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Ratsbeschluss: Rudi Assauer wird NICHT Ehrenbürger der Stadt Herten

Frank Bergmannshoff, Carola Wagner, Daniel Maiß 12. Oktober 2017 00:01

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    Rudi Assauer erhielt 2006 die Diagnose Alzheimer. Foto: Roland Weihrauch/Archiv

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    Rudi Assauer. Foto: dpa

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    Karin Assauer, die Schwester von Rudi Assauer, verfolgt die Ratssitzung auf der Tribüne. Foto: Carola Wagner

HERTEN Der Rat der Stadt Herten hat am Mittwochnachmittag darüber entschieden, ob Schalke-Ikone Rudi Assauer die Ehrenbürgerwürde erhalten soll. Die Mehrheit verweigerte dem 73-Jährigen jedoch diesen Ehrentitel. In einem Live-Ticker haben wir ab 17 Uhr aktuell aus der Ratssitzung berichtet.

Der Live-Ticker ist beendet.
Die Hertener Allgemeine wird in der Donnerstagsausgabe ausführlich berichten.
Dabei wird auch die Familie Assauer zu Wort kommen.

17.38 Uhr:
Bürgermeister Toplak: "Ich werde das Ergebnis nicht kommentieren."
Draußen auf dem Flur sind Besucher der Ratssitzung, es wird laut diskutiert.
Die Ratssitzung läuft regulär weiter. Es geht um einige Nachbesetzungen in politischen Gremien...

17.35 Uhr:

Rudi Assauer wird NICHT Ehrenbürger der Stadt Herten!


Es fällt Bürgermeister Toplak schwer, das Ergebnis zu verlesen.

Das Abstimmungsergebnis:
Ja: 17
Nein: 21
Enthaltung: 2

17.32 Uhr: 
Die Abstimmung ist beendet. Jetzt wird ausgezählt. Auf der Tribüne des Ratssaals sitzen Rudi Assauers Tochter Bettina Michel und seine Zwillingsschwester Karin Assauer. Sie warten gespannt.

17.21 Uhr:
BM Toplak leitet die geheime Abstimmung ein. Jedes Ratsmitglied wird nun namentlich aufgerufen und muss in einer Wahlkabine seine Stimme abgeben.

17.20 Uhr:
UBP-Fraktionsvorsitzender Lars Radziej hält eine geheime Abstimmung für falsch. Er sagt, es solle doch jedes Ratsmitglied zu seiner Entscheidung stehen.

17.19 Uhr:
Bugzel erklärt, dass man in der SPD-Fraktion nicht zu einer einstimmigen Meinung gekommen sei. Daher die geheime Abstimmung. Er will das Thema nicht von der Tagesordnung nehmen lassen.

17.16 Uhr:
CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Grave weist darauf hin, dass eine Zwei-Drittel-Mehrheit für die Ehrenbürgerschaft nötig wäre. Er fordert die SPD auf, deutlich zu machen, wie groß die Zahl der Nein-Sager in der SPD-Fraktion bei einer geheimen Abstimmung womöglich sein könnte. Wenn absehbar sei, dass es die nötige Mehrheit nicht gebe, dann solle die SPD beantragen, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen, um weiteren Schaden von Rudi Assauer abzuwenden.

17.13 Uhr:
Keine Fraktion will etwas sagen. SPD-Fraktionsvorsitzender Christian Bugzel beantragt geheime Abstimmung.

17.12 Uhr:
Der Tagesordnung Ehrenbürgerschaft beginnt.

BM Toplak betont, Rudi Assauer habe sich für Herten verdient gemacht. "Die Ehrenbürgerschaft ist für mich eine einfache Möglichkeit, darauf stolz zu sein."

17.10 Uhr:
Bürgerfragestunde.

17.08 Uhr:
Bürgermeister Toplak gibt einige Änderungen zur Tagesordnung bekannt.

17.05 Uhr:
Ingrid Buttler (CDU) wird für 15-jährige Zugehörigkeit zum Hertener Rat geehrt. Bürgermeister Toplak überreicht Blumen. CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Grave ebenfalls.

17.03 Uhr:
Bürgermeister Fred Toplak eröffnet die Sitzung. Zuerst vereidigt er Lieselotte Kowalski als neue Ratsfrau in der SPD-Fraktion. Sie ersetzt den ausgeschiedenen Ratsherrn Michael Jähn.

Der Rat ist aufgrund einiger Anmeldungen wie folgt besetzt: SPD (21 Fraktionsmitglieder), CDU (12), UBP (2), Linke (2), Grüne (2). Außerdem ist Bürgermeister Fred Toplak (parteilos) stimmberechtigt.

16.59 Uhr:
Schalke-Ehrenpräsident Gerd Rehberg war heute Nachmittag im Kardinal-Galen-Haus zu Besuch. Wir haben ihn kurz zum Thema Rudi Assauer befragt. Rehberg wusste von der Entscheidung heute und hat nur diplomatisch gesagt: "Das ist nicht mein Bier, das ist Sache der Stadt Herten. Da halte ich mich raus."

16.50 Uhr:
Die Tribüne im Ratssaal füllt sich. Unter den zahlreichen Besuchern fiebert auch Michael Krause (39) mit, wenn unten im Ratssaal die Abstimmung über Rudi Assauers Ernennung zum Ehrenbürger läuft. Krause lebt seit sieben Jahren in Herten, stammt aus Gelsenkirchen und ist quasi von Geburt an glühender Schalke-Fan mit Dauerkarte und Mitgliedschaft im S 04. „Die Idee, Rudi Assauer zum Ehrenbürger zu machen, ist ja nicht neu“, sagt Krause. „Die hat zum Beispiel Reiner Calmund schon im Jahr 2015 bei einer Talkshow auf der Zeche Ewald hier in Herten geäußert.“ Der Vorschlag des ehemaligen Bundesliga-Managers habe ihm aus der Seele gesprochen. „Ich habe den Gedanken dann beim Unternehmertreff am 28. Februar 2017 an Bürgermeister Toplak herangetragen. Der fand die Idee gut und wollte drüber nachdenken – was er dann ja offensichtlich auch getan hat.“ Michael Krause hofft, dass die Mehrheit der Ratsmitglieder für die Ernennung Assauers zum Hertener Ehrenbürgerschaft stimmt. "Er hat es ganz einfach verdient."
 

Hintergrund:

Die Initiative zur Ehrenbürgerschaft ging von Bürgermeister Fred Toplak aus. Er hatte im September einige Ratsmitglieder per E-Mail über seine Idee informiert, es folgte eine kontroverse öffentliche Diskussion. Auch in der Politik ist bisher kein einheitliches Meinungsbild zu erkennen. Womöglich kommt es in der Ratssitzung heute Nachmittag zu einer geheimen Abstimmung. Deren Ausgang wäre dann kaum vorhersagbar.

In der bisherigen Diskussion meinten die Kritiker einer Ehrenbürgerschaft, Rudi Assauer sei in Herten kaum präsent gewesen und habe konkret für die Stadt wenig geleistet. Die Befürworter hingegen betonten, Assauer sei seinem Stammverein, der Spielvereinigung, stets engagiert verbunden geblieben und als Fußball-Ikone eine zentrale Identifikationsfigur für die Menschen in Herten und im Ruhrgebiet.

Um 17 Uhr beginnt die Ratssitzung. Das Thema Ehrenbürgerschaft steht auf Platz 4 der Tagesordnung. Wir berichten aktuell über die Entscheidung und - falls es vorher eine gibt - auch über die politische Diskussion.

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Kommentare

Seite: 1 2 (2 Seiten)

Bitte um Hilfe
von elgeka am 11.10.17 18:02 Uhr

Es heißt: "CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Grave weist darauf hin, dass bei einer geheimen Abstimmung eine Zwei-Drittel-Mehrheit für die Ehrenbürgerschaft nötig wäre."

Warum ist bei einer geheimen Abstimmung eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig? Das soll ja wohl bedeuten, dass bei einer offenen Abstimmung eine einfache Mehrheit gereicht hätte.

Wo ist mein Denkfehler?

2/3 Mehrheit ist Pflicht
von Distelnkenner am 11.10.17 18:39 Uhr

Ein Ehrenbürger*in muss mit 2/3 Mehrheit des Rates gewählt werden. Dabei spielt es keine Rolle ob die Wahl geheim oder offen angesetzt wird.

§ 34 (Fn 35) Gemeindeordnung des Landes NRW
Ehrenbürgerrecht und Ehrenbezeichnung

(1) Die Gemeinde kann Persönlichkeiten, die sich um sie besonders verdient gemacht haben, das Ehrenbürgerrecht verleihen. Sie kann langjährigen Ratsmitgliedern und Ehrenbeamten nach ihrem Ausscheiden eine Ehrenbezeichnung verleihen.

(2) Beschlüsse über die Verleihung oder die Entziehung des Ehrenbürgerrechts und über die Entziehung einer Ehrenbezeichnung fasst der Rat mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der gesetzlichen Zahl der Mitglieder.

Bemerkung ohne belang
von Distelnkenner am 11.10.17 18:43 Uhr

Die Bemerkung der CDU war ohne belang. Andere würden sagen ein gezieltes Ablenkungsmanöver.

Danke für den Hinweis
von haredaktion am 11.10.17 19:56 Uhr

Kein Denkfehler. Es ist immer eine 2/3-Mehrheit nötig, nicht nur bei geheimer Abstimmung. Vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben die missverständliche Text-Passage umformuliert.

Warum wird der Ticker jetzt beendet?
von mawe am 11.10.17 18:35 Uhr

Zu der Entscheidung kann man ja stehen wie man will. Ich hätte die Ehrenbürgerschaft befürwortet. Was ich nicht verstehe: Warum wird nach Bekanntgabe des Ergebnisses der Ticker beendet? Für mich gibt es in so einer Ratssitzung wahrlich wichtigere Sachen als diese Ehrenbürgerschaft. Da hätte man ja durchaus auch diese wichtigen Sachen weiter im Ticker bringen können...

Thema Ehrenbürgerschaft
von haredaktion am 11.10.17 19:57 Uhr

Der Live-Ticker bezog sich wegen des besonders großen Bürger-Interesses ausdrücklich auf das Thema Ehrenbürgerschaft.

Dieses Ergebniss
von fireman am 11.10.17 20:43 Uhr

war vorherzusehen. Die SPD-Fraktion hatte sich empört, wie der Bürgermeister " im Alleingang " so etwas vorschlagen kann ! traurig

Fazit: Kommt ein guter Vorschlag nicht von der SPD, ist er halt schlecht traurig egal wie gut er auch sein mag !

Armes Herten !

Wie man wieder sieht,
von schneekiller1 am 11.10.17 22:47 Uhr

geht es in Herten der SPD nur noch um das Thema wie man den von den Bürgern gewählten Bürgermeister so lange madig macht, dass er zurücktritt!
Wie und mit welchen Mitteln man das hinbekommt und was das für die Außendarstellung bedeutet ist den Herrschaften völlig egal, denn es gilt nur noch die eigenen Pfründe zu sichern, man stelle sich vor die städt. Gesellschaften und Betriebe würden wie es der Bürgermeister vorschlägt verschlankt oder völlig ausgelagert, dann hätte man als Ratsmitglied gar keinen Einfluss mehr aufs Pöstchenschieben, da könnte ja die Fachlichkeit eines Bewerbers vor dem Parteibuch gehen!!
So etwas gilt es zu verhindern, mit allen Mitteln!
Ich sage auch voraus, dass sie lieber Herten in die Pleite schicken, bevor es zur Aufspaltung des Zentralen Betriebhofes kommt!!
Wen interessieren noch die Bürger, siehe Abfallgebühren, es wird wohl Zeit Herten zu verlassen, denn unter diesen Bedingungen ist weder selbstständiges Arbeit noch Leben in Herten möglich!!!!

Imageverlust
von schalkerdoc am 11.10.17 23:57 Uhr

Ein weiterer Imageverlust für eine Stadt, die leider sehr wenig zu bieten hat. Für mich als (Mit-)Bürger ein weiteres Kapitel im großen Buch der lokalpolitischen, kleinkarierten und zutiefst provinziellen Peinlichkeiten. Da hätte man einmal eine positive Presse für eine abgehängte und sonst in Deutschland fast niemandem bekannte Stadt erzielen können - so aber gibt man ein albernes Bild ab. Eine feine Werbung...
Aber wir haben ja noch hochverdiente Ehrenbürger. Besonders den einen. Den wiederum kennt die ganze Welt...

Sehr gute Entscheidung!
von great1 am 12.10.17 07:49 Uhr

Da Herr Assauer keinerlei Verdienste um unsere Stadt hat (außer, dass er mal bei DJK Herten spielte - was aber viele vor und nach ihm auch taten), ist die Entscheidung gut und korrekt!
Wenn man sein Engagement beim FC Schalke 04 würdigen will, überlässt man das doch bitte den Gelsenkirchenern. Sein "soziales Engagement" berechtigt zu keiner Zeit eine Ehrenbürgerschaft in Herten. Da gibt es zahlreiche andere und geeignetere Personen für.
Ein Ehrenbürger R. Assauer wird es daher, zurecht, in Herten nicht geben. Gerne darf der Hertener Bürgermeister seinen "Kandidaten auf die Ehrenbürgerschaft" dem Kollegen in Gelsenkirchen vorschlagen. zwinkern

Kopfschütteln
von DOB am 12.10.17 08:00 Uhr

Für mich ist das Ergebnis absolut nicht nachvollziehbar, dennoch macht es mich stolz in der Stadt aufgewachsen zu sein, aus der auch Rudi Assauer kommt. Danke an alle diejenigen, die diese Ehrenbürgerschaft für diese Persönlichkeit möglich machen wollten, mehr als schade, dass ein solcher Vorschlag nun gescheitert ist, für Herten sowieso!

Ich bin weder Hertener,
von Kopfschuettler am 12.10.17 08:59 Uhr

noch besonders an Fußball interessiert. Deswegen ist mir diese konkrete Angelegenheit auch vollkommen wumpe. Aber kann jemand von den Assauer-Fans mal mein Gedächtnis auffrischen. Wie hoch waren doch gleich die Schulden des Vereins, als Assauer bei Schalke ausgestiegen ist – bzw. zum zweiten Mal wurde? Und stimmt es eigentlich, dass der Kickerclub seinerzeit nur deshalb dem Lizenzentzug entgangen ist, weil die Stadt Gelsenkirchen eine höchst umstrittene Bürgschaft geleistet hat? Mit dem Geld anderer ist gut wirtschaften, aber muss man dafür Ehrenbürger werden?

Kasperleteather ala Ruhrgebiet
von derwobescheidweiss am 12.10.17 09:50 Uhr

Ehrenbürger verdient oder nicht.
Da werden also Profilneurosen einzelner auf dem Rücken eines schwer kranken Mannes ausgetragen.
Herten, die Weltstadt mit Herz grinsen

Wenn Ihnen diese Angelegenheit
von nickelback am 12.10.17 09:52 Uhr

völlig wumpe ist, warum kommentieren Sie dann hier? Zudem hat ihr Kommentar absolut nichts mit der Ehrenbürgerschaft zu tun.

Posting wurde gesperrt
von Kopfschuettler am 12.10.17 10:51 Uhr

Das Posting verstößt gegen unsere Netiquette und wurde daher gesperrt.

SPD, einfach nur lachhaft
von Bully am 12.10.17 11:01 Uhr

Man kann ja geteilter Meinung bzgl. der Verdienst von Assauer sein.

Das was peinlich ist, ist das Verhalten der SPD. So ein Armutszeugnis abzuliefern und dann noch nicht einmal die Cochones zu haben, öffentlich abzustimmen....... grandios!

Rudi Assauer wird NICHT Ehrenbürger der Stadt Herten
von Ernstl am 12.10.17 11:45 Uhr

Egal ob dafür oder dagegen... Ich empfinde es als eine Unverschämtheit, dass sich Politiker darüber aufregen, dass man diese "Angelegenheit" nicht "vorher und im Geheimen" abgesprochen hat.... So verläuft Glasnost in Herten!

Die Antwort auf alle Fragen
von gut-bo am 12.10.17 15:04 Uhr

ist hier doch von Distelnkenner gegeben worden, indem er § 34 (1) der GemO NRW zitiert hat. Die Gewissensfrage für das Ratsmitglied lautete damit: Hat sich die vorgeschlagene Person für die Stadt so besonders verdient gemacht, dass sie zum Ehrenbürger taugt? Mit seiner Entscheidung folgte der Rat zweifelsohne der gesetzlichen Norm. Entscheidungen des Rats sind ungeachtet seiner Zusammensetzung zu respektieren. Wer stattdessen irgendwelche wilden Hypothesen darüber spinnt, wer wem Schaden möchte, oder Ratsmitglieder verunglimpft hat die parlamentarische Demokratie nicht verstanden, meint sich nicht an Normen halten zu müssen und macht sich außerdem strafbar.

Kopfschuettler
von nickelback am 12.10.17 15:23 Uhr

Bißchen zu heftig geschüttelt?

Rudi Assauer kein Ehrenbürger
von Kersten am 12.10.17 15:38 Uhr

Ich finde es Unverschämt das die Parteien ihre Machtkämpfe so austragen, das die Stadt Herten in NRW die größte Lachnummer ist. Rudi Assauer kann bestimmt nichts dafür, das die SPD ihren Bürgermeister verloren hat, und jetzt ihre Macht im Rat zeigen. Dies ist unterste Schublade. Man muss sich wirklich als Bürger schämen,für solche Leute die da im Rat sitzen.

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