Hertener Allgemeine Medienhaus Bauer

Weihnachtsmärkte: Dortmunds weltgrößter Weihnachtsbaum bekommt Konkurrenz aus Herne

09. Oktober 2018 15:02

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Der selbsternannt größte Weihnachtsbaum der Welt ist die absolute Hauptattraktion des Dortmunder Weihnachtsmarkts. Doch nun macht ihm ein Konkurrent aus Herne den Titel streitig.

Seit Jahren schon wirbt der Dortmunder Weihnachtsmarkt mit "dem höchsten Weihnachtsbaum der Welt": 45 Meter hoch, bestehend aus 1700 Rotfichten, jedes Jahr neu und prächtig von zwei Millionen LEDs illuminiert. Er ist das Alleinstellungsmerkmal dieses Weihnachtsmarktes, ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt. Vermeldet dann ein Veranstalter der kleineren Nachbarstadt auf einmal die gleiche Attraktion zu haben - und vor allem: genau so hoch! - riecht das nach Rivalität.

 

Dieser allzumenschliche Konkurrenzreflex ist ja an sich nichts Überraschendes: Seit Jahrtausenden überbieten sich Gesellschaften mit der Höhe ihrer Monumente - im Grunde eine Form primitiver Machtdemonstration. Höhe, so schreibt es der Medienwissenschaftler Andreas Sudmann, sei "eine der wesentlichen Ausdrucksformen, wenn nicht gar die Ausdrucksform der Überbietungsdynamik." Das beginnt bei den Pyramiden, geht über Kathedralen, Kirchen und Türme und endet bei dem Wolkenkratzer.

 

Dortmunds Schausteller-Chef: "Ein Bäumchen auf einem Glühweinstand"

Und scheinbar sind auch Weihnachtsbäume - Symbole für die Hoffnung, für das ewiggrüne Leben, aufgestellt zum Fest der Geburt Jesu von Nazareth - davon nicht ausgenommen: Nun gaben die Organisatoren des "Cranger Weihnachtszaubers" bekannt, dass sie dieses Jahr den "größten mobilen Weihnachtsbaum der Welt" aufbauen werden. In ihn integriert ist eine zweistöckige Gastronomie.

 

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: "Herne will ?unserem' Weihnachtsbaum Konkurrenz machen" titelt dortmund24.de, BILD schreibt von "Weihnachtsmarkt-Zoff". Wie himmelschreiend absurd: Wäre es nur halb so schlimm, hätte der Cranger Baum nur 40 statt 45 Meter? Und was wäre nur los, wenn das fahrbare Gerät mit integrierter Bude höher wäre?

 

"Ein Bäumchen auf einem Glühweinstand"

 

Für Patrick Arens, Chef des Schaustellerverbandes, macht die Höhe durchaus einen Unterschied: "Eigentlich ist das ein Bäumchen auf einem Glühweinstand", sagt er etwas bitter. Es ist ihm wichtig zu betonen, dass der Stand unter dem Baum sicherlich bestimmt elf Meter habe, und erst danach käme der Baum.

 

"Die Weihnachtsmärkte haben sich in den letzten Jahren stark entwickelt, wir stehen viel in Konkurrenz", sagt er. "Wenn dann ein Veranstalter dazu kommt, der sich mit Federn schmückt, die ihm nicht zustehen, macht uns das nichts aus." Diese "Federn" sind, folgt man seiner Argumentation, vor allem die Formulierung, die genutzt werde: "größter Weihnachtsbaum der Welt". Denn der steht, so die Implikation, einzig und allein in Dortmund.

 

Herner: "Unser Baum ist einzigartig"

 

Dominik Hertrich, Sprecher der Cranger Weihnachtsveranstaltungs GmbH & Co. KG, kokettiert mit der Reaktion aus Dortmund: "Wir haben uns nicht von dem Dortmunder Baum inspirieren lassen", sagt er. "Unserer ist ja ein ganz eigener Baum: mobil und mit Gastronomie im Innern." Er sei komplett künstlich, existiere zudem schon seit 2016: Da soll er in England gestanden haben und sei sozusagen dieses Jahr nur "zu Gast" in Herne. Veranstalter Sebastian Küchenmeister betreibe die Bude unter dem Baum sogar selbst. Er sei "mit Leib und Seele dabei".

 

"Wenn Weihnachten ist und man zu Hause einen Baum aufstellt, dann ist es wahrscheinlich, dass der Nachbar auch einen Baum hat", sagt Hertrich, nicht ohne Süffisanz. "Und da versteht man sich doch trotzdem." Ob er verstehe, dass die Höhe von 45 Metern in Dortmund Irritation auslöse? "Nein, das kann ich nicht nachvollziehen. Unser Baum ist schließlich einzigartig."

 

Sehr gelungene Marketing-Kampagne

 

Patrick Arens glaubt, dass die Herner aber sehrwohl wüssten, was sie da tun: "Die versuchen halt ihre Veranstaltung in Schwung zu bringen, in ihrem kleinen Vorort von Herne. Eigentlich kann man es ihnen nicht verübeln." Er betont, dass er, anders als bisher berichtet, entspannt mit der Aktion umgehe: "Ich bin nicht ?auf dem Baum'."

 

Insgesamt sei das Ganze "eine sehr gelungene Marketingkampagne. Am Ende haben wir ja auch etwas davon." Definitiv Aufmerksamkeit - und fantastisch vermarktete 90 Meter Glitzer-Baumkitsch, die sich dieses Jahr im Ruhrgebiet konzentrieren. Besinnung im Superlativ.

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