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Interview mit OK Kid: Songs gegen die Verdrängungskultur

Olaf Neumann 09. Januar 2019 11:30

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    Scenario sprach mit dem Sänger von OK Kid, Jonas Schubert. Bald kommt die Band auf Tour und macht auch Halt in Münster und Dortmund.

Das Trio OK Kid aus Gießen und Köln gilt als ganz eigene Stimme im deutschsprachigen Pop. Jonas Schubert, Raffael Kühle und Moritz Rech verknüpfen altbewährte Klänge mit neuen Ideen, indem sie die Grenzen zwischen Hip-Hop, Indierock und Schlager ausloten. Die Musik auf dem aktuellen Album „Sensation“ spielt im Takt des gesellschaftlichen und politischen Zeitgeschehens und mit den Mitteln der Zuspitzung und Übertreibung. Die Songs drehen sich um den Rechtsruck, haltungslose Musik und die Frage, was es für eine Gesellschaft bedeutet, wenn sie nur noch von dem Wunsch nach Sensationen getrieben ist. Wir sprachen mit dem Sänger Jonas Schubert und fragten nach dem Wert der Musik…

Scenario: „Lügenhits“ prangert die Musik in Deutschland an. Was läuft falsch mit dem hiesigen Schlager und Pop?
Jonas Schubert:
Das ist vorrangig ein Spaßsong, der mit Zitaten herumjongliert. Man darf ihn nicht falsch verstehen als ein Großreinemachen mit der deutschen Musik. Der Text umfasst genrefremde Leute wie Pe Werner und Helene Fischer, aber genauso Die Ärzte, Marteria und uns. Wir schwingen absichtlich die Pauschalkeule und verwursten den Populismus mit, gegen den wir selbst oft wettern. „Lügenhits“ und „Wir sind die Fans“ sind Analogien zu Pegida. Der Song versucht herauszufinden, was passieren würde, wenn man den Jargon und die Prinzipien der Wutbürger auf Musiker münzen würde. Im dazugehörigen Video gehen Wutfans auf uns los, weil sie glauben, dass wir nicht mehr Musik vom Volk fürs Volk machen. Wir wollen damit aber nicht die Musikbranche verurteilen, das hat Jan Böhmermann schon zur Genüge getan. Der Song soll eher allen Spaß machen und kommt mit einem Augenzwinkern daher.

Scenario: Was findest Du an deutschem Mainstreampop schwierig?
Jonas:
Deutsche Popmusik kommt nicht selten einer Verdrängungskultur gleich. Die meisten Leute haben keine Lust, sich inhaltlich groß mit Musik auseinanderzusetzen. Sie dient dann doch in erster Linie zur Unterhaltung oder als Beiwerk zum Bügeln. Sie tut nicht weh und soll einfach so durchrauschen. Aber dann ist es halt so. Man muss nicht immer auf die Abgründe des Lebens aufmerksam gemacht werden, wenn man Musik hört. Wir als Band sind aber für etwas anderes angetreten. Wer OK Kid hört, sollte sich zumindest die Zeit nehmen, zwei- oder dreimal hinzuhören, damit man ansatzweise versteht, was wir wollen.

Scenario: Findest Du es schade, dass die meisten Leute nicht auf die Texte hören, wo doch heute so viel in der Muttersprache gesungen wird?
Jonas:
Es ist eine verpasste Chance, weil man ja eigentlich hinhört. Bei englischer Musik kannst du viel mehr weghören. Deutsche Musik hat mich nie geprägt – außer vielleicht früher Hip-Hop. Es gibt für mich keine deutschen Idole, bei denen ich sprachlich etwas gelernt habe. Der moderne deutschsprachige Trap-Rap schafft es sogar, komplett auf Inhalte zu verzichten und einfach nur den Vibe sprechen zu lassen. Das Gefühl ist da der absolute Mittelpunkt.

Scenario: Gibt es wirklich keine Lieder anderer Künstler, die Du selbst gern geschrieben hättest?
Jonas:
Aus finanzieller oder aus inhaltlicher Sicht? (lacht) Natürlich gibt es deutschsprachige Lieder, die für mich in der Vergangenheit wichtig waren. Ich hatte deutsche Musik zwar nie als Vorbild, aber ich konnte nie anders texten als auf Deutsch.

Scenario: Schlager macht es dem Hörer leicht. Wollt Ihr es ihm bewusst schwer machen?
Jonas:
Beides. „Sensation“ ist unser bisher poppigstes Album mit sehr leichten Arrangements. Ein Song wie das Titelstück funktioniert aber nur über eine Metaebene. Er kann ein Köder sein, damit die Leute auf uns aufmerksam werden und tiefer einsteigen. Wenn man sich weiter damit auseinandersetzt, wird man viele Subebenen entdecken. Nicht nur unsere Texte, auch die Musik hat eine gewisse Ironie.

Scenario: Ihr geht bald auf Tour. Wird die neue Show dem Albumtitel „Sensation“ gerecht?
Jonas:
Wir hoffen es. Es ist auf jeden Fall unsere bisher größte, was die Zuschauerzahl angeht. Wir planen gerade sehr viel und nehmen mehr Licht und mehr Leute mit.

OK Kid gehen auf „Lügenhits und Happy Endings“-Tour und treten auch in unserer Nähe auf:
9. März, 20 Uhr, Skaters Palace, Münster
14. März, 20 Uhr, FZW, Dortmund
Karten gibt es – soweit verfügbar – im RZ- und SZ-Ticketcenter oder unter der Ticket-Hotline Tel. 0209 / 14 77 999.

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