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Interview mit Silbermond: "Wir sind die Sandwich-Kinder"

Anna Päseler 28. November 2016 11:11

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    Thomas (v.l.), Stefanie, Johannes und Andreas sind Silbermond und für eine 1Live-Krone für die "Beste Band" nominiert.

Pop Silbermond ist seit Jahren eine Marke, die für deutsche Erfolgsmusik mit Ohrwurmcharakter steht. Auch ihr neues Album „Leichtes Gepäck“ eroberte die Charts und unsere Playlists. Wir haben mit dem Schlagzeuger Andreas Nowak über das Bandleben, die Vorteile von Sandwichkindern und ihre Nominierung zur 1Live-Krone als beste Band gesprochen.

Scenario: „Leichtes Gepäck“, Euer fünftes Album, ist sehr erfolgreich. Nur wenige Bands schaffen es – so wie Ihr –, sich über einen solch langen Zeitraum an der Spitze zu halten. Was ist Euer Geheimnis?
Andreas Nowak: Wir sind eine Band, die sehr früh zusammengekommen ist, da waren wir so 15, 16 Jahre alt. Das ist jetzt schon länger her und da hat man auch schon einige Phasen zusammen durchgemacht, das hat uns gestärkt – und deswegen gibt es uns auch noch so. Und wir machen einfach unsere Musik. Ob den Leuten das nun gefällt, weiß man halt nicht. Du kannst natürlich sagen, okay, auf Kalkül gehen, jetzt mache ich mal einen Popsong und der kommt bestimmt ganz gut an, aber das funktioniert irgendwie nicht. Es ist wichtig, dass du authentisch bleibst, dass du tust, was du magst – auch als Band.

Scenario: Ihr seid in diesem Jahr nominiert für eine 1Live-Krone für die beste Band. Eure Konkurrenten sind alte Hasen des Showgeschäfts, wie zum Beispiel die Beginner oder die Sportfreunde Stiller, aber auch neue, junge Bands, wie die 257ers und AnnenMayKantereit. Wer hat mehr Chancen: Die Jungen oder die Alten im Business?
Andreas: Wir sind ja die Sandwich-Kinder (lacht). Ich glaube, Sandwich-Kinder sind laut Statistik diejenigen, die am erfolgreichsten sind. Also nicht das jüngste und auch nicht das älteste Kind, sondern genau das in der Mitte, diese Kinder sind am stabilsten, weil da die Eltern lockerer sind. Ernsthaft: Ich glaube, die Hip-Hopper sind sehr netzaffin, da wird sehr oft ins Internet geguckt. Ich denke, da haben die Beginner eine Riesenchance. Ich würde es denen gönnen, weil es auch Jungs sind, die schon lange Musik machen. Deswegen würde ich mich über die Beginner als Sieger freuen.

Scenario: Wem würdest Du warum eine Krone verleihen? Ganz egal, in welcher Kategorie?
Andreas: Wir sind große Bosse-Fans. Wir würden aber auch dem aktuellen Clueso-Album „Neuanfang“, und auch der aktuellen Single von Philipp Poisel, „Erkläre mir die Liebe“, eine Krone verleihen. Also zwischen den drei Musikern könnte ich mich nicht entscheiden.

Likes in Form von Preisen und Applaus

Scenario: Was bedeutet Dir mehr: Einen Publikumspreis zu gewinnen und anschließend auf eine ordentliche Aftershow-Sause zu gehen oder ein Konzert zu spielen, zu schwitzen und danach am Merchandise-Stand auf ausrastende Fans zu treffen?
Andreas (lacht): Ein Publikumspreis ist schon sehr schön, weil man weiß, da setzt sich jetzt jemand hin, der vielleicht gerade gestresst von der Arbeit kommt. Vielleicht war auch sein Chef an diesem Tag doof. Und dieser gestresste Mensch geht dann ins Internet und drückt dann ein Like für die Band, die er mag und investiert seine Zeit. Aber es ist genauso schön, ein gutes Konzert zu spielen, weil du diese Likes dann in Form von Applaus bekommst, das darf man auch nie unterschätzen. Eine Live-Situation ist natürlich viel direkter und schöner als ein Internet-Voting. Aber es gehört auch beides irgendwie zusammen. Denn wenn das Radio nicht existieren würde oder solche Preise, dann wüssten die Leute vielleicht auch gar nicht, dass es solche Bands oder Musiker überhaupt gibt. Das eine bedingt das andere.

Scenario: Von Eurem früheren rockigen Sound habt Ihr Euch mit Eurem aktuellen Album abgewandt. Ihr habt auch nun viele nachdenkliche Texte wie in Euren Singles „B96“ und „Das Leichteste der Welt“. Wie kam es zu der Wende? Bringt das Älterwerden einen anderen, kritischeren, ernsten Blick auf eben genau diese Welt mit sich?
Andreas: Das Lustige ist, dass manche sagen, Ihr seid jetzt wieder rockiger. Dabei ist das natürlich subjektiv. Wir waren in Nashville und haben das Album aufgenommen und wir haben als Band auch gemeinsam eingespielt und das machte es ein bisschen organischer. Ich glaube, das macht es in der Hinsicht auch ein bisschen ernster. Man hört eben auch schon eine Band spielen. Klar, man wird älter, aber wir sind jetzt auch nicht ganz so alt, als dass man nicht mehr junge Menschen verstehen würde. Vor der Platte hatten wir eine schwierige Phase, das hat natürlich eine Rolle gespielt und das wirkt sich natürlich direkt auf die Musik aus. Daher ist die Platte in dieser Stimmung, wie sie eben ist.

Scenario: Eure ersten vier Alben sind alle nach dem Schema entstanden, erst die Musik, dann der Text. Wieso habt Ihr bei Eurer letzten Platte den Spieß umgedreht und erst die Texte geschrieben? War das einfacher oder schwieriger?
Andreas: Wir haben sehr auf die Texte geachtet bei dieser Platte. Teilweise hatten wir auch noch gar keine Musik. Bei „B96“ war es sogar so, dass wir einfach mal mit Stefanie über ihre Kindheit gesprochen haben. Und so ist das Lied entstanden. Es sind ein paar Worte in den Raum geworfen worden, die haben wir dann aufgenommen und irgendwann hat Thomas die Gitarre in die Hand genommen und dazu gespielt. Und dann hat sich so das Lied geformt. Das haben wir in der Form noch nie so gemacht. Das war das erste Mal und das war für uns auch gut zu sehen, dass es oft auch andersherum genauso funktioniert. Es ist jetzt aber nicht unbedingt einfacher. Denn manchmal hast du in einem Lied so einen englischen Blabla-Text drauf und musst den dann durch einen deutschen Text ersetzen. Das ist manchmal höllisch schwer, weil das in Englisch von der Aussprache besser funktioniert und dann kommt irgendein hartes deutsches Wort wie „Auto“ oder „Karate“ und dann zerhaut es dir die Melodie, das ist dann schwierig. Texte sind also immer schwierig. Wenn man einen gewissen Anspruch an sich hat und sich nicht wiederholen will, ist das immer schwieriger als die Melodie an sich. Man achtet im Deutschen aber auch auf den Text.

Scenario: Ihr engagiert Euch sehr gegen Rassismus. Warum ist es Euch so wichtig, dass man mit dem Namen Silbermond direkt dieses Engagement verbindet?
Andreas: Das hat eigentlich gar nichts mit Silbermond zu tun, wir haben uns schon gegen Rassismus starkgemacht, als wir noch eine popelige Coverband aus Bautzen waren. Zu der Zeit haben wir Konzerte gegen Rechts gespielt. Unser Grundanliegen war es immer, uns gegen Rassismus zu positionieren. Wenn man in der Öffentlichkeit – so wie wir momentan – steht, kann man manche Menschen, die vielleicht auf dem Scheideweg sind und nicht wissen, was sie jetzt sagen oder denken sollen, abholen, indem wir sagen: „Hey, das ist alles rechtes Gedankengut, das ist schlecht. Lass dich nicht verführen von diesem Populismus!“ Wenn man diese Stimme hat, nutzen wir die natürlich auch entsprechend. Aber wir wollen natürlich auch nicht mit dem Zeigefinger durch die Welt gehen. Das ist auch Quatsch.

Scenario: Ihr geht 2017 wieder auf Tour. Wie können wir uns einen klassischen Silbermond-Tour-Tag vorstellen? Habt Ihr ein bestimmtes Ritual?
Andreas: Wir haben natürlich vor dem Auftritt ein kleines Ritual, was sich aber auch von Saison zu Saison ändert – wir mögen die Abwechslung. Vor dem Konzert machen wir einen Soundcheck, dann haben wir meistens noch ein Meet and Greet mit Fans. Jeder macht anschließend was anderes: Der eine liest dann noch etwas, der andere geht vor dem Auftritt spazieren. Schön ist es an freien Tagen, da hat man etwas mehr Zeit, die jeweilige Stadt zu sehen, denn oft fehlt die Zeit, die Konzertorte richtig zu erkunden.
Silbermond sind für eine 1Live-Krone als beste Band nominiert. Sie freuen sich über Eure Stimme. Also votet für sie auf www.1live.de! Übrigens: Zum ersten Mal wird die Preisverleihung im Fernsehen live übertragen:
1Live-Krone – Der Radio Award
Donnerstag, 1. Dezember, 20.15 bis 21.45 Uhr
WDR

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