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Erfolgreiche Reanimation: Waltroper Klaus Ulbrich wird zum Lebensretter

10. März 2018 07:00

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    Der Waltroper Klaus Ulbrich.

WALTROP/SÜDKIRCHEN Die Nacht auf Nelkendienstag werden Felix Tewes (74) und Klaus Ulbrich (70) nie vergessen. Bis 0.45 Uhr waren sich die Männer fremd. Doch dann wird der eine Lebensretter des anderen.

Von Sylvia vom Hofe

Klaus Ulbrich sitzt etwas unbehaglich auf dem Sessel vorm prasselnden Kamin. Dass sich die Unterhaltung plötzlich nur noch um ihn zu drehen beginnt, passt ihm nicht. „Ich habe ja nur das gemacht, was in dieser Situation jeder machen sollte“, sagt der Waltroper und lächelt scheu. „Eigentlich nichts Besonderes“ – für Felix Tewes allerdings schon.

Beherzt zugepackt

Der Mann auf der anderen Seite des runden Tisches würde heute vermutlich nicht mehr leben, wäre Klaus Ulbrich nicht des Weges gekommen und hätte beherzt zugepackt – in dieser Karnevalsnacht vor dreieinhalb Wochen, in der es alles andere als lustig zuging.

„Ich hatte gerade Feierabend“, erzählt Julia Buberl (23). Sie wohnt in Südkirchen. Ihre Gastgeber, das Ehepaar Tewes auf der Wersebrede, kannte sie aber nicht – bis zu dem schicksalhaften 13. Februar. „Mein Kollege hat mich nach Hause gefahren“, so Buberl. Das sei im Unternehmen G-P-S Security aus Lüdinghausen, für das sie arbeitet, so üblich.
 

Regungslos auf dem Bürgersteig

Bis Mitternacht hatte sie für Sicherheit auf dem Seppenrader Karnevalsfest gesorgt – ohne größere Zwischenfälle –, jetzt wollte sie nur noch eines: die Füße hochlegen. Von diesem Ziel ist sie nur noch einige hundert Meter entfernt, als Klaus Ulbrich, der Kollege am Steuer, auf die Bremse tritt.
Auf dem Bürgersteig nahe dem Ehrenmal liegen zwei Männer. Der eine rappelt sich gerade auf. Der zweite bleibt regungslos am Boden: Felix Tewes, wie sich später herausstellen sollte.
Name, Herkunft – all das ist egal, als Ulbrich den Wagen anhält und herausspringt. Dass hier jemand Hilfe benötigt, ist ihm sofort klar.

Die beiden Männer – der zweite ist Tewes Nachbar, den der um Hilfe gebeten hatte, als es ihm beim nächtlichen Luftschnappen immer schlechter ging – sehen nicht wie Spätheimkehrer von einer Karnevalsfeier aus, sondern wie normale Passanten. Allerdings in einer alles andere als normalen Situation.
Auf 100.000 Einwohner kommen laut Deutschem Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung rund 80 Fälle von Herzstillstand. Felix Tewes ist einer von ihnen. Er hat seinen Nachbarn mit sich gerissen, als das Herz aussetzte und er zu Boden sank. Nun gehört er zu den 10 bis 20 Prozent, die das überlebt haben – auch dank Klaus Ulbrich.
 

Schweißtreibende Herzdruckmassage

Als sich der Sicherheitsdienstler aus Waltrop neben Tewes auf den kalten Asphalt kniet, atmet der schon nicht mehr. Ulbrich setzt erst den Notruf ab und beginnt dann sofort mit der schweißtreibenden Arbeit: der lebensrettenden Herzdruckmassage. Die Überlebensrate von Patienten mit Herzstillstand würde sich laut Stiftung Deutsche Anästhesiologie verdoppeln bis verdreifachen, wenn jeder andere das genauso machte.
Plötzlich schlägt das Herz wieder. „Ich habe ihn zurück“, ruft Ulbrich. Eine Freudenbotschaft, die nur kurz währt. Das Herz hört erneut auf zu schlagen. Klaus Ulbrich drückt weiter: im gleichen Rhythmus tief in die Brust. Bis das Herz wieder anfängt. Der Lebensretter in der schwarzen Uniform des Sicherheitsdienstes macht das nicht zum ersten Mal. „Ich bin Rettungsassistent“, sagt er drei Wochen später im Kaminzimmer.

Nicht genug damit, dass er mit seiner Kollegin gerade rechtzeitig zur Hilfe kam – so viel Verkehr ist nachts in Südkirchen auch wieder nicht unterwegs –, der Mann am Steuer war auch noch ein Profi. „37 Jahre bei der Berufsfeuerwehr Dortmund.“ Da habe er schon so manchen reanimiert – nicht immer mit so großem Erfolg wie im Fall von Felix Tewes. Und eigentlich noch nie mit so einer freundlichen Geste im Anschluss.
 

Suche nach dem Retter via Facebook

„Wir suchen das junge Paar, welches bei meinem Vater lebensrettende Maßnahme durchgeführt hat. (...) Mein Vater möchte sich bedanken.“ Das postet Sandra Tewes zwei Tage nach dem Vorfall in der Facebook-Gruppe „Was in Südkirchen passiert“. Dass der Lebensretter selbst schon 70 Jahre alt ist, ahnt sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. „Auch wir haben versucht, Kontakt aufzunehmen, weil wir uns nach dem Befinden von Herrn Tewes erkundigen wollten“, sagt Prof. Winfried Pinninghoff, der Geschäftsführer des Sicherheitsunternehmens G-P-S. Die Suchanfragen kreuzen sich.

Genesungswünsche treffen Genesungserfolg. Das Ergebnis: die Einladung in die gemütliche Runde am Kamin an diesem Tag. „Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll“, sagt Tewes Ehefrau und umarmt Ulbrich. Der lächelt nur: „War doch selbstverständlich.“

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Kommentare

Sehr schön!
von Knax001 am 10.03.18 09:09 Uhr

Danke für den Bericht, sinniges hier zu lesen bin ich für meine 6,90€ garnicht mehr gewöhnt.

Glückwunsch an die Retter.

Posting wurde gesperrt
von Karellen am 11.03.18 10:24 Uhr

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