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Scenarios Typenlehre: Schüchternheit: Still und leise im Hintergrund

Annika Mittelbach 16. Januar 2017 16:07

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    Lieber ein wenig verstecken und einen unnahbaren Gesichtsausdruck aufsetzen: Fotomodell Tanita lässt sich nur ganz schüchtern fotografieren.

Serie Sie lassen sich nur vermeiden, wenn wir nicht mehr unsere Wohnung verlassen: die Begegnungen mit anderen Menschen. Der Spruch „Jeder Narr ist anders“ gilt nicht nur für die Karnevalszeit. Aus diesem Grund stellen wir Euch in der Serie „Scenarios Typenlehre“ ganz unterschiedliche, menschliche Wesen vor – und geben Tipps, wie Ihr mit ihnen lockerer umgehen könnt. Heute: der Schüchterne.

Manche Menschen stehen unheimlich gerne im Mittelpunkt und sonnen sich in der Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen. Und andere wiederum können das gar nicht leiden und agieren lieber still und leise im Hintergrund. Sie sind schüchtern. Unter Schüchternheit versteht man im Allgemeinen die Angst vorm Knüpfen zwischenmenschlicher Beziehungen. Unvertraute Personen und Situationen lösen bei Schüchternen häufig Furcht oder Unsicherheit aus. Sie malen sich schlimme Dinge aus, die passieren könnten und vermeiden daher möglichst das offene und unbefangene Zugehen auf andere Menschen. Dabei ist Schüchternheit keine psychische Erkrankung wie die soziale Phobie, sondern lediglich ein Ausdruck des Temperamentes eines Menschen. Jeder von uns macht zumindest einmal im Leben eine Phase der Schüchternheit durch, und zwar im Alter von vier bis acht Monaten. Dort „fremdeln“ wir, ziehen uns vor allen breit grinsenden Menschen, die uns in die Wangen kneifen wollen, zurück und verstecken uns hinter Mamas und Papas Beinen. Bei manchen legt sich dieses Gefühl Fremden gegenüber wieder, bei anderen bleibt es bestehen.

Schüchternheit ist eine Eigenschaft, die uns mit unseren Genen mitgeben wird und durch die Erziehung noch verstärkt werden kann.
Die Schüchternheit eines Menschen äußert sich in vier Bereichen:
1. In den Gedanken der Schüchternen dreht sich alles um Sorgen. Sie sorgen sich darum, zu versagen. Andere zu enttäuschen. Nicht gut genug zu sein. Oft verlangen Schüchterne von sich Perfektion. Und das überfordert eigentlich jeden, wenn wir mal ehrlich sind.
2. Die Gefühle der Schüchternen sind oft von Angst und Hemmungen überschattet.
3. In besonders schlimmen Fällen reagieren schüchterne Menschen auch körperlich. Manche werden rot, wenn sie ein Kompliment bekommen. Andere bekommen feuchte Hände oder Herzrasen, wenn sie sich mit für sie unangenehmen Situationen konfrontiert sehen.
4. Als Resultat dieser Beeinträchtigungen im sozialen Leben äußert sich die Schüchternheit letztendlich dann natürlich auch im Verhalten. Die Betroffenen sind darauf bedacht, unangenehme Situationen zu vermeiden, wie beispielsweise solche, bei denen sie sich blamieren können. Sie versuchen unbedingt cool zu sein und wirken dabei leider viel zu oft unnahbar und/oder arrogant.

Weniger Sorgen machen, keine Angst vor Blamage

Doch obwohl Schüchternheit in unseren Genen verankert ist, können wir daran arbeiten. Natürlich heißt das nicht, dass aus dem schüchternsten Menschen unbedingt der Klassenclown für alle wird, der ständig im Mittelpunkt stehen muss, aber ein bisschen was kann man doch ändern. Ein leichter Trick ist zum Beispiel bei dem ständigen Sich-Sorgen-Machen, was passieren könnte und der Angst davor, sich zu blamieren, die Gedanken mal bis zum Ende durchzuspielen. Die Erkenntnis dabei wird sein, dass das alles gar nicht so furchtbar wäre. Und wer sich die Zukunft wirklich pechschwarz ausmalt und hinter jeder Ecke Tod und Verderben erwartet, sollte sich mal mit Wahrscheinlichkeiten und der empirischen Realität auseinandersetzen!

Ein wichtiger Schritt ist auch, das eigene Selbstwertgefühl zu stärken und sich so anzunehmen wie man ist. Schließlich hat jeder seine Schwächen und Stärken. Und wenn dann doch mal was in die Hose geht, kann man doch auch einfach mal über sich lachen. Das ist sowieso viel sympathischer als immer alles verbissen richtig machen zu wollen. Körpersprache spielt auch eine wichtige Rolle. Wer selbst offen, entspannt und freundlich auftritt, dem wird so auch von anderen Menschen in der Regel begegnet. Man kann sich auch selbst kleine Aufgaben stellen, wie zum Beispiel jemand Fremdes freundlich zu grüßen, jemanden in der Bahn anzusprechen oder sich alleine einer sozialen Situation zu stellen, die man sonst meiden würde. Und zu guter Letzt und ganz besonders wichtig: Man muss auch einfach ein Stück weit annehmen, dass man nun mal schüchtern ist. Und das ist auch okay so. Solange man nicht darunter leidet und sich mehr Kontakt wünscht, kann man auch ganz gut mit Schüchternheit leben.

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