „Lustig, aber wahr!“. Gab es in Deinem Leben auch Momente, die dem Sprichwort „Traurig, aber wahr!“ nahekommen?
Bastian Bielendorfer:
Klar, natürlich. Ich habe den Titel hauptsächlich so gewählt, weil „Traurig, aber wahr!“, eine Redewendung ist, die im Deutschen immer benutzt wird und „Lustig, aber wahr!“ nicht existiert.
Das hat ein bisschen etwas mit unserer Veranlagung zu tun. Alle Sprichwörter sind immer negativ gepolt.
Eigentlich sollte man versuchen das Positive im Leben zu sehen. Aber ja, es sind jede Menge traurige Dinge in meinem Leben passiert. Ein paar Dinge, die privat sind. Aber zum Beispiel der Subtext meiner Geschichte, fettes, unbeliebtes Lehrerkind, das ist nicht gefaked. Wenn ich von mir ein paar alte Fotos aus der Schulzeit poste, in einem XXL-Pullover und Gummistiefeln, in der hintersten Reihe sitze, dann ist das nicht übertrieben, dass ich Mobbing erlebt habe. Ich kann halt drüber lachen und ich habe es geschafft, das in etwas Positives umzumünzen. 
Ich werde auch ganz oft von Zuschauern gefragt, wie man bei ihren eigenen Kindern mit Mobbing umgeht, da gibt es überhaupt keinen Kardinalsweg. Es gibt trotzdem zwei Sachen, die ich dazu immer sage. Das Leben mischt die Karten immer neu und wenn man zum Beispiel auf der nächsten Schule ist, die Karten immer neu gegeben werden und man in einem neuen Umfeld vielleicht ganz anders wahrgenommen wird. 
Ich war im Studium plötzlich gar kein Loser mehr.

Scenario: Wenn Du dem neuen Programm eine Note geben müssten, welche wäre das?
Bastian Bielendorfer:
Das ist hart. Ich habe das neue Programm ja noch nicht gespielt. Im Moment würde ich sagen, eine Zwei mit der Tendenz zu einer Eins. Aber man will ja nicht größenwahnsinnig werden. 

Wir verlosen für Bastian Bielendorfers Show "Das Leben ist kein Pausenhof!" am 4. Oktober im Theater in Marl 3 x 2 Karten. Ruft dazu an unter: Tel. 0137 / 80 84 00 343
Zuerst nennt Ihr das Stichwort „Pausenhof“, dann nach der Aufforderung Namen, Adresse, Telefonnummer und Mail-Adresse. Ein Anruf kostet 0,50 Euro aus dem dt. Festnetz. Aktionsende ist 17. September, 23.59 Uhr. Die Gewinner werden benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Teilnahme begründet keinen rechtlich verbindlichen Anspruch und keinen Schadensersatzanspruch für den Fall, dass die Veranstaltung abgesagt oder verlegt wird. Eure Daten werden nach Ziehung der Gewinner gelöscht. Info auf www.medienhaus-bauer.de/gewinnspiele.
Bastian Bielendorfer könnt Ihr mit seiner Show „Das Leben ist kein Pausenhof!“ am 4. Oktober um 20 Uhr in Marl erleben. Karten gibt es – soweit verfügbar – im RZ- und SZ-Ticketcenter oder unter der Ticket-Hotline Tel. 0209 / 14 77 999.

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