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Interview mit Max Mutzke: „Ich mache Musik, aber ich höre so gut wie keine“

Kathi Lenger 10. Oktober 2018 15:27

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    Adrett mit Hut und geölter Stimme – Max Mutzke.

Mit analogen Instrumente und wochenlanger Detailarbeit hat Max Mutzke gerade sein neues Album rausgebracht: „Colors“ – auf Deutsch „Farben“. Inspiriert von legendären Hip-Hop-Nummern von Superstars wie Seed, Grandmaster, Flash oder Mary J. Blige hat er gemeinsam mit seinen Mitmusikern bunte Soul-Hymnen erschaffen. Ganz nach dem Motto: Back to Soul. Auf was sich die Zuhörer freuen dürfen, in welchem Tonstudio die Songs aufgenommen wurden und was Max Mutzke neben der Musik gerne macht, erzählt er uns im exklusiven Scenario-Interview.

Scenario: Auf was dürfen sich die Zuhörer Deines neuen Albums „Colors“ freuen?
Max Mutzke:
„Colors“ ist zeitlich und in punkto Detailverliebtheit mit Abstand das aufwendigste Album bisher – wir waren ein ganzes Jahr lang im Studio. Es ist ja meistens so, wenn man ein Album rausbringt, dass man es für das Schönste von allen hält – aber dieses Album übertrifft wirklich alles. Wir wollten den Spieß umdrehen und haben die Tracks von großartigen Hip-Hop-Künstlern genommen und uns davon inspirieren lassen, weil wir Soulmusiker sind. Ganz nach dem Motto: Back to Soul!

Scenario: Du hast die Songs gemeinsam mit mono. Punk im „Granny’s House“, einem etwas anderen Tonstudio in Rissen bei Hamburg, aufgenommen – wie kamst Du auf diese verrückte Idee?
Max:
Granny’s House ist ein Tonstudio, das sich ein Typ erstmals als Proberaum aufgebaut hat. Ich kam bei einem Videodreh der Herbert-Grönemeyer-Stiftung zum ersten Mal in das Studio – und dachte einfach nur: Das ist doch kein Tonstudio, das ist doch ein richtiges Haus! Im Wohnzimmer, im Schlafzimmer, in der Küche, überall gibt es die Verlinkungen/Verkabelungen zum Regieraum. Das ganze Haus ist im 50er-Jahre Stil eingerichtet. Ein ganzes Jahr lang haben wir darin gelebt, geprobt und das Album aufgenommen. Ich habe jeden Tag frisch gekocht, den ganzen Haushalt geschmissen, alles an Essen und Trinken eingekauft … Wir haben uns frischen Kaffee gemahlen, wie man es in dieser Zeit gemacht hat, wir haben uns frische Blumen hingestellt und Kerzen angezündet. Das Umfeld und die Atmosphäre waren uns extrem wichtig. Für uns alle war das ein ganz neuer und intensiver Lebensabschnitt.

Scenario: Auf dem Album gibt es sowohl englische als auch deutsche Lieder – warum der Mix aus beidem?
Max:
Das ist schon immer so bei mir. Es gibt nur ein Album, das ich ausschließlich auf Englisch gemacht habe. Der Mix kommt daher, dass ich nur mit englischer Musik aufgewachsen bin. Meine Eltern haben kein Radio gehört, sondern nur Platten, Kassetten und CD’s – alles auf Englisch. Ich durfte mit meinem Papa zusammen auf englischsprachige Konzerte gehen, er war selbst leidenschaftlicher Hobbymusiker. So habe ich mir das Englische angeeignet. Ich bin natürlich kein Profi, – und ich denke, träume, spreche in Deutsch. Deshalb ist für mich auch die deutsche Sprache ganz wichtig. Wenn ich schreibe, schreibe ich natürlich auch lieber auf Deutsch, weil ich mich da eben viel besser ausdrücken kann. Man klingt aber auch mit Deutsch oder Englisch ganz unterschiedlich – und das mag ich persönlich gern.

Scenario: Welche Bedeutung hat der Name des Albums für Dich?
Max:
Ich hatte erst überlegt, ob ich es „Colors“ oder „Colored“ nenne, weil ich dachte das „Colored“ bunt heißt. Aber das Wort bedeutet in Amerika vor allem afroamerikanisch zu sein – und dann haben wir natürlich gecheckt, dass wir das nicht so machen können. Denn wenn ein Weißer im weißen Anzug ein Soulalbum macht aus schwarzem Hip Hop, aber sich dann „Colored“ nennt, ist das nicht nur arrogant und überheblich, sondern ganz klar rassistisch. Deshalb trägt das Album den Titel„Colors“ – also „Farben“.

Farben haben in der Musik eine ganz große Bedeutung. Es gibt unterschiedliche Klangfarben, die wir im Album vereinen, dann natürlich auch meine Stimme, die sich bei jedem Track immer anders anhört. Farben haben außerdem ein großes politisches Thema: Toleranz, Akzeptanz, Vielfalt, bunte Gesellschaft – wir spielen mit so vielen Menschen auf der Bühne, die nicht aus Deutschland kommen, die kein Deutsch sprechen. Und wir machen das, weil wir das machen wollen. Darauf sind wir auch sehr stolz: in einem Land zu leben, wo die unterschiedlichsten Menschen aufeinandertreffen und wir dadurch das Leben bunter machen können.

Scenario: Hörst Du Soul und Jazz auch gerne privat oder welche Musikrichtung bevorzugst Du persönlich?
Max:
Es ist tatsächlich R’n’B, Soul und Jazz, aber ich bin – und das muss ich ehrlich zugeben – kein Konsument. Ich mache Musik und ich spiele Musik, aber ich höre so gut wie keine Musik. Viele denken ja, man ist tagtäglich nur mit Musik beschäftigt, viele meiner Bekannten ziehen auch nach Berlin, Hamburg, München, um genau am Hotspot zu sein. Aber ich lebe im Schwarzwald und wenn ich Zuhause bin, mache ich nichts, was mit Musik zu tun hat. Dann schraube ich rum, baue Schränke, schweiße Garagentore und bin dann wie ein Papa auf Urlaub zuhause. Und wenn ich unterwegs bin, mach ich nichts anderes als Musik, Interviews führen und Videodrehs. Ich trenne das total – für die Leute klingt das suspekt, aber ich glaube all’ die Leistungen, die ich auf der Bühne bringe – das sind 80 bis 100 Konzerte im Jahr – schaffe ich nur, weil ich es trenne.

Scenario: Hast Du neben der Musik noch eine weitere Leidenschaft?
Max:
Ja, total. Handwerken ist eine große Leidenschaft von mir. Egal ob Schweißen, Holz hacken, Rasen mähen. Zurzeit bauen wir gerade einen neuen Zaun um das Haus herum – das mache ich alles selber.
Außerdem fahre ich super gerne Motorrad und Rennrad oder gemeinsam mit Freunden mit der alten Vespa. Das macht total Spaß.

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