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Interview mit Ed Sheeran: Lockerheit im Pop-Zirkus

Jenny Tobien, dpa 03. März 2017 07:50

Ed Sheeran ist der angesagte Sänger dieser Zeit. Im Interview spricht der Brite über seine neue Musik, seine alte Heimat und den Brexit. Zudem berichtet er von den Geheimnissen seines Erfolges, den Nachteilen des Ruhms und den Vorteilen des Lebens ohne Smartphone.

Ed Sheeran wirkt natürlich, lustig und unkompliziert. Allüren eines Superstars? Fehlanzeige! Dabei ist der rothaarige Brite längst ganz oben im Pop-Zirkus angekommen!
Schon vor der Veröffentlichung seines dritten Albums „Divide“ brach der 26-Jährige mit seiner neuen Musik Rekorde. Im Interview spricht er über seine neuen Songs, seine einjährige Auszeit und die Vorteile eines Lebens ohne Social Media.

Scenario: Du hast eine Auszeit genommen und bist unter anderem mit Deiner Freundin um die Welt gereist. Was hat Dich dabei am meisten beeindruckt?
Ed: Das Beste daran war, dass wir die Länder intensiv bereist haben. Ich hatte mich immer über Amerikaner geärgert, die nach England gekommen sind und gesagt haben: «London ist großartig!». Dabei gibt es so viel mehr in England, als London. Du kannst nicht nur dorthin fahren und glauben, du hast das Land gesehen. Dann habe ich mich dabei ertappt, dass ich genauso über Japan gesprochen habe. Dabei war ich nur in Tokio und Osaka. Also habe ich mir jetzt Länder genauer angeschaut, ob Japan, Island, Ghana, Liberia, Australien, Neuseeland oder Fidschi.

Scenario: Konntest Du denn in Ruhe reisen? Gibt es noch Länder, in denen Du nicht erkannt wurdest?
Ed: Ja, Japan. Ich wurde häufig in Tokio erkannt, aber nicht im Norden. In Australien und Neuseeland war es schwierig, da ich dort große Erfolge hatte. In Ghana war es nochmal anders, weil ich dort mit sehr bekannten Künstlern zusammengelebt habe. Wann immer wir gemeinsam unterwegs waren, sind die Leute durchgedreht - aber wegen ihnen und weniger wegen mir.

"Ich bin durch mit Telefonen"

Scenario: Du hast auch eine Auszeit von Social Media, wie Facebook und Instagram, genommen. Wie wichtig war das, auch für Deine persönliche Entwicklung?
Ed: Das war gut. Nicht die ganze Zeit an einem Smartphone zu hängen, macht Dein Leben besser. Ich habe immer noch kein Telefon. Ich habe mich entschieden: Ich bin durch mit Telefonen.

Scenario: Wirklich, nicht einmal ein altes Handy?
Ed: Ah ja, doch, ich habe ein Nokia. Aber das habe ich auch seit einer Woche nicht mehr aufgeladen. Ich lade es auf, wenn ich jemanden anrufen muss. Ich bin da wie meine Mutter, die benutzt auch nie ein Handy.

Scenario: Dein Hit «Castle on the Hill» ist eine Hommage an Deine Jugend in Suffolk. Wie wichtig ist Deine Heimat für Dich, und ist es an der Zeit, sich dort niederzulassen und eine Familie zu gründen?

Ed: Meine Heimat ist sehr wichtig. Ich habe mir dort ein Haus gekauft, ich lebe dort. Dort sind all meine Freunde und meine Familie. Meine Freundin kommt von dort. Es ist das zentrale Drehkreuz in meinem Leben. Und klar, es ist definitiv ein Platz, wo ich mir das (Niederlassen) vorstellen kann. Aber es besteht keine Eile. Ich werde mit diesem Album erstmal die nächsten drei Jahre auf Tour sein.

Scenario:  „Eraser“, der erste Song auf dem Album, handelt auch von den negativen Auswirkungen des Ruhms. Hast Du Dich durch Deinen Erfolg verändert?
Ed: Ich habe mich nur geändert, weil jeder um mich herum sich geändert hat. Ich habe mich kein bisschen geändert, bis die Leute um mich herum komisch wurden. Und dann bin ich paranoid geworden.

Ruhm halbiert den Freundeskreis

Scenario: Du meinst, dass Deine Freunde komisch wurden?
Ed: Das sind nicht meine Freunde, das ist der Punkt. Es ist verrückt. Du glaubst, Ruhm oder Erfolg bringt Dir mehr Freunde, aber tatsächlich halbiert er Deinen Freundeskreis - oder sogar mehr als das.

Scenario: Was war der deprimierendste und was der glamouröseste Moment Deiner Karriere?
Ed: Die deprimierenden Momente waren am Anfang. Wenn niemand zu meiner Show kam und ich die letzte Bahn nach Hause verpasst habe. Wenn ich mehr für das Zugticket bezahlt habe, als ich im Endeffekt für meinen Auftritt bekommen habe. Und der Glamouröseste? Hm, auf die Bühne zu treten im Wembley-Stadion vor 80 000 Menschen, das war schon verdammt abgefahren. Das ist ein gutes Gefühl.

Scenario: Du hast das Londoner Wembley-Stadion dreimal hintereinander ausverkauft, mit Deinen neuen Singles mehrere Rekorde gebrochen. Gibt es ein nächstes Ziel, das Du anstrebst?
Ed: Ich denke, wenn Du ein gewisses Level erreicht hast, geht es darum, dort zu bleiben. Darin liegt die Schwierigkeit. Du kannst dich nicht immer auf das Glück oder auf Zufälle verlassen. Wenn du es schaffst, dich dauerhaft auf einem gewissen Level zu halten - dann bedeutet das, dass Du da wirklich hingehörst.

Scenario: Was, glaubst Du,  ist das Geheimnis Deines Erfolgs?
Ed: Der Schlüssel zum Erfolg liegt meiner Meinung nach nicht in der Absicht, den Leuten zu gefallen. Mach es für dich. Mach dich selbst glücklich. Und wenn das, was Du tust, dich glücklich macht - dann arbeite noch härter.

Scenario: Wo warst Du eigentlich während der Brexit-Entscheidung? Auch auf Reisen?
Ed: Nein, ich bin tatsächlich nach Hause gefahren, um zu wählen.

Scenario: Und was war Deine Reaktion, wie beurteilst Du das Ergebnis?
Ed: Ich finde es wirklich nicht gut, wenn Musiker politisch Stellung beziehen. Was ich dazu sage ist, dass alle vereint sein sollen und sich lieben sollen. Wenn man eine trennende Mauer errichtet, dann beginnen die Probleme. Für mich gibt es keine unterschiedlichen Rassen oder Kulturen oder Religionen. Es gibt einfach zwei Sorten von Menschen: gute und schlechte.
 

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