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Vero im Scenario-Test: Wenige Mitglieder im gehypten Netzwerk

Annika Mittelbach 15. März 2018 10:14

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    So sieht sie aus, die App Vero. Vero wird als Nachfolger der sozialen Netzwerke gehandelt. Tatsächlich bietet die Anwendung eine Art Mischung bisheriger Angebote wie Facebook, Instagram und Twitter.

Wer sich auf Social Media Plattformen wie Instagram rumtreibt oder auch mal einen Blick auf die Top-App-Charts von Google und Apple in den vergangenen Tagen geworfen hat, wird um den neuen Hype um das soziale Netzwerk Vero nicht herumgekommen sein. Vor allem viele Instagrammer posteten, dass sie nun einen Account auf Vero hätten und motivierten ihre Follower, ihrem Beispiel zu folgen. Doch was hat es eigentlich mit Vero auf sich?

Vero ist eine Social-Media-Plattform, die dazu gedacht ist, Bilder, persönliche Aktivitäten und interessante Links mit seinen Freunden teilen zu können. Es ist im Grunde eine Mischung aus Facebook und Instagram, die Sammlungen von Erlebnissen und Eindrücken anlegen soll. Welche Bücher hat man beispielsweise gelesen und wie fand man sie?

Das Netzwerk will, anders als seine großen Konkurrenten, ohne Werbung auskommen und verwendet auch keinen Algorithmus, der die Nutzer-Beiträge sortiert. Stattdessen kommen die Beiträge in der Timeline einfach chronologisch. Damit möchte man vor allem bei Nutzern punkten, die sich von der ständigen Werbung auf Facebook und Co. belästigt fühlen.

Dabei ist die App eigentlich nicht neu. Seit 2015 ist Vero schon auf dem Markt und hat die vergangenen drei Jahre eher in der Bedeutungslosigkeit gedümpelt. Laut den Betreibern der Website nutzen aber inzwischen über eine Million Menschen Vero. Als Entwickler hinter der App steht der Milliardär Ayman Hariri, der Sohn eines ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten.

Prominente machen fleißig Werbung

Wie kommt es nun, dass die App nach drei Jahren plötzlich so gehypt wird? Es steht die Vermutung im Raum, dass Prominente dafür bezahlt werden, Werbung für Vero zu machen. In Deutschland haben beispielsweise Rapper Casper und der Moderator Klaas Heufer-Umlauf verkündet, dass sie von nun auch einen Account bei Vero haben. Und man muss sagen, dass Vero durchaus auch spannende Ansätze verfolgt. Zum Beispiel kann man Freunde beim Schließen der Freundschaft direkt in einen Beziehungsstatus einordnen. Sind sie enge Freunde, Follower oder Bekannte? Dadurch können Beiträge für bestimmte Zielgruppen gepostet werden und man verspricht sich davon, dass die Nutzer dann freier in ihrem Verhalten sind. Diesen Ansatz, die Freunde in bestimmte Kreise einzuteilen, gab es jedoch vorher auch schon bei Google+ und ist auch bei Facebook über Freundeslisten möglich.

Generell sind die Dinge, die laut offizieller Seite für das Netzwerk sprechen, alles Dinge, die die großen Anderen früher auch hatten. So hat Facebook mit weniger Nutzern auch noch ohne Algorithmus funktioniert und früher waren die anderen Social-Media-Plattformen ebenso werbefrei wie Vero. Bleibt also im Grunde kritisch abzuwarten, beziehungsweise infrage zu stellen, ob Vero diese Dinge bei steigenden Mitgliederzahlen auch weiterhin aufrechterhalten kann.

Zudem gibt es auch dicke Minuspunkte, die gegen Vero sprechen. Es soll auf lange Sicht ein Mitgliedsbeitrag eingeführt werden. Wie teuer dieser sein wird, ist noch nicht bekannt. Außerdem muss man bei der Anmeldung angeblich aus Sicherheitsgründen seine Telefonnummer hinterlegen.

Als psychologische Erklärung für den plötzlichen Hype benennen einige Experten den sogenannten „Fomo“-Effekt. Fomo steht für „Fear of missing out“, also die Angst davor, etwas zu verpassen. Das bezieht sich zum einen darauf, dass den ersten Millionen Menschen auf Vero ein kostenloses Abo auf Lebenszeit versprochen wurde, und zum anderen, dass gefühlt im Moment jeder zu Vero geht.

Doch im Grunde ist es nicht so und man verpasst auch nichts. Ich selbst habe mich dort aus Neugier angemeldet und habe gerade mal zwei Freunde aus dem realen Leben dort gefunden. Ein Netzwerk ohne Mitglieder ist uninteressant. Da helfen auch Werbefreiheit und die chronologische Timeline nicht weiter.

So schnell der Hype nun aufgekommen ist, so schnell wird er vermutlich auch schon wieder vorbei sein. Viele Nutzer propagieren inzwischen auf anderen Plattformen wie Twitter und Co. unter dem Hashtag #DeleteVero ihre Unzufriedenheit und den Rückzug von der Plattform. Diese Unzufriedenheit liegt nicht nur an der momentanen Überforderung der Betreiber und die ständig überlasteten Server, sondern einfach daran, dass Vero nicht so wirklich etwas taugt. Dafür ist es zu wenig innovativ und die Minuspunkte der Plattform sind einfach zu gravierend.

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